Filmen mit dem Smartphone

Für hochwertige Fernsehreportagen ist Profi-Equipment nach wie vor unverzichtbar. (Foto: Richard Hofer)
Für hochwertige Fernsehreportagen ist Profi-Equipment nach wie vor unverzichtbar. (Foto: Richard Hofer)

„Es reist sich besser mit leichtem Gepäck“ – diese Weisheit der Popgruppe Silbermond hat sich für Richard Hofer als Filmemacher inzwischen zum Leitmotiv entwickelt. Ein persönlicher Blick aufs Handy.

Was für eine tolle Entwicklung! Es ist gut zehn Jahre her, da sind wir bei unseren Dreharbeiten für den WDR (unter anderem während meiner 14 Jahre als Redakteur für „Wunderschön“, aber auch bei zahlreichen Reisefilmen für weitere Formate) noch mit 20 Kilogramm schweren Kameras unterwegs gewesen. Dazu kamen zehn Kilogramm schwere Stative, mehrere kiloschwere Zusatz-Akkus, für Kamera und Licht. Dazu zum Teil unhandlich große Mischpulte für den Ton.

Als höchst wichtiges Kriterium bei der Motivwahl galt lange Zeit, dass man möglichst nah an den Drehort mit dem Auto heranfahren konnte. Erst mal eine Stunde wandern? Vergiss es! Doch das ist Vergangenheit.

In den vergangenen Jahren wurde professionelles Filmequipment immer kleiner, besser und günstiger. Gerade wenn es um Mobilität unterwegs geht, schleppt sich kaum noch ein Kamerateam mit einer Riesenausstattung ab. Und nicht nur das, auch die Kameras von Smartphones wurden immer besser – 4K-Auflösung, meist als Ultra HD bezeichnet, ist bei guten Smartphones heute schon Standard.

Genau dort liegen denn auch ganz neue Nutzungsmöglichkeiten der handlichen Allrounder für uns alle, die wir in der heutigen „bewegten“ Zeit als Reisejournalisten arbeiten. Auch für Eigentlich-bin-ich-kein-Filmemacher …

Heute haben Smartphones integrierte Kameras, die hochauflösendes Bild- und auch Filmmaterial erzeugen. (Foto: Ingo Busch)

„Bewegte“ Möglichkeiten für alle

Natürlich ersetzen Smartphones keine professionellen Kameras. Für hochwertige Fernsehreportagen halte ich bei allen Sparbemühungen der Sendeanstalten professionelles Equipment und entsprechend ausgebildete Kamerakollegen nach wie vor für unverzichtbar. Aber als ergänzende Kamera für spontane Aktionen und insbesondere für Social-Media-Aktivitäten sind kleine, mit dem Handy gedrehte Filme in der Regel technisch ausreichend.

Und selbst hochdekorierte Multimedia-Journalisten wie zum Beispiel der Emmy-Award-Gewinner Richard „Koci“ Hernandez arbeiten häufig nur noch mit dem Smartphone, getreu dem Motto: „Die beste Kamera ist die, die sie dabei haben.“

Videos sind im digitalen Zeitalter ein tendenziell unverzichtbares Medium. Der Online-Journalismus nimmt zu und verspricht bei immer weniger Reiseteilen in den traditionellen Print-Medien einen wachsenden Absatzmarkt. Denn selbst Print-Verlage betreiben Online-Plattformen, auf denen sie immer häufiger Videos präsentieren. Und ein Video oder ein Video-Link auf der persönlichen Homepage bieten zusätzliche Chancen, die eigene Arbeit unterhaltsam und anschaulich zu präsentieren. Vorausgesetzt, man kennt die dramaturgischen wie technischen Grundbegriffe, beim Drehen und beim Schneiden des Videos.

Erste Tipps und Tricks

Wie bei jeder Printreportage auch, gilt es, sich vorab eine gute Story auszudenken. Aus beliebigen Filmclips lässt sich kaum ein spannendes Video schneiden.

Dabei wichtig sind Protagonisten. Menschen beleben den Film. Nur Landschaften, seien sie noch so schön, ermüden schnell. Bei O-Tönen möglichst nah an die Menschen ran, dann kann man auch verstehen, was sie sagen. Externe Mikros können da helfen, bedeuten aber wieder zusätzliches Equipment. Es gilt: Keep it simple!

Simpel, aber weitsichtig: Im Querformat drehen! Videos im Hochformat taugen allenfalls für Social Media, also ruhig den guten alten Fernseher im Kopf behalten. Genauso ist auch das Sehverhalten der Digitalnutzer. Beim Anschauen von Filmen wird automatisch auf quer gedreht.

Ein Tipp fürs Finetuning: Lange Seitenschwenks wirken oft langweilig und sind zudem gerne ruckelanfällig. Lieber mit eingeschalteter Kamera auf eine Situation oder eine Person zugehen. Und vor allem den Bildstabilisator einschalten.

Für Ambitionierte: Zusatzequipment wie Sticks und Gimbals ermöglichen hochwertigere Videos, sie sind aber dennoch klein und handlich. Hilfreich und ohne jegliche Zusatzgewichte sind Video-Apps wie FiLMiC Pro, die einerseits nicht nur leicht zu handhaben sind, sondern beispielsweise auch manuelle Belichtungen und das Nachjustieren von Schärfeverlagerungen rasch nutzbar machen.

Die Filmerstellung und -bearbeitung am Laptop oder PC: Bei Schnittprogrammen am Anfang auf intuitive, simple Bedienbarkeit achten. Beim MAC ist zum Beispiel iMovie bereits aufgespielt, das reicht fürs Erste vollkommen!

Last, but not least: Bei einer musikalischen Hinterlegung, egal ob nur kurz oder doch länger, die Musikrechte beachten. Einschlägige Video-Plattformen wie zum Beispiel Audiohub oder Youtube stellen rechts-, sprich linzenzfreie Musik zur Verfügung. Aber Achtung, frei steht nicht unbedingt für kostenlos (vgl diesen Beitrag hier über Jamendo).

Es sind gar nicht immer große Investitionen nötig: Schon Gratis-Schnittprogramme können tolle Videos ermöglichen. (Foto: Richard Hofer)

Per Workshop reinschnuppern

Effektiver als jeder theoretische Tipp ist jedoch ein Workshop, der zum einen solche dramaturgischen, technischen und juristischen Grundlagen vermittelt, zum anderen aber auch in praktischen Übungen viel Raum zum Ausprobieren lässt – unter fachkundiger Anleitung und in kollegialem Austausch.

Auf der Kanareninsel La Palma habe ich zum Beispiel unter anderem im Dezember 2018 einen solchen Workshop mit zehn engagierten Teilnehmern durchgeführt. Zugegeben, keine Journalisten, sondern ambitionierte Laien mit ganz anderem Hintergrund und Absichten. Doch wir hatten viel Spaß, und die Teilnehmer haben in den zweieinhalb Tagen viel gelernt. – Die Video-Zusammenfassung davon wurde ebenfalls ausschließlich mit Smartphones gedreht. Als erste Anregung und kleiner Einblick sicher auf für alle jene geeignet, die planen, zukünftig mehr „bewegt“ zu bebildern. Die Nachfrage dafür ist jedenfalls da.

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