Ich muss ja noch posten! Vernetzen und gefunden werden auf Facebook

Das neuste Update von Facebook dürfte vor allem die schreibende Zunft interessieren. Der blaue Riese kündigte an, den Fokus mehr auf exklusive Berichterstattung und Transparenz zu legen. Damit trägt das Unternehmen seiner Verantwortung endlich Rechnung. Eine Langzeitstudie der TU Dresden und TU Darmstadt für die Jahre 2012 bis 2015 fand heraus, dass sich rund 91 Prozent aller Online-Nachrichten der Medienhäuser über den Like- und Teilen-Buttons verbreiten. 2015 wurde Facebook vom Reuters Institute der Universität Oxford als bedeutender Nachrichtenkanal bezeichnet. Ein Grund mehr, sich mit dem sozialen Netzwerk zu beschäftigen, um Sichtbarkeit, Reichweite und Leser zu erreichen.

Von Valerie Wagner

Allen Widrigkeiten zum Trotz: Facebook wächst kontinuierlich. Im ersten Quartal 2020 steigerte das Netzwerk die aktiven Nutzer auf 2,6 Milliarden weltweit. Facebook definiert dabei aktive Nutzer als User, die mindestens einmal pro Monat aktiv auf dem Netzwerk unterwegs sind. 1,73 Milliarden Nutzer weltweit sind dabei täglich aktiv. Die letzten aktuellen Zahlen für Deutschland stammen von All Facebook aus März 2019. Damals waren es 23 Millionen tägliche Nutzer, davon nutzten 22 Millionen die mobile Version.

Kurzum: Facebook ist das größte und erfolgreichste soziale Netzwerk und belegt im Ranking regelmäßig Platz eins, vor YouTube und WhatsApp.

Ausgangspunkt: Das Facebook-Profil

Für sämtliche Aktivitäten auf der Plattform braucht man ein eigenes Profil. Zum Beispiel um eine eigene Seite zu erstellen oder einer Gruppe beizutreten. Über das Profil kann man zudem Kontakt zu (echten) Freunden halten, Veranstaltungen verfolgen, Seiten abonnieren oder dem Lieblings-Autor folgen.

Wichtiger: Für das Profil gibt es unterschiedliche Einstellungen, mit denen man bestimmen kann, wer die Beiträge sieht. Entweder man entscheidet sich für „öffentlich sichtbar“, dann sehen alle Facebook-Nutzer den Post. So können auch Personen, die man nicht kennt und mit denen man nicht befreundet ist, den Post liken und teilen – wichtig für alle, die für ihre Blogbeiträge, Agenturmeldungen und Co. mehr Leserschaft erreichen wollen.

In den Privatsphäre-Einstellungen kann man festlegen, dass Posts auf dem Profil auch mal nur Freunde sehen können oder ob andere das Profil markieren können. In den Benachrichtigungen kann man festlegen, ob der Post, in dem man markiert wurde, in der eigenen Chronik auftauchen darf. So profitiert man vom Content Dritter im eigenen Interesse.

Über den Pfeil rechts oben und das Dropdown-Menü am Desktop kommt man zu den Einstellungen. Über „Einstellungen und Privatsphäre“ können diese angepasst werden. (Screenshot: Valerie Wagner)

Auf dem eigenen Profil und der Menüleiste können noch weitere Einstellungen vorgenommen werden. Unter „Info“ können beispielsweise Kontaktinfos, Werdegang, Arbeitgeber usw. eingetragen werden – hilfreich für alle, die via Facebook auch Berufskontakte pflegen. Diese sind dann so für andere sichtbar, wie es in den Privatsphäre-Einstellungen festgelegt wurde.

Unter dem Punkt „Mehr“ sieht man weitere Interessen. Zum Beispiel auch Facebook-Seiten, die man mit „gefällt mir“ markiert hat. Diese Einstellungen können jederzeit angepasst werden.

