Viel Raum: Reisereporter.de

Reisereporter.de

Der Medienkonzern Madsack startet ein neues Reiseportal: Reisereporter.de zielt auf ein breitgefächertes Publikum und will demnächst auch Reisen verkaufen, sagt Portalmanager Tobias Schäffer im tt-Gespräch, das travel tribune-Herausgeber  und VDRJ-Mitglied Th. Michael Schweizer in Ausgabe 5/2017 geführt hat.

tt: Noch einen Reiseblog: Wer braucht das?

Schäffer: Reisereporter.de verstehen wir nicht als reinen Reiseblog, auf dem Portal schreiben viele verschiedene Menschen. Wir finden, dass es im Bereich der Reiseinspiration in Deutschland noch viel Raum für viele gute journalistische Internetseiten gibt. Die Mehrzahl der Reiseseiten bieten Preisvergleiche, Bewertungen und Ähnliches, aber ein journalistisches Portal mit entsprechendem Qualitätsanspruch, das ein breites Publikum ansprechen will, das hat uns gefehlt und war der Anstoß zum Reisereporter.

Was machen Sie anders als die anderen?

Wir setzen sehr auf Storytelling und eine starke Bildsprache mit journalistischem Anspruch. Es geht uns um innovative Formate, die den Leser emotional abholen – und mit eindrucksvollen Bildern, Videos und anspruchsvollen Geschichten von Autoren, die für den User auch ansprechbar sind, zu seiner Reise inspirieren. Gerade da sehen wir in Deutschland eine Marktlücke. Im Bereich Social Media – bei Facebook, Instagram, Youtube oder Pinterest – interagieren wir mit unseren Nutzern. Wir hören genau zu, was sie wollen, was ihre Urlaubsziele sind – und liefern die entsprechenden Inhalte. Wenn zum Beispiel im sozialen Netzwerk ein Bericht über Marokko oder Island stark geliked wird, dann bilden wir das auf dem Reisereporter ab. Ziel ist es, eine Community zum Thema Reise zu schaffen.

 Welche Zielgruppe wollen Sie erreichen?

Wir sind ein junges Portal, das sich mit einer jungen Ansprache an ein breitgefächertes Publikum richtet. Der Kreuzfahrer findet seine Inhalte genauso wie der Abenteuerurlauber. Es gibt aber auch Themen, die sich eher an ein älteres Publikum richten – Entspannung und Wellness oder Sightseeing und Kultur beispielsweise, ebenso wie Lifestyle- und Abenteuergeschichten. Unsere Zielgruppe beginnt mit jungen Leuten ab Mitte 20, die das erste eigene Einkommen haben – und geht dann bis zu den Best Agern.

Wer schreibt die Inhalte?

Wir sind ein zehnköpfiges Team mit einer eigenen Redaktion und einer kleinen Vermarktungseinheit. Permanent sind fünf Kollegen vor Ort in der Redaktion in Hannover, dazu arbeiten wir mit einem Netzwerk von Freien, die unterwegs sind und aus aller Welt berichten – manchmal auch live auf unserer Facebook-Seite. Dann gibt es in der Mediengruppe noch unsere Reiseredaktionen, mit denen wir Contentseitig eng zusammenarbeiten und Geschichten aufnehmen, um Sie crossmedial weiterzuerzählen.

Sie sind Teil der Madsack Mediengruppe. Graben Sie mit kostenlosem Content nicht Ihren Printmedien das Wasser ab?

Im Gegenteil, wir sind überzeugt, dass wir mit der Kombination – Print und Online – dem Nutzer noch bessere Reiseinhalte liefern können, wenn wir unsere Geschichten crossmedial erzählen. Wer ein Reise-Thema in der Zeitung spannend findet, der kann online ergänzende Informationen und Inhalte finden – und beide Formate profitieren. Kurz: Wir sehen keinen Gegensatz zwischen Print und Online, sondern eine tolle Ergänzung.

Wie lange hat die Entwicklung dieses Portal eigentlich gedauert?

Mit der technischen Entwicklung haben wir Mitte vergangenen Jahres begonnen. Im Oktober sind wir dann in die Betaphase gegangen und haben drei Monate getestet, dabei auch Userwünsche aufgenommen – beispielsweise bei der Navigation, die wir während der Testphase an das Nutzerverhalten angepasst haben. Anfang Januar war der Test dann abgeschlossen, was aber nicht heißt, dass wir die technische Entwicklung jetzt stoppen.

 Und was haben Sie investiert?

Zahlen kann ich dazu  keine nennen. Nur so viel: Wir haben das Projekt in der Madsack Mediengruppe mit Spezialisten aus Redaktion, Online-Experten von Madsack Online und Vermarktung inhouse realisiert und viel Zeit und Engagement investiert, weil wir an den Erfolg glauben.

Wie soll das Geld wieder reinkommen?

Wir haben für Reiseverbände, Touristikunternehmen oder Mobilitätsanbieter verschiedene Content-Formate entwickelt, die wir auf der Seite teilen. Zukunftsweisend sind für uns dabei die sogenannten nativen Formate. Und dann wollen wir demnächst in das Affiliate-Geschäft einsteigen und auch als Reisevermittler auftreten. Aber der wichtigste Schritt ist es, die Seite bekannter zu machen, daher investieren wir auch in eine Kampagne zum Marktstart

Was geben Sie für Marketing aus?

Im ersten Quartal des Jahres investieren wir im fünfstelligen Euro-Bereich in den Launch – dann sehen wir uns das sehr genau an und planen weiter.

Auf welche Webekunden zielen Sie?

Zum einen gibt es eine Direktvermarktung mit den oben beschrieben Kunden, auf der anderen Seite haben wir auch Displaymarketing, wo Kunden von Google oder anderen Anbietern direkt eingebucht werden.

In Ihren Artikeln geben die Blogger auch Produktempfehlungen. Wie gewähren Sie da die journalistische Unabhängigkeit?

Indem wir Werbung – egal in welchem Format – ganz klar als solche kennzeichnen. Produktempfehlungen innerhalb einer Geschichte sind die persönlichen Tipps der Autoren und keine bezahlte Werbung.

Die stehen aber mitunter direkt neben entsprechenden Werbebannern.

Das ist kontextsensitive Werbung, die von den Drittvermarktern – passend zur Thematik des Artikels – automatisch eingespielt werden. Das steuern wir nicht und haben keinen unmittelbaren Einfluss darauf.

Ab wann wollen Sie schwarze Zahlen schreiben?

Unser oberstes Ziel ist es, bekannter zu werden und Menschen für die Plattform zu begeistern. Natürlich wollen wir schnell profitabel werden, realistisch gesehen wird das aber noch ein, zwei Jahre dauern.

Und wie hoch muss dafür der Umsatz sein?

Das kann ich nicht kommentieren, aber wenn wir uns in einem Jahr wieder sprechen, bin ich sicher einen guten Teil des Weges dorthin zurückgelegt zu haben.

 

Das Interview wurde zuerst in travel tribune Ausgabe 5/2017 veröffentlicht..

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