Arbeit und rote Ohren: Rekordbeteiligung beim Audiopreis

AUDIOPREIS JURY vlnr Waia-Till-Daniela-Christoph-Rüdiger
AUDIOPREIS JURY vlnr Waia-Till-Daniela-Christoph-Rüdiger

Die Einreichungen zum VDRJ-Audiopreis waren diesmal rekordverdächtig. 26 Stunden Hörmaterial standen an, bevor sich die Jury zusammensetzen konnte.

Von Rüdiger Edelmann

Verliert mann und frau eventuell den akustischen Überblick? Gewiss, die Gefahr ist groß. Aber mit entsprechender Erfahrung hört sich auch das Material von „Übertageslänge“ gekonnt, routiniert und wartet auf Neues, Erfrischendes, Außergewöhnliches und technisch wie inhaltlich Hochstehendes. Qualität war schon immer das wichtigste Kriterium. Allerdings wächst ganz offensichtlich die Gefahr von Uneinigkeit, je zahlreicher die Einreichungen sind.

Diesmal waren es 56 Beiträge, die gehört und beurteilt werden mussten und trotz genau festgelegter Kriterien können die Eindrücke sehr unterschiedlich sein.

KI schleicht sich ein

Eigentlich waren es 57 Beiträge, aber eine Einreichung wurde von der zuständigen Redaktion zurückgezogen. Bei aller Begeisterung über das eindrückliche O-Ton-Material, hatte man fast übersehen, dass der Beitragstext und seine Sprecher von künstlicher Intelligenz generiert worden waren. Müssen wir auch als Jury gerade da besser hinhören in der Zukunft? Vermutlich ja.

Podcast ist zurück

Das war Grund zur Freude. 16 Podcasts bereicherten den Wettbewerb nach der Flaute im letzten Jahr. Es war auch die einzige Silber-Kategorie, in der Einigkeit in der Jury über den Sieger bestand und wir waren alle froh, dass die Podcaster in der Jury, das genauso sahen.

Radiosendungen werden weniger

Sorgen bereit uns die Tatsache, dass die klassischen Reisesendungen immer weniger werden. Derzeit steht gerade wieder ein Programm zur Disposition. Nach dem Ruhestand von Deutschlandfunk-Redakteur Andreas Stopp, ist noch nicht klar, ob und wie es mit dem „Sonntagsspaziergang“ weiter geht.

Das wirkt sich auch auf die Thematik aus. Viele großartige Radiofeature aus Randdisziplinen waren dabei und wir mussten uns auch mit weinendem Auge von manchem großartigen Hörstück verabschieden, weil die Autor:innen nicht übers Reisen recherchierten, sondern reisten um zu recherchieren. Unter dem Aspekt von Politik, sozialen und nachhaltigen Themen hätte es viel Auszeichnungswertes gegeben. Aber wir verleihen ja Preise für großartigen Reisejournalismus.

Autorenbeiträge übersteigen die redaktionellen Hörstücke

Die seit einigen Jahren beschlossene Öffnung der Preise auch für Autorinnen und Autoren hat dies zahlenmäßig wieder wettgemacht. Gleichzeitig darf man konstatieren, dass die Öffnung der Preise die Gesamtqualität bereichert.

Vielfalt und lange Diskussion

Die Vielfalt war groß, die Beiträge über deutsche Reiseziele einmal mehr gering, dafür kam aber auch Medienpolitisches zur Sprache, bei der Aufarbeitung, ob Influencer fast alles dürfen.

Wir sind, glaubt man den Beiträgen, immer noch damit beschäftigt, unsere Ziele nachhaltig zu ruinieren, in die letzten versteckten Ziele der Welt zu reisen oder uns den wirklichen Spaß am Reisen kaputt zu diskutieren. Glücklicherweise gibt es auch in diesem Preisjahrgang aber, immer wieder, Stücke, die uns begeistern, die heftige Diskussionen auslösen oder Unerwartetes zum Thema machen.

Als Jury ist es, trotz der Vielfalt und einiger Meinungsverschiedenheiten, erneut gelungen, unsere Sieger am Ende einhellig zu bestimmen und zu küren. Auch wenn’s mal wieder etwas länger dauert.

Gold

Alpenüberquerung, das hat sich touristisch in den letzten Jahren zu einem Renner entwickelt. Doris Bimmer hat die Herausforderung auf ganz andere Weise in Angriff genommen und in „Mit Saumtieren über die Alpen“ ein Meisterwerk gezaubert. Hohe Informationsdichte, großartige Töne, Bilder im Kopf und als Begleiter und Hauptakteur der Reisegruppe „ne coole Socke“ als Guide.

Dreimal Silber

Der „Podcast des Jahres“ geht an Erik Lorenz‘ „Weltwach“, gleich für drei Einreichungen, die die Jury gleichermaßen überzeugt haben. „Weltwach“ ist Storytelling vom Feinsten, lebendige Reportage mit O-Ton und Atmosphäre, in ausgewogener Mischung mit dem typischen Podcast-Sprech-Dialog zwischen Akteuren.

Die extra kreierte Kategorie „Reisepannen – Shit Happens“ geht an einen Beitrag von Susi Weichselbaumer. „USA ohne Koffer“ ist eine Reisegeschichte, die das Leben schrieb. Das Ziel ist dabei vergleichsweise unwichtig. Die Story ist die Inkarnation der ausgehenden Covid-Krise, des Personalmangels und der Ignoranz, wenn Mama und drei Kinder verreisen wollen und die Koffer einfach in der Heimat stehen bleiben. Eben: Shit Happens! Zum Schmunzeln und Mitfühlen.

Sprache und Poesie“ sind wichtig, sagte sich die Jury. Zu schnell wird abgewertet: Ein Text oder eine Spreche sei nicht mehr zeitgemäß. Eigentlich ist es ja „nur“ eine Reisereportage, aber in ihr wächst nicht nur Sprachempfindung. Es wächst ein Gefühl. Manfred Schuchmann spart im Beitrag „Im Süden von Frankreichs Nordenauch nicht mit Information, aber man nimmt sie so leichtfüßig zu sich, wie ein Macarons zum Café au Lait. Leicht, poetisch, anziehend.

Die Jury

  • Waia Stavrianos (hr)
  • Daniela Wiesler (DW)
  • Till Ottlitz (BR)
  • Christoph Streicher (Welttournee, der Reisepodcast)
  • Rüdiger Edelmann (deutsches-reiseradio.com), Audiopreis-Geschäftsführung

 

Wir danken den Sponsoren des Audiopreises 2024

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