Sinnvoll: Eine eigene Fan Page

Wer jedoch viel „beruflich“ in dem Netzwerk unterwegs ist, sollte die Zeit für die Erstellung einer eigene Seite investieren. Auf der Facebook-Hilfe-Seite heißt es zu dazu: „Du musst über ein Profil verfügen, um eine Seite erstellen oder mitverwalten zu können. Auf Facebook dienen Seiten dazu, dass Künstler, Personen des öffentlichen Lebens, Unternehmen, Marken und gemeinnützige Organisationen mit ihren Fans oder Kunden in Verbindung treten können. Wenn eine Person eine Seite auf Facebook mit ‚Gefällt mir‘ markiert oder sie abonniert, kann sie Updates dieser Seite in ihrem News Feed sehen.“

Gerade letzteres ist ein Grund, warum Publizisten eine eigene Seite, sprich Fan Page betreiben sollten. Denn wie anfangs beschrieben, wird der Facebook-Algorithmus Berichterstattungen von Originalquellen bevorzugt ausspielen. Das bedeutet, die Reichweite erhöht sich und man wird sichtbarer. Es wäre doch schade, einen Artikel zu veröffentlichen, den niemand zu sehen bekommt.

Auch die Corona-Krise hat gezeigt, dass vieles in die sozialen Netzwerke verlegt wird. Unzählige Live-Berichterstattungen der großen Medienhäuser fanden über deren Fan Pages statt. Gerade zu Beginn des Lockdowns gab es zahllose Videos. Künstler und Musiker etwa stellten ihre Konzerte im Live-Stream zu Verfügung. Dort sind die Zuschauer und Leser. Dorthin müssen die Inhalte.

Ein Weg, den auch die VDRJ nun aktiver beschreitet. Seit März dieses Jahres ist Charis Stank VDRJ-Mitglied und bringt aktuell ihre Social-Media-Expertise in die Online-Präsenz der Vereinigung ein. Sie betreut die Facebook Fan Page, spielt Themen auch in der Gruppe aus und über den Twitter-Kanal.

Über die Facebook-Seite der VDRJ sagt sie: „Wir wollen die VDRJ sichtbarer machen und bekannter. Über die Facebook-Seite teilen wir daher relevante Informationen unserer Mitglieder, featuren Artikel der Website und spielen die Vorstellungen von Neumitgliedern aus. Die VDRJ ist vielseitig – das wollen wir zeigen. Zwar betreiben wir auch eine private Gruppe, die exklusiv für VDRJ-Mitglieder ist und einen informellen Austausch in geschützter Atmosphäre ermöglicht, aber Interaktion mit Außenstehenden und Reichweite für Beiträge erzielen wir über die Fan Page. Darüber sollen etwa potenzielle Mitglieder auf uns aufmerksam werden oder Auftraggeber Autoren finden oder Agenturen Kunden – die Themenmischung soll’s möglich machen.“

Außerdem können je nach Einstellung private Profile auf Seiten posten. (Screenshot: Valerie Wagner)

Clever: Mehr Reichweite durch Interaktion

Denn offizielle Facebook-Seiten sind grundsätzlich öffentlich sichtbar und können damit erwähnt werden. Ebenso kann ein privates Profil eine Seite mit „@Name der Seite“ markieren. Was im Umkehrschluss übrigens nicht funktioniert: Eine Seite kann einen privaten Account nicht markieren. Wird eine Seite markiert, erscheint der Name fett gedruckt im Post. Ob die Markierung funktioniert hat, erkennt man schon während des Schreibens am blauen Hintergrund.

Der Post erscheint allerdings nicht direkt bzw. sofort auf der markierten Seite, aber deren Seiten-Verwalter wird über die Markierung benachrichtigt und kann darauf reagieren. Das sollte er/sie auch tun, denn das macht Social Media aus: Er kann seinerseits den Post liken, auf dem Community-Bereich der Seite freischalten – oder auf deren Timeline teilen. Wer also nach einer Reise im Post seines Berichts die Destination, ein Hotel und/oder Museum markiert, nutzt die Chance, einen größeren Leserkreis zu erschließen. Zugegeben: Das Taggen ist ein Mehr- und Suchaufwand.

Facebook-Beiträge können mit dem Profil zudem geteilt werden. Aber auch Seiten können Seiten-Beiträge teilen. Interaktion funktioniert ebenso mit Kommentaren; kommentieren kann man mit dem Profil oder als Seite. Seit kurzer Zeit können auch Seiten einer Gruppe beitreten. Ob das vom Gruppen-Administrator gewünscht ist, entscheidet er selbst.

Hashtags, also zum Beispiel #dreamnowtravellater, haben auf Facebook keine Bewandtnis und sind nicht gern gesehen. Es kursieren Gerüchte, dass Beiträge mit Hashtags auch weniger Sichtbarkeit erhalten. Einige Seiten betreiben sogenanntes Cross-Posting. Das heißt, wenn ein Beitrag auf Facebook geteilt wird, erscheint er auch auf Instagram. Instagram wiederum nutzt Hashtags. Dort kann man diese auch abonnieren. Deshalb finden sich immer wieder Hashtags auch in Facebook-Posts. Cross-Postings sollte man allerdings vermeiden. Besser ist es, die Themen in Variationen auszuspielen.

