Reiseteile: War früher alles besser?

Auf jeden Fall war früher fast alles anders. Es lohnt sich also, die wichtigsten gedruckten deutschen Reiseteile über den Zeitraum einiger Jahre zu beobachten. So werden Veränderungen auf Anhieb sichtbar. Da ist zunächst das äußere Erscheinungsbild. Im Vergleich wird deutlich, dass Seitenlayout und Bildbearbeitung professioneller (und ansehnlicher) geworden sind, weil die Reiseteilgestalter gelernt haben, mit den digitalen Möglichkeiten umzugehen oder sogar Layout-Designer beschäftigen.

Die zweite große Veränderung hat beim Inhalt stattgefunden. Der Trend ging und geht zu großen, oft ganzseitigen Reisebericht. Das ist zunächst sicher positiv, weil nur so Raum für die Behandlung von Feinheiten gegeben ist. Der Trend zur Größe hängt aber wohl auch damit zusammen, dass sich der Aufwand für eine Recherchereise nur dann rechnet, wenn er sich auf ein großes Stück bezieht.

Offenbar gibt es in den Reiseredaktionen Hemmungen, ein großes Stück Platz einem kleinen Stück Schwarzwald oder Lüneburger Heide zu widmen. Dann schon lieber von Jurte zu Jurte in der Mongolei. Da gibt es wahrscheinlich eher Neues zu berichten.

Trend zu Exoten

Der Trend zu den Exoten kommt jedenfalls dem Interesse der Leser entgegen, die nicht so sehr Berichte zum Nachreisen, sondern vor allem einen interessanten Lesestoff suchen.

Der Trend zu großen Reiseberichten hat aber auch zur Folge, dass weniger oder gar kein Raum mehr für zielgebietsneutrale Service-Beiträge bleibt. Diese könnten dem Reise-Interessierten zumindest Erkenntnisse vermitteln und/oder ihnen Ärger ersparen:

  • Den Ärger über im letzten Moment geänderte Flugzeiten und praktische Ratschläge, wie Reisende damit umgehen können.
  • Den Tipp, aus welchen Gegenden Ansichtskarten garantiert niemals den Adressaten in Deutschland erreichen werden.
  • Die Informationen, wie Reisende mit gefasten Angaben über den Buchungsstand zu voreiligen Buchungen genötigt werden sollen und man den Schwindel teilweise entlarven kann.
  • Wie sich schlechte Geschäft mit Frühbuchungen vermeiden lassen.
  • Worauf man bei „All-Inclusive“ Angeboten achten sollte.

Es gibt eine Fülle nützlicher Tipps, zum Beispiel welche Trends sich zielgebietsunabhängig abzeichnen. So etwa bei „Adults only“-Hotels oder bei Reisen auf Spuren von Filmen und Fernsehbeiträgen, den sogenannten „Rosamunde-Pilcher-Reisen“. Wie überall gibt es aber auch hier erfreuliche Ausnahmen, sogar in der Gruppe der regionalen Blätter.

Auch Kritik hat es mittlerweile schwer. Der knappe Platz soll nach Ansicht vieler Reiseblattmacher den Reiseappetit anregen. Da sorgt sicherlich für weniger Ärger mit den Anzeigenkunden. Kaum noch Platz gibt es dagegen für den Benimm auf Reisen, für das Handy-Klingeln im Dom oder den Laptop auf der Bartheke. Und schon fast mit der Lupe zu suchen sind heute Hinweise auf Literatur, die beim Reisen nützlich sein kann.

Keine Kritik gewünscht

Es bleibt also festzuhalten, dass schöne große Reiseberichte mit opulenten Fotos sicherlich ein Genuss sind. Am Ende wäre aber die zweite oder dritte Reiseseite wünschenswert, auf der sich auch zusätzliche Stücke darbieten lassen.

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