Der (steinige?) Weg zum eigenen Podcast

Zum Einstieg ins Podcasten braucht es nicht viel: Computer, Software und ein wenig Audio-Hardware (Foto: Ingo Busch)
Zum Einstieg ins Podcasten braucht es nicht viel: Computer, Software und ein wenig Audio-Hardware (Foto: Ingo Busch)

Podcasts schießen seit einiger Zeit wie Pilze aus dem Boden. Nicht nur die Radio-Sender haben das Format für sich entdeckt, auch viele Verlagshäuser haben Podcasts aufgelegt. Der Ursprung des Formats liegt jedoch überwiegend in einer unabhängigen Szene von Self-Publishern, denen sich durch das Internet die Möglichkeit des Radio-Machens eröffnet(e). Der Start ist einfacher als manche denken, auch wenn es den einen oder anderen Stolperstein gibt.

von Ingo Busch

Was ist überhaupt ein Podcast?

Ein Podcast ist eine Serie von abonnierbaren Audiodateien über das Internet. Der Begriff ist ein sogenanntes Kofferwort aus Broadcast (englisch für Rundfunk) und iPod. Mit dem Aufkommen von Letzterem wurde eine Unterstützung für das Abonnieren eingeführt und verhalf Podcasts zu ihrem ersten Durchbruch.

Obwohl heutzutage Podcasts auch in geschlossenen Plattformen beziehungsweise Streaming-Diensten, wie zum Beispiel Spotify, verfügbar sind, wird eine große Anzahl Podcasts immer noch über sogenannte Podcatcher abonniert und konsumiert. Zu den bekannteren Podcatchern gehören Apps wie „Podcasts“ unter iOS oder „Google Podcasts“ auf Android. Voraussetzung für das Abo und den Empfang über Podcatcher ist es, dass für den Podcast ein RSS-Feed mit den Episoden bereit gestellt wird.

Plauderton oder „schnittige“ Inszenierung?

Das Gros der Podcasts teilt sich in zwei verschiedene Kategorien auf: Bei Ersterer sitzen eine oder mehrere Personen vor Mikrofonen und unterhalten sich zu einem Thema. Diese Art des Podcasts wird häufig leicht despektierlich, dann wiederum auch humorvoll, Laber-Podcast genannt. Es ist die ursprünglichste und von vielen auch als sehr authentische Form empfundene Art des Podcastens.

Vom Laber-Podcast unterscheidet sich der gebaute Beitrag. Dieser entspricht häufig den traditionellen Radio-Beiträgen und -Features. Seine Collage aus O-Tönen, Sprecher aus dem Off, Atmo und Musik ist naturgemäß mit höherem Aufwand verbunden. Viele als Podcast gesendete Formate der Rundfunk-Sender sind gebaute Beiträge bzw. Formate, die vorher schon über den Äther gesendet wurden. Ein Beispiel ist etwa der Podcast „WDR Zeitzeichen“, der Geschichte lebendig macht und täglich um 9.45 Uhr auf WDR5 bzw. 17.45 Uhr auf WDR3 zunächst im Radioprogramm des Westdeutschen Rundfunks läuft.

Ohne Hardware geht’s nicht. (Foto: Ingo Busch)

Wie viel Hardware braucht es dafür?

Um einen Podcast zu starten, bedarf es dabei gar nicht viel Ausrüstung. Ein bis zwei Mikrofone, vielleicht ein Audio-Interface und ein Kopfhörer reichen für den Anfang. Vom Computer, der sowieso vorhanden ist, mal abgesehen. Es gibt Podcaster, die als Aufnahmegerät das Smartphone benutzen. Auch das kann funktionieren.

Bei den Mikrofonen ist primär zwischen Mikros mit XLR-Stecker zum Anschließen und solchen mit USB-Stecker zu unterscheiden. USB-Mikrofone haben den Vorteil, dass ein Audio-Interface zur Digitalisierung der Töne entfällt. Nachteilig ist jedoch, dass bei größeren Setups mit mehreren Mikrofonen USB-Mikros nicht verwendet werden können.

Weiter ist noch bei der Art der Bedienung der Mikrofone zu unterscheiden. Handmikrofone müssen – wie der Name schon verrät – in der Hand gehalten werden oder mit einer Klemme auf einem (Tisch-) Stativ montiert werden. Hier kann der Abstand zwischen Mund und Mikrofon variieren und zu unterschiedlichen Lautstärken während der Aufnahme führen. Großmembran-Mikrofone werden in einer sogenannten „Spinne“ auf einem Stativ oder Mikrofon-Arm montiert. Auch hier besteht das Problem mit dem veränderlichen Abstand zwischen Sprecher und Mikrofon. Nackenbügel-Mikrofone wiederum haben den Vorteil, dass sie fest am Kopf sitzen und so der Abstand zwischen Mund und Mikrofon während der gesamten Aufnahme gleichbleibend ist.

Last but not least: Headsets, also eine „Hör-/Sprech-Garnitur“. Sie haben ebenfalls den Vorteil, dass das an einem Schwanenhals montierte Mikrofon einen festen Abstand zum Mund hat. Obendrein ist der Kopfhörer auch gleich dabei, was für Remote-Aufnahmen unablässig ist, damit der Gesprächspartner gehört werden kann.

Headset und Interface für unter 100 Euro

In der deutschen Podcast-Szene erfreut sich ein sehr günstiges Headset großer Beliebtheit: Das Superlux HMC 660 X. Für knapp 40 Euro erhält man ein Headset, welches klanglich ganz nah an acht- bis zehnmal so teure Modelle heranreicht. Allerdings sollte man dem Headset direkt ein paar andere Ohrpolster gönnen: Velourpolster bieten einen höheren Tragekomfort.

Was den Anschluss an ein Audio-Interface oder Mischpult angeht, zeigt sich das Superlux allerdings von seiner zickigen Seite: Es kommt nicht mit den üblichen 48 Volt Phantomspeisung klar. Sofern nur ein Superlux an den Computer angeschlossen werden soll, ist das allerdings kein Problem, denn ein bewährtes Mini-Mischpult/-Audio-Interface stellt nur 15 Volt Phantomspeisung zur Verfügung: das Behringer Xenyx 302 USB.

Headset, Ohrpolster und das Mini-Mischpult kosten zusammen weniger als 100 Euro und man hat für den Anfang doch alles, was man braucht. Mehr zum Einsatz des Superlux in Kombination mit dem kleinen Behringer-Mischpult kann man hier nachlesen.

Podcasting-Hardware für unter 100 Euro. Dieses Setup leistet beim Autor gute Dienste. (Foto: Ingo Busch)

Welche Software sorgt für den richtigen Ton?

Wenn direkt am Computer aufgezeichnet wird und nicht etwa auf einem Aufnahmegerät, kommt man um Software zur Aufnahme des Podcasts nicht herum. Aber auch für die Nachbearbeitung werden geeignete Computer-Programme benötigt. Zum einen, um „Ähms“ und Räusperer aus der Aufnahme heraus zu schneiden, zum anderen, um zum Beispiel der eigentlichen Aufnahme ein Intro voranzustellen.

Zu guter Letzt geht es auch ums Mastering: Also den Podcast auf eine einheitliche Lautstärke zu bringen, Kapitelmarken zu editieren, ein Coverbild festlegen und das Ganze als MP3-Datei zu exportieren.

Wie so häufig bei Software ist die Auswahl groß und die Spanne reicht von kostenlos bis sehr teuer:

  • Apple Garageband (kostenlos, nur MacOS)
  • Audacity (kostenlos, Open Source, Windows, MacOS, Linux)
  • Reaper (ca. 65 Euro, Windows und MacOS)
  • Hindenburg (von ca. 85 bis 350 Euro, Windows und MacOS)
  • und viele weitere mehr.

Die Community hat die Lösung entwickelt

Von der deutschen Podcast-Szene wurde speziell für die Bedürfnisse von Podcastern die Software Ultraschall entwickelt. Diese setzt auf der Digital-Audio-Workstation-Software Reaper auf und macht diese für Podcaster erst richtig bedienbar. Vor allem bringt Ultraschall noch viele weitere Funktionen zum Beispiel fürs Mastering mit. Für einen ersten – aber umfangreichen – Eindruck von den Möglichkeiten, die Ultraschall bietet, empfehlen sich die Videos „Ultraschall für EinsteigerInnen“ sowie „Ultraschall 4 (die aktuellste Version) – die Features“.

Ultraschall – Software von und für die Podcast-Community (Screenshot: Ingo Busch)

Die Sache mit den Ferngesprächen

Gerade wenn man einen Gesprächspodcast produziert und der Gesprächspartner einem nicht gegenüber sitzt, stellt sich die Frage nach einer Remote-Aufzeichnung. Hierbei sollten sich beide Seiten gegenseitig hören und das Gesprochene aufgezeichnet werden können. Am naheliegendsten ist eine Aufzeichnung über das klassische Telefon. Das klingt allerdings nicht sonderlich gut und bringt auch ein paar technische Probleme, wie etwa die Aufnahme des Telefonsignals, mit sich.

Als bessere Lösung bietet sich ein Gespräch über Skype an. Allerdings ist ein aufgezeichnetes Skype-Gespräch auch nicht optimal: Skype komprimiert die Audiosignale und es wird nur eine Stereo-Spur aufgezeichnet, auf der alle Sprecher zu hören sind. Das ist für den späteren Schnitt auch nicht optimal. Die Podcast-Szene hat allerdings auch für Remote-Aufzeichnungen ihre Lösungen gefunden:

Mit Zencastr existiert zum Beispiel eine Browser-basierte Lösung, die ein Gespräch mit einem oder mehreren Gästen über das Internet ermöglicht. Man erhält als Aufzeichnung pro Sprecher eine separate Datei, die dann im Schnittprogramm der Wahl als einzelne Tonspuren bearbeitet werden können. Top: Für bis zu zwei Gäste und maximal acht Stunden pro Monat ist Zencastr kostenlos.

StudioLink: Die Ferngesprächs-Lösung der Podcast-Community (Screenshot: Ingo Busch)

Aus dem Umfeld der Ultraschall-Entwickler beziehungsweise des Sendegate