Der Grundgedanke von Facebook-Gruppen: Community!

Die Facebook-Gruppe des VDRJ ist nur für Mitglieder zugängig. Der Status der Gruppe ist privat. Das bedeutet, die Inhalte, die dort veröffentlicht werden, sind von außen nicht sichtbar. Gruppenmitglieder können liken und kommentieren, aber die Posts nicht außerhalb der Gruppe teilen. (Screenshot: Valerie Wagner)

Eine Facebook-Gruppe ermöglicht es relativ einfach, eine Community rund um die eigene Person, ein Unternehmen oder einen Verein zu bilden. Auch dem Facebook-Algorithmus gefallen Gruppen auf der Plattform. Seit 2019 ist der Community-Gedanke noch mehr in Fokus gerückt. Facebook hatte dazu sogar TV-Werbung geschaltet.

In Gruppen kann man über gemeinsame Interessen diskutieren. Lange Zeit war es nur mit einem privaten Profil möglich, einer Gruppe beizutreten. Mittlerweile können auch Seiten einer Gruppe beitreten. Ob das vom Gruppenadministrator gewünscht ist, steht häufig in den Gruppenregeln. Es widerspricht aber dem Community-Gedanken und ist eher selten der Fall. Eine Seite kann von unterschiedlichen Personen verwaltet werden und wie im echten Leben, möchte man schon wissen, mit wem man es zu tun hat. Daher ist es eher unwahrscheinlich, dass Seiten als Gruppenmitglied akzeptiert werden. Zumal die Gefahr besteht, dass hier nur Werbepostings veröffentlicht werden. (Screenshot: Valerie Wagner)

Weitsichtig: Facebook strategisch nutzen

Facebook ist eine riesige Plattform, die folglich viele Möglichkeiten bietet, um sich zu vernetzen und gefunden zu werden.

Seiten und Gruppen sind, ein eigenes Profil vorausgesetzt, jedoch nur zwei Bestandteile, um Sichtbarkeit und Reichweite zu erhalten. Regelmäßiges Veröffentlichen und Posten, aber auch kommentieren und liken von relevanten Informationen müssen ebenfalls berücksichtigt werden, um erfolgreich zu sein.

Nicht vergessen werden darf: Hinter jedem Account steckt ein Mensch mit Bedürfnissen und Interessen. Es tut jeder gut daran, sich auf Social Media so zu verhalten wie im echten Leben. Nur so kann man Vertrauen aufbauen und eine Community bilden. Die ihrerseits belohnt dann die Aktivitäten auf dem Netzwerk mit Sichtbarkeit und Reichweite.

Linktipp

2017 startete Facebook das Journalism Project, das unter anderem Trainings für Journalisten zu verschiedenen „medien(schaffenden)relevanten“ Facebook-Themen anbietet, aber auch die Zusammenarbeit mit Verlegern/Verlagen im Blick hat.

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3 Kommentare

  1. Liebe Valerie, ein guter Überblick über die Möglichkeiten von Facebook. Danke, dass Du Dein Wissen mit uns teilst.
    Selbstverständlich freue ich mich besonders, dass Du auch die Strategie unseres VDRJ hier in Deinem Artikel thematisiert hast.
    Ich bin gespannt, ob Facebook das Journalism Project, tatsächlich auch noch auf andere Länder ausweitet und welche Möglichkeiten sich für Medienschaffende daraus ergeben.

  2. Als ich diesen Artikel verfasst habe, gab es schon Gerüchte darüber, dass Facebook wohl doch auf Hashtags setzen wird. Das konnte ich jedoch nicht belegen. Mittlerweile gibt es verschiedene Hinweise darauf, dass Hashtags auch auf Facebook relevant werden. Auf englisch-sprachigen Profilen und Seiten fordert das Netzwerk vermehrt dazu auf, Hashtags zu nutzen, um eine höhere Reichweite zu erzielen. https://onlinemarketing.de/news/facebook-hashtags-posts-pushen
    Es ist eine Frage der Zeit, bis diese Features auch im deutschsprachigen Raum ankommen.

    Dennoch gilt: weniger ist mehr und ich erinnere daran, dass Hashtags immer auch Statements sind, die wohl überlegt eingesetzt werden sollten.

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