Hoffnung auf ruhigere Zeiten

TUI hat es geschafft. Als Marktführer für Amerika hat das Unternehmen den Konkurrenten DERTouristik hinter sich gelassen. Für den Sommer 2017 bietet der Hannoveraner Veranstalter das bisher vielfältigste Amerika-Programm. Als das geplant wurde, dachte wohl niemand daran, dass mit Donald Trump der nächste US-Präsident eher unberechenbar sein würde.

Sebastian Ebel

Der Vorsitzende der Geschäftsführung der TUI Deutschland GmbH Sebastian Ebel äußert sich im Gespräch mit dem VDRJ Columbus Magazin über seine Einschätzung zu Krisen und Tourismus.

Sie haben die Marktführerschaft in Nordamerika erreicht. Allerdings könnte die Trump-Wahl Ihnen einen Strich durch die Rechnung machen. Es gibt doch einige Leute, die jetzt gerade nicht in die USA reisen wollen…

Ebel: Amerika ist eines der attraktivsten Reiseziele der Welt. Wir haben Wachs- tum in den USA und ebenso ein starkes Kanada-Geschäft.

Wie erklären Sie sich das?

Ebel: Nordamerika ist unglaublich viel- fältig und unser Angebot so groß und umfassend wie nie. In allen Bundes- staaten bieten wir Hotels an, zudem eine große Auswahl an Rundreisen von Florida bis Alaska. In New York am Times Square hat gerade das RIU Plaza erö net. Und da auch unsere Veranstalterpreise erschwinglich sind, ist der Zeitpunkt günstig, in die USA zu reisen.

Haben Sie keine Sorge, dass sich das in nächster Zeit umkehren könnte?

Ebel: Nein. Manche Zusammenhänge sind konstruiert, und manchmal durchaus auch in Interviews… Die USA bleiben für viele Menschen ein Traumziel. Wer nach New York, San Francisco oder in den Yosemite-Park möchte, wird sich diesen Traum erfüllen. Die Nachfrage bleibt hoch. Davon bin ich überzeugt.

Positive Bilanz trotz politischer Krisen

Trotz politischer Umbrüche und Krisen sieht Ihre Bilanz unter dem Strich eher positiv aus.

Ebel: Ja, wir entwickeln uns besser als der Markt. Dies vor allem, weil wir als Marktführer ein sehr breites Angebot haben, schnell auf Veränderungen reagieren und Alternativen bieten können. So haben wir es in diesem Jahr geschafft, die Rückgänge in der Türkei und in Nordafrika etwa durch mehr Angebote in Spanien und Griechenland nahezu vollständig zu kompensieren.

Schnelle Reaktionsfähigkeit wird auch im Sommer wieder gefragt sein. Auch Thai- land könnte wieder instabil werden, weil eine Autorität wie der verstorbene König Bhumibol fehlt. Wie richten Sie sich auf so einen Fall ein?

Ebel: Ich möchte nicht leichtfertig über die Entwicklung von wichtigen Gast- ländern spekulieren. Das entspricht nicht unserem Verständnis von respektvoller Partnerschaft, die wir mit vielen Ländern seit Jahrzehnten pflegen. Thailand betrauert den Tod seines hoch verehrten Königs. Aber die Regierung und das Königshaus haben seine Nachfolge und die Zukunft des Landes gemeinsam vorbereitet. Thailand weiß um die Bedeutung des Tourismus.

Wenn ein Zielgebiet wegbricht, könnte es auch teuer werden, oder?

Ebel: In jedem Fall ist es mit viel Arbeit verbunden, Alternativen zu entwickeln und dann auch die Gäste von anderen Zielgebieten zu überzeugen. Da hilft unsere starke Marke und das große Vertrauen, das die Gäste und die Urlaubsländer TUI entgegenbringen. Wir haben natürlich Erfahrung mit den Wellenbewegungen im Tourismus und können unseren Kunden stets gute Alternativen anbieten. Im letzten Sommer gab es eine Verschiebung vom östlichen in das westliche Mittelmeer.

Tourismusbranche lernt dazu

Die Touristische Landkarte ist ständig im Wandel. Länder gehen verloren, andere kommen zurück. Das macht die Planung nicht einfacher.

Ebel: Die Tourismusbranche hat in den vergangenen Jahren gelernt, gut mit Veränderungen im Nachfrageverhalten umzugehen. Geopolitische Ereignisse, wie wir sie gerade in diesem Jahr erlebt haben, hat es auch früher gegeben. Und fast immer lösen sich schwierige Situationen irgendwann auch wieder auf. So wie etwa in Kolumbien, das gerade einen wahren Boom erlebt oder auch in Griechenland, wo die Nachfrage ein neues Rekordniveau erreicht.

Dennoch: Das vergangene Jahr hat Ihnen einiges abverlangt.

Ebel: Wohl wahr, aber der Reiselust hat das insgesamt nicht geschadet und wir sind ordentlich durch dieses schwierige Jahr gekommen. Trotzdem wünschen wir uns wie alle politisch stabilere Zeiten.

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