Wildcard Buchmesse: Vom Blogger zum ausstellenden Verleger

Am Stand von Reisedepeschen konnte man am Messesonntag auch Bücher kaufen; Foto: Johannes Klaus
Am Stand von Reisedepeschen konnte man am Messesonntag auch Bücher kaufen; Foto: Johannes Klaus

VDRJ-Mitglied Johannes Klaus war 2018 mit seinem Reisedepeschen Verlag auf der weltgrößten Buchschau in Frankfurt. Hier berichtet er über seine Erfahrungen – und was dort in diesem Jahr geplant ist.

Gregor, das Maskottchen des Magazins GEOmini, ist eine freundliche, grüne Heuschrecke. Er war Marlenes erste große Liebe. Gregor unterhält am Nachbarstand die Besucher der Frankfurter Buchmesse und ist für unsere zweijährige Tochter die perfekte Ablenkung. Denn wir verbringen fünf volle Tage mit unseren zwei Kindern auf der Buchmesse – wir sind ein echtes Familienunternehmen.

Mitte Juni 2018 wurden wir informiert, dass unser frisch gegründeter Reisebuchverlag von einer Jury aus 457 Bewerbern einstimmig für die sogenannte Wildcard, einen kostenfreien Messestand, ausgewählt wurde. Seit einigen Jahren bietet die Messe einem deutschen und einem internationalen Unter-nehmen die Chance, ihre Arbeiten dort zu präsentieren.

Die Frankfurter Buchmesse ist für die Buchwelt das, was die ITB in Berlin für die Touristik bedeutet: Der größte Branchenmarktplatz, Netzwerktreffen, Marketingplattform. Hier wie dort dürfen sich am Wochenende auch Privatbesucher in den riesigen Hallen informieren, doch das Herz der Messe schlägt an den Fachtagen von Mittwoch bis Freitag. Auch in Frankfurt hat jedes Jahr ein Gastland seinen großen Auftritt, 2018 war dies Georgien, vom 16. bis 20. Oktober 2019 wird es Norwegen sein. Viele Parallelen, aber ein anderes Produkt. Daher: Ist eine Buchmesse auch für Reisejournalisten und -blogger spannend?

Natürlich sind die großen Verlagshäuser mit ihren vielen Reisebuchmarken hier, MairDumont (Lonely Planet, Marco Polo, Stefan Loose, Baedeker), GeraNova Bruckmann (Bruckmann, Frederking & Thaler, National Geographic), Travel House Media (Merian, Michael Müller, Trescher, Polyglott) – teilweise in dem für Reise und Touristik vorgesehenen Bereich in Halle 3.1, teilweise in anderen Hallen. Auch mittelständische Verlage wie die Reise KnowHow-Gruppe stellen ihre Produkte aus. Kleine Verlage und Selfpublisher haben die Möglichkeit, ihre Bücher an Gemeinschaftsständen zu präsentieren, die deutlich erschwinglicher sind. Doch hier sind Reisebücher eher rar.

Erwartungen und die Realität

Nun, 2018 gab es auch uns, den Reisedepeschen Verlag. Nur drei Bücher hatten wir im Gepäck, aber dafür einige Erwartungen: Von Haus aus Reiseblogger hatten wir uns als Quereinsteiger zwar einen ersten Einblick in die Buchbranche erarbeitet, wünschten uns jedoch, diesen in allen Bereichen deutlich zu vertiefen. Wir hofften auf viele aufschlussreiche Gespräche und darauf, interessante Menschen kennenzulernen. Auch wollten wir Menschen aus unseren Online-Communities und der Verlagswelt zusammenzubringen. Und nicht zuletzt bekannter werden.

Vieles erfüllte sich: Wir konnten wertvolle Kontakte in den Buchhandel knüpfen und wurden medial im Deutschlandfunk und im BR-Fernsehen begleitet. Wir veranstalteten mehrere gut besuchte Events an unserem Stand, bei denen Herausgeber und Autoren erzählten, vorlasen und Fragen beantworteten. Wir trafen uns mit Dienstleistern, anderen Verlagen und Buchhändlern.
Schwerer zu verwirklichen war die Idee, Reisejournalisten, Blogger, Fans aus den Online-Communities und Akteure der Verlagswelt zusammenzubringen. Reisethemen sind auf der Buchmesse eine Nische, und so hat sie es noch schwer, Fachbesucher anzulocken, die sich hauptberuflich mit Reisen und Touristik befassen. Die Veranstalter haben das erkannt und versuchen, solchen Inhalten mehr Raum und Aufmerksamkeit zu geben.

Für wen lohnt sich ein Besuch?

Ein Buch zu schreiben ist für viele Journalisten und Blogger nach wie vor ein Traum, auch wenn man damit selten viel Geld verdient. Auf der Buchmesse kann man sich in konzentrierter Form Verlage ansehen und (an den Fachtagen) mit Ansprechpartnern unterhalten – am besten im Voraus verabredet. Auch wer sich für Selfpublishing interessiert, wird 2019 fündig: Der neu konzipierte Bereich „Frankfurt Authors“ dreht sich rund um Themen des unabhängigen Publizierens.

Die Fülle an Veranstaltungen mit bekannten Gästen ist unübersehbar, doch Reisethemen sind Mangelware. Um hier mehr Vielfalt zu ermöglichen, hat die Buchmesse den „Gourmet & Travel Salon“ (Halle 3.1) geschaffen, der gezielt Blogger, Journalisten und Verlage zusammenbringen soll. Wir als Reisedepeschen Verlag haben für die Fachtage drei Podiumsdiskussionen konzipiert, die dort stattfinden werden.

Auch ist es Verlagen 2019 zum ersten Mal erlaubt, an beiden Publikumstagen Bücher direkt an Besucher zu verkaufen – bisher war dies nur sonntags gestattet. Gerade für kleinere Verlage bietet sich so eine Möglichkeit an, die Kosten des Messeauftritts zu verringern und neue Leser zu gewinnen. Günstiger wird es aber nicht: Messerabatte sind wegen der Buchpreisbindung generell ausgeschlossen.

Info Buchmesse 2019
Der Reisedepeschen Verlag veröffentlicht Reisehandbücher, Lese-Bildbände, Sach- und Bilderbücher. Auf der Frankfurter Buchmesse findet man ihn vom 16. bis 20. Oktober 2019 am Gemeinschaftsstand G29, Halle 3.1.
Die erwähnten Podiumsdiskussionen des Verlags zu den Themen „Storytelling“ (16.10.), „Vom Blog zum Buch“ (17.10.) und „Wie finde ich einen Verlag für mein Buchprojekt?“ (18.10.) finden von 15 bis 16 Uhr im Gourmet & Travel Salon (Halle 3.1, K90 bis L135) statt.
Mehr über die Internationale Frankfurter Buchmesse 2019 gibt es unter www.buchmesse.de, wo man sich mit dem Presseausweis unproblematisch online akkreditieren lassen kann. Bei Vorlage der Presseeintrittskarte ist das Parken im Messeparkhaus kostenfrei; einfach vorab an der Kasse dort melden.
In diesem Jahr wirbt die Buchmesse für sich mit „Hier ist, was wird.“, ihr offizieller Hashtag lautet #fbm19.

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