Ein Thema, zwei Erfahrungen: Pressereisen in ungewöhnlichen Zeiten – Teil 2

Mit Sebastian Kneipp auf der Wandertrilogie Allgäu unterwegs zu sein, bedeutet in Zeiten wie diesen: Erkundungen auf den Spuren des Epidemie-erfahrenen „Cholera-Kaplans“ sind mit Maske doppelt gesund. (Foto: Allgäu GmbH, Simone Zehnpfennig)
Mit Sebastian Kneipp auf der Wandertrilogie Allgäu unterwegs zu sein, bedeutet in Zeiten wie diesen: Erkundungen auf den Spuren des Epidemie-erfahrenen „Cholera-Kaplans“ sind mit Maske doppelt gesund. (Foto: Allgäu GmbH, Simone Zehnpfennig)

Gruppenpressereisen waren 2020 eine ganze Weile ein NoGo. Wie hätte man sich während des Lockdowns auch präsentieren sollen? Zwischen März und Mai ging denn auch im Allgäu gar nichts. Aber vom 25. bis 28. Juni gab es einen Neustart – real mit AHA-Regeln. Ein Erfahrungsbericht „mit Abstand“.

Von Simone Zehnpfennig

Unsere Planung für das Jahr 2020 begann schon im letzten November. Im Austausch mit Allgäuer Kollegen besprachen wir einen Fahrplan, stimmten Termine und Themen ab. Mitte Januar war alles geklärt, auch mit den bayerischen Kollegen in München.

Vorbereitung versus Vorzeichen

Und so fanden unsere beiden Winter-Pressereisen ungetrübt im Januar und Februar statt, obwohl zu diesem Zeitpunkt schon die ersten Fälle im Allgäu bekannt wurden und die ersten Hotels Stornos erreichten: Asiaten blieben aus, eine wichtige Einnahme für einige Füssener Hoteliers. Aber wir alle waren optimistisch, denn solche Viren würden wohl schnell bekämpft und die Ausbreitung auf Asien beschränkt bleiben.

Als Anfang März aber dann die ITB abgesagt wurde, waren wir schon weniger optimistisch. Und ehrlich gesagt: Jeder von uns war froh, nicht in den vollen Hallen stehen zu müssen, keinen U-Bahn–Fahrten, keine Hotels … Der Enge einer Großstadt entgehen, das wollten viele Menschen: Ins Allgäu reisten auf einmal alle Zweitwohnungsbesitzer. Auf den Pisten und in den Skigebieten traf man auf gut gelaunte Menschen, bis der Lockdown kam und abrupt Skigebiete geschlossen wurden. Mit ihnen dann auch die Hotels.

Frühlingsreisen? Diesmal nicht

Anfang Februar noch hatten wir nach Bad Hindelang eingeladen. Es hätte der 24. bis 26. April sein sollen. Mit dem Lockdown wurde uns bewusst, dass diese Pressereise wohl anders verlaufen würde. Zuversichtlich wie wir waren, arbeiteten wir an verschiedenen Optionen, um gegebenenfalls die Reise anpassen zu können. Anstelle des gemeinsamen Essens eben jeder an einem Tisch. Anstelle einer gemeinsamen Wanderung eben nur Wandern nach Karte. Machen wir’s kurz: Es wurde nichts, denn die Betriebe blieben geschlossen.

Eine Woche später hatten wir Journalisten das Allgäu auf der Radrunde Allgäu zeigen. wollen Doch schon mit der Absage der Familienpressereise war klar, dass wir auch diese Reise nicht würden durchführen können. Also weiter warten.

Planen in der Corona-Zeit

Der nächste Termin rückte näher, eine Pressereise zu Wandertrilogie Allgäu. Organisiert war die Reise bereits Anfang Januar. Als sich abzeichnete, dass das Beherbergungsverbot wieder aufgehoben werden sollte, luden wir ein. Nicht, ohne uns vorher genau überlegt zu haben, wie wir organisatorisch umplanen müssen: Die Teilnehmer-Begrenzung hatte oberste Priorität. Denn ein Bergführer durfte zu dieser Zeit nur vier Personen führen. Anstelle Bustransfers war klar, mehrere Autos einsetzen zu müssen.

Aber es war immer noch unklar, wie viele Personen denn überhaupt kommen dürfen und ob wir im Hotel alle wie gewohnt unterbringen können. Was, wenn nur 60 Prozent belegt werden dürfen wie in anderen Bundesländern – und wir unsere Kontingente nicht bekommen? Gespannt waren wir allerdings darauf, ob sich überhaupt jemand anmelden würde? Völlig unnötig, die Resonanz war groß.

Denn die Situation – eine Pandemie – sorgte letztlich für eine „ungeahnte Aktualität von Sebastian Kneipp“, zu der es in die Einladung weiter hieß: „Erstmals wurde er im Februar 1853 wegen Kurpfuscherei angeklagt, weil er eine an Cholera erkrankte Frau behandelte. Weitere Anzeigen von Ärzten und Apothekern folgten. Im Jahr 1854 brach eine Cholera-Epidemie in München aus und verbreitete sich, auch ins Allgäu. Kneipps Vater war der erste Tote in seinem Heimatort Stephansried. Zu dieser Zeit war Kneipp als Kaplan im nahen Boos und als dort die Epidemie ausbrach, heilte er trotz Unterlassungserklärung die Menschen, was ihm den Namen „Cholera-Kaplan“ einbrachte.“

Es geht wieder los

Mittlerweile hat wohl jeder mehrere Mund-Nasen-Schutze und so fällt das Tragen nicht schwer – sollte man meinen. Aber wie Hotelchef Sommer der Gruppe bei der Begrüßung in Füssen erzählt, lässt im Laufe des Urlaubs die Sorgsamkeit nach. Das Hotelpersonal des gleichnamigen Vier-Sterne-Hauses verweist dann auf die Pflicht. Unsere Gruppe sitzt im als Speiseraum umfunktionierten Tagungsraum – immerhin an einem großen Tisch und nicht, wie mal geplant, an 2er-Tischen. In einer Hotelführung verweist Wolfgang Sommer auf die besonderen Maßnahmen im SPA-Bereich. Das Hotel ist ausgebucht. Die Gäste, erzählt Sommer, seien sehr entspannt und die Aufenthaltsdauer ist doppelt so hoch wie zuvor.

Im Kneipp-Sanatorium und Gesundheitsresort Bad Clevers achtete Juniorchef Angerer persönlich ganz strikt auf die Einhaltung der Regeln. Auch Bad Clevers hat zum Reisezeitpunkt einen wieder relativ normalen Betrieb. Jedoch: 15 Prozent der Betten müssen freigehalten werden, falls ein Corona-Patient ein Krankenbett bräuchte.

Die erste Frage der Wanderführerin lautete: „Hat jeder seine Maske dabei?“ Stimmt, da war ja etwas: Maskenpflicht und Mindestabstand. (Foto: Allgäu GmbH, Simone Zehnpfennig)

Corona auf dem Berg

Die erste Frage unserer Wanderführerin lautete: „Hat jeder seine Maske dabei?“ Stimmt, da war ja etwas: Maskenpflicht und Mindestabstand. Statt den üblichen Hinweisen wurden wir aufgefordert nicht zu dicht beieinander zu stehen und in geschlossenen Räumen unsere Maske aufzuziehen. Schön in Zweiergruppen und mit Abstand wurde gewandert.

Die Schutzmaßnahmen in Restaurants sind geläufig. Und so setzen auch wir beim Betreten der Berghütte den Mund-Nasenschutz auf, um ihn sogleich am Tisch sitzend wieder abzulegen. Während es draußen regnet, suchen einige noch Schutz und Sitzplatz im Bergrestaurant, müssen aber leider wieder abgewiesen werden. Sie finden lediglich draußen unter dem Dach Platz, bis innen wieder Plätze frei werden.

Die Bergstation hingegen bietet ausreichend Platz für Wartende: Sind eigentlich 40 Personen üblich, dürfen in diesen „anderen“ Zeiten nur 16 Menschen die Kabine der Tegelbergbahn betreten. Das Drehkreuz erfasst automatisch die Anzahl der Personen. Es gilt Maskenpflicht – und Abtrennungen sorgen zusätzlich für Schutz. Die Wartezeit für Bergbahnfahrten ist damit natürlich erhöht. Auch auf der Marienbrücke oberhalb Schloss Neuschwanstein gibt es Zugangsbeschränkungen und Laufrichtungen, an die sich aber nicht alle Besucher halten, wie wir beobachten.

Wie überall in deutschen Landen wird man auch im Allgäu vielerorts an den Mindestabstand erinnert. Denn vor lauter Begeisterung kann man ihn auf der Marienbrücke über der Pöllatschlucht schon mal vergessen – der Ausblick auf Schloss Neuschwanstein von dort ist einfach grandios. (Foto: Allgäu GmbH, Simone Zehnpfennig)

Reisen „fast“ normal

Ob Hotel, Bergbahn, Restaurant oder Kneipp-Wanderführerin – sie alle leben die auferlegten Maßnahmen. Die Anforderungen können sie nur durch doppelten Personaleinsatz erfüllen: Anstelle Buffet wird serviert, die Kapazitäten sind verringert, die Reinigungszyklen um ein Vielfaches erhöht und auch an der Rezeption ist eine ständige Beratung gefragt. So durchsuchten die Hotels z. B. ihre Buchungslisten nach Gästen aus Gütersloh und mussten ihnen den Urlaub verwehren.

Aber wie schon Hotelier Sommer feststellte: Auch wir verfingen uns schnell in den alten Gewohnheiten, saßen eng beisammen, plauderten und mussten teils an den Mund-Nasenschutz erinnert werden. Denn seit der Einladung waren Wochen vergangen, jüngste Lockerungen erleichterten nun die Reise – und machten sie für uns zu einer fast normalen Pressereise. Wenn auch mit AHA-Regeln.

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