Türkei oder Nicht-Türkei…

Ruediger Edelmann

… das ist die Frage, die im Moment in touristischen Fachkreisen diskutiert wird. Angesichts der geplanten DRV-Jahrestagung in der Türkei in Kusadasi gab es auch schon subjektive und deutliche Stellungnahmen auf unserer Facebookseite.

Die Touristiker mögen sich streiten. Es mag, aus eben jener touristischen Sicht, auch reichliche Gründe geben, um den Geschäftspartner Türkei zu kämpfen. Eine DRV-Jahrestagung allerdings, mit der Gefahr mitten in einer Erdogan-Jubelveranstaltung zu landen, kann Niemand gutheißen.

Ein drohender PR-GAU für die Deutsche Reiseindustrie, wie es die FVW-Fachpresse formuliert, führt letztlich zu uns Journalisten. Reisejournalisten, die sich als Kenner und Fachleute fühlen, sollten das Schicksal ihrer türkischen Kolleginnen und Kollegen Revue passieren lassen. Ein Staat, der so mit der Pressefreiheit hantiert, wie es die Türkei gerade vormacht, muss, zumindest für uns, zur NO-GO Area werden.

Drohender PR-Gau

Wer kann ernsthaft meinen, beim Branchenmeeting ginge es unpolitisch zu? Wer gibt sich der Hoffnung hin, die Buchungsflaute und eventuelle Wiederbelebungsmaßnahmen würden nicht von der dortigen Politik ausgenutzt? Wer meint ernsthaft, in Gesprächen kritische Fragen stellen zu können?

Unser Berufsstand unterliegt ohnehin dem Vorurteil der Kritiklosigkeit. Wollen wir das ernsthaft fördern, obwohl wir genau wissen, dass selbst unsere Anwesenheit Gefahr läuft, politisch ausgeschlachtet zu werden?  Eine kritische Haltung in intimen Gesprächen verträgt sich nicht mit der unkritischen Anreise in die Türkei. – „Likes“ bei kritischen Texten in Sozialen Medien ersetzen nicht die öffentliche Haltung. Diese beginnt für mich mit kritischer Berichterstattung und mit der Vermeidung von Allem, was mich unfreiwillig vor einen Karren spannt.

Mag die Branche, mag der Branchenverband, in Kusadasi tagen. Ich hoffe, er muss es ohne die Journalisten vom Fach, zumindest ohne die Kolleginnen und Kollegen der VDRJ, tun. Glaubwürdigkeit und Haltung sollte unsere Stärke sein und bleiben.

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