Brexit – was bedeutet das für die Reiseindustrie?

Der Morgen nach dem Brexit – ist Europa ein Trümmerhaufen?

Nun sind also alle Befürchtungen wahr geworden: Großbritannien kehrt uns den Rücken zu und verlässt die EU. Und was dazu kommt: Die Entscheidung der Briten hat zweifellos eine negative Signalwirkung auf die Gesamtstabilität der EU und wird auch eine destabilisierende Wirkung auf verschiedene Regionen der EU haben. Was bedeutet das für die Reiseindustrie – was für unsere Tagesarbeit?

Nun – die Entscheidung greift erst in zwei Jahren. Panik ist also zunächst nicht angesagt. Aber: Wir werden in den kommenden zwei Jahren ein „Scheidungsverfahren“ erleben, das zweifellos dem aktuellen US-Wahlkampf in vielen Aspekten gleichen wird. Konkret heißt das, vor uns liegt eine mögliche Schlammschlacht mit der Gefahr eines schweren Imageschadens. Ganz abgesehen von dem Dominoeffekt und der Frage, ob sich Teile des Vereinigten Königreiches in ein paar Jahren auf die Seite der EU schlagen werden.

Maßgeblich wird der BREXIT den europäischen Flugverkehr tangieren

Das ist durchaus ein großes Handicap für British Airways, Ryanair, EasyJet und Co. Aber es betrifft auch darüber hinaus etliche Segmente im Tourismus. Die Süddeutsche Zeitung hat es pragmatisch zusammengestellt:

Ganz einfach auf einen Nenner lässt sich das Thema gerade noch nicht bringen – BREXIT ist zweifellos sehr komplex. Heute ist es im Tagesgeschäft der Reiseindustrie ohne dramatische Auswirkungen. Doch keine Frage, es tut Europa nicht gut. Der BREXIT ist Gift für die EU und wirft uns Jahrzehnte zurück. Möglicherweise erleben wir heute den Anfang vom Ende der EU, wie wir sie kennen. Auch ohne den Teufel an die Wand malen zu wollen, die Entscheidung der Briten spiegelt zweifellos eine Stimmung wider, die gegenwärtig in vielen EU-Ländern mehr oder weniger stark verbreitet ist. Achtung – Ansteckungsgefahr!

Was bedeutet es HEUTE für uns?

  • Der Kurs des British Pound fällt gerade auf den Stand von vor 1985.

Das bedeutet: Reisen nach Großbritannien werden für EU Bürger – und alle anderen – ad hoc preiswerter. Genauer gesagt verringern sich die Nebenkosten drastisch. London wird preiswert – wer hätte das gedacht?

Und damit sind die Vorteile für den individuellen Reisenden und die Reiseindustrie bereits ausgezählt. Alles andere – so scheint es am Tag danach – wird eher negativ. Beispiele:

  • Für die Briten wird eine Reise nach Kontinental-Europa merklich teurer. In der Konsequenz wird es britische Touristen geben, denen die Kosten für den Trip nach DACH jetzt zu hoch sind. Und die ihre Reisepläne stornieren.
  • Die Briten werden uns fehlen – ob aktuell in Deutschland, in Spanien, in Italien oder in anderen EU-Ländern. Und im Winter vor allen den Wintersportzielen in Österreich und der Schweiz.
  • Alles in allem wird ein ganz wichtiger Reisestrom an Dynamik verlieren, und das ist schlecht für die gesamte Reiseindustrie.
  • Eine weitere Gefahr: Der Insel droht mittelfristig eine Rezession. Wem es wirtschaftlich nicht gut geht, der bleibt gezwungenermaßen zu Hause.

Europäisches Desaster

Alles in allem ein Desaster für Europa – und am Ende auch für uns als Europäer. Was heute in Großbritannien passiert, wird möglicherweise schon schneller als uns lieb ist Nachahmer in anderen EU-Ländern finden. Die Gründe sind vielschichtig. Es sind aber zweifellos Emotionen und Ängste – wie vor Überfremdung – die den Weg bereitet haben sowie die von Brüssel einfach und offenkundig nicht ausreichend beantwortete Frage, wozu die EU heute eigentlich da ist. Viele Bürger wissen dies einfach nicht und sehnen sich nach einfachen und überschaubaren Konstruktionen zurück.

Sie fallen leider in einen Nationalismus zurück, den wir schon längst in die Schublade der Geschichte abgelegt hatten. Tragisch. Das ist die Quittung, mit all den Konsequenzen, die auch wir als eine der weltweit führenden Exportnationen heftig zu spüren bekommen werden. Unsere Produkte werden auf der Insel zu teuer werden – und das hat bekanntlich und für jeden nachvollziehbar drastische Folgen für unseren Arbeitsmarkt. Was aber heute besonders schmerzt: Die Entscheidung der Briten gegen die EU verunsichert auch Bürger anderer EU-Länder, treibt Wähler in die Arme von rechtspopulistischen EU-Gegnern und drückt auf die (Urlaubs)-Stimmung bei allen Europäern.

Der Geschäftsführer von Wilde & Partner, Thomas C. Wilde, hat diesen Beitrag zuerst am 24. Juni 2016 in seinem Blog auf wildeandpartner veröffentlicht.

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1 Kommentar

  1. Jean sagt:

    Hallo Thomas!
    Auf jeden Fall eine sehr interessante Perspektive, den Brexit aus der Sicht der Reisenden zu betrachten. Ich habe schon sehr viele Stimmen von Europäern der jüngeren Generation gelesen, die den Brexit aus ihrem Gefühl heraus bewerten, aber die Folgen für die reisenden Briten waren mir bis jetzt noch nicht so bewusst. Ich werde im Sommer nach England reisen, und bin gespannt, ob es jetzt einen Unterschied macht, nicht nur, wie von dir geschildert, im Preis.
    Liebe Grüße, Jean
    http://jean-abovetheclouds.com

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