Rückblick auf das VDRJ-Regionaltreffen Ost in Berlin

Der Schweizer Botschafter Dr. Paul Seger
Der Schweizer Botschafter Dr. Paul Seger

Das gab es noch nie: Ein VDRJ-Regionaltreffen in einer Botschaft. Einen schöneren Ort hätten sich die Teilnehmer der Region Ost am 3. Dezember auch nicht vorstellen können. Festlich beleuchtet präsentierten sich die altehrwürdigen Räume der Schweizer Botschaft in Berlin, in der wir am Abend des 3. Dezember vom Botschafter Dr. Paul Seger empfangen wurden. Beim Small-Talk war genug Gelegenheit, sich umzusehen in dem historischen Gebäude mitten im Regierungsviertel, das, wie durch ein Wunder, als einziges im weiten Umfeld des inneren Spreebogens den Bombenangriffen des Zweiten Weltkrieges so gut wie unbeschadet überstanden hatte.

Bevor wir zum eigentlichen Thema des Abends kamen, nahm sich der Botschafter Zeit, sich vorzustellen und über sein Verhältnis zum Tourismus zu reden. Dr. Paul Seger, der erst seit Ende August 2018 Botschafter in der Bundesrepublik Deutschland ist, hat zuvor in vielen diplomatischen Vertretungen der Welt gearbeitet. Zuletzt als Botschafter in Myanmar. Der gebürtige Basler und natürlich leidenschaftlicher Schweizer sagte, dass der Tourismus natürlich nicht die erste Rolle in seinem Leben spielt, aber dennoch eine sehr wichtige. Dass es ihm dabei besonders wichtig ist, seine Heimat zu pushen, verwunderte natürlich niemanden. Dabei bedient er sich gern der modernen Medien. Gelegentlich war er auch schon so etwas wie ein Berater in touristischen Fragen, erzählte der 60-Jährige. In Myanmar zum Beispiel wollte er vom dortigen Tourismusminister wissen, welche Strategien das Land verfolgt, um den Tourismus anzukurbeln. Der schaute ihn an und antwortete mit einer Gegenfrage: „Ja, wie würden Sie es denn machen?“ Seger riet ihm, die Chance, einen der letzten touristisch wirklich noch unentdeckten Flecken der Erde behutsam für Besucher aus aller Welt zu entwickeln, gut zu nutzen. „Die Menschen suchen auf Reisen nach etwas, das sie zu Hause nicht haben“, sagte er dem Tourismusminister. „Sie haben unglaubliche Naturschönheiten und kulturelle Schätze. Erschließen Sie diese dem Tourismus, doch verzichten Sie auf Beliebigkeit und Massentourismus, sondern setzen Sie konsequent auf Qualität“, riet er ihm. Klein aber fein sei letztlich für die Volkswirtschaft besser und effektiver als Massentourismus, ist Seger mit Blick auf das eigene Land überzeugt. Worunter er viel mehr versteht, als nur die Vermarktung von Naturschönheiten und auch mehr als Sicherheit für die Besucher. Gastfreundlichkeit sei ein besonders wichtiges Kriterium und ein hohes Gut. Da hätten auch die Schweizer noch ein wenig Nachholbedarf, sagte er selbstkritisch, und lobte im gleichen Atemzug die Österreicher.

Das nahm Thomas Vetsch, District Manager für Schweiztourismus in Nord- und Ostdeutschland, mit einem Stirnrunzeln und selbstverständlich mit Widerspruch zur Kenntnis, und auch diverse andere Anwesende konnten diese Meinung zumindest aus eigener Erfahrung nicht teilen. Thomas übrigens soll an dieser Stelle ein besonders herzliches Dankeschön gesagt werden, denn dass wir mit so großer Gastfreundschaft vom Botschafter und seinen Mitarbeitern empfangen wurden, geht zum großen Teil auf sein Engagement zurück.

Im Hauptteil Treffens ging es um ein Thema, das weniger mit Gastfreundschaft als viel mehr mit Professionalität, Zuverlässigkeit und letztlich auch gutem Benehmen und Berufsehre zu tun hat. „Dann schmeißen wir die Reste eben weg“, so die provokante These, oder anders gesagt: Ist es ein Kavaliersdelikt, sich für Presseevents und Pressereisen anzumelden und dann einfach nicht zu erscheinen oder die Oma das vierte Mal sterben zu lassen, um einen vorgeschobenen Grund zu haben, kurzfristig abzusagen. Gemeinsam tauschten wir uns darüber aus, welche Erfahrungen man selbst damit gemacht hat, und welche Möglichkeiten es gibt, um so etwas künftig einzudämmen, wenn man es wohl auch nicht ganz verhindern kann.

Für Thomas Vetsch sind solche Leute nicht nur einfach unhöflich, in erster Linie ist es für ihn eine Frage des Respekts gegenüber den Einladern und insbesondere gegenüber den Partnern, die oftmals einen langen Weg auf sich nehmen, um ihre Informationen an die Journalisten weiterzugeben. Hinzu kommt eine Verschwendung von Ressourcen, denn wenn, wie er es erlebt hat, von 30, die zugesagt haben, nur elf erscheinen, müssen die restlichen Menüs zwar bezahlt aber weggeschmissen werden. Ein Ärgernis, das eher die Regel als die Ausnahme ist.

Einige Mitglieder traten vehement dafür ein, dass Kollegen, die zu Veranstaltungen zwar zugesagt haben, aber dann nicht erscheinen oder kurzfristig eine fadenscheinige Begründung für ihr Fernbleiben angeben, in Regress genommen werden sollten. „Wir kennen unsere Pappenheimer“, sagte Thomas, und andere PR-Vertreter stimmten ihm aus eigener leidvoller Erfahrung zu. Deshalb sei es schon fast normal, dass Schweiztourismus die Plätze für Veranstaltungen überbucht, „weil zehn bis 20 Prozent sowieso nicht kommen“, so Thomas Vetsch.

Jürgen Drensek ist grundsätzlich auch der Meinung, dass ein Nichterscheinen zu einer zugesagten Veranstaltung aus nichtigem Grund nicht tragbar ist, merkte aber an, dass es keine Seltenheit ist, Einladungen zu Pressegesprächen zu bekommen, die absolut überflüssig sind. „Es gibt viele Themen, die sind es absolut nicht wert, dazu ein Presseevent zu machen.“ Die PR-Verantwortlichen sollten sich in dieser Hinsicht auch Gedanken machen, ob manchmal nicht weniger mehr sein könnte.

Torsten Keller hat die Erfahrung gemacht, dass für manche Journalisten der Ort des Events entscheidend ist, ob sie letztlich kommen oder nicht. Nach dem Motto: Je exotischer, desto besser.

Ist es schon ärgerlich, wenn die Eingeladenen ein zugesagtes Abendevent einfach ignorieren, so wird es noch schlimmer bei Zusagen zu Pressereisen. Tobias Sauer meinte, dass No-Shows aus seiner Sicht um so höher sind, je näher und unexotischer das Ziel sei. „Manchen fehlt es absolut an einem Unrechtsgefühl“, ist er überzeugt. Torsten Keller regte an, bei Pressereisen eine Art Stornofrist einzuräumen, wer sie nicht einhält, müsse dann eben eine Stornogebühr zahlen. Vielleicht könnte das helfen, dass zugesagte Reisen nicht einfach abgesagt werden, nur weil man vielleicht später eine Einladung für ein vermeintlich besseres oder attraktiveres Ziel bekommt. Eine Stornofrist, so Tobias Sauer, würde aus seiner Sicht eher dazu führen, dass manche erst einmal für alles zusagen, um dann von dem eingeräumten Recht auf kurzfristigen Rücktritt ohne Konsequenzen Gebrauch zu machen.

Jürgen Drensek regte die Möglichkeit an, dass Journalisten für zugesagte Pressereisen eine private Reiserücktrittversicherung abschließen sollten, die in begründeten Fällen greift und so auch eine finanzielle Sicherheit für den Veranstalter bedeutet. Denn: „Mit der Zusage zu einer Pressereise gehen wir einen Vertrag ein, der bindend sein sollte.“

Für Rüdiger Edelmann geht es letztlich auch um die Berufsehre und um Höflichkeit. „Wieso erlauben sich manche Kollegen Dinge im geschäftlichen Umfeld, die sie im privaten nie machen würden?“ Gleichzeitig beklagte er, dass das Einladungsmanagement durch Veranstalter oder deren PR-Agenturen häufig auch sehr undurchschaubar ist. Statt gezielt einzuladen, werden Pressereisen wie Postwurfsendungen verteilt. Oftmals, obwohl sie wissen, dass sie nur wenige Plätze zur Verfügung haben. Wenig Verständnis haben Journalisten auch dafür, dass ihre Zusage mit der Bemerkung verbunden ist, man werde sich zu einem späteren Zeitpunkt melden, ob man zu den Auserwählten gehört oder nicht. Häufig kommt dann sehr kurzfristig eine Absage, nicht selten mit Begründungen, die der Journalist nicht nachvollziehen kann. Hätte der Einlader gleich Nägel mit Köpfen gemacht, hätte sich der Journalist im Falle einer Absage für eine andere Reise anmelden können. Die Begründung von PR-Seite ist häufig, dass sich die einladenden Partner vor Ort das Recht vorbehalten, sich aus den „Bewerbern“ die aussuchen zu dürfen, die ihnen genehm sind. Da müsse von PR-Seite auch mehr auf die Auftraggeber eingewirkt werden, dass sie von vornherein gezielter einladen.

Elke Thonke warf PR-Agenturen sogar vor, unehrlich zu sein. Man würde die Einladungen für Pressereisen in großer Zahl herausschicken, obwohl man wisse, dass nur ein oder zwei Plätze zur Verfügung stehen. Oder man behauptet, dass nach der Reihenfolge der Anmeldungen verfahren wird, obwohl das nicht stimmt. Letztlich wird dann doch ausgewählt. Ein Vorwurf, mit dem Elke nicht allein dasteht, wie sich in der Diskussion zeigte.

Dass Pressereisen manchmal wie auf dem Basar gehandelt werden, erlebte auch Heidi Diehl schon öfter. „Wenn man mit ‚Sehr geehrter Herr Diehl‘ angesprochen wird, zweifelt man schon an der Arbeit mancher PR-Leute“, sagte sie. Und manche Grüne für Absagen seien mehr als durchschaubar.

„Solche Verfahrensweisen sind bei uns nicht üblich“, sagte unser neues Mitglied Nina Aryapour von Primus Communication in Berlin. „Wir laden grundsätzlich sehr gezielt und auch sehr persönlich einig. Das sind wir sowohl unserem guten Ruf als auch den Partnern vor Ort schuldig.“

Im Laufe der Diskussion zeigte sich, dass sich nicht nur die Journalisten angesprochen fühlen sollten, sondern auch in PR-Kreisen darüber nachgedacht werden muss, wie man selbst dazu beitragen kann dass No-Shows künftig weniger stattfinden. Deswegen, so das Fazit des Abends, sollten wir uns sowohl im PR- als auch im Journalistenkreis darüber Gedanken machen, ob es nicht sinnvoll ist, ein Papier zu entwickeln, dass Verhaltensmaßregeln für alle VDRJ-Mitglieder und darüber hinaus auch für andere gilt. Das, so Thomas Vetsch, könnte PR-Agenturen und Veranstaltern künftig auch mehr Sicherheit geben. Darin festgehalten werden sollte zum Beispiel, welche Verpflichtungen Journalisten mit der Anmeldung zu einer Pressereise oder zu einem Presseevent eingehen und welche Konsequenzen bei unbegründeter Absage oder Fernbleiben drohen. Jürgen Drensek schlug vor, dass sich die Vertreter von Journalisten- und PR-Kreis im zeitnah erweiterten Vorstand zusammensetzen, um ein Papier zu erarbeiten, das zur nächsten VDRJ-Tagung in Bonn diskutiert und als allgemeinverbindlich verabschiedet werden könnte.

Heidi Diehl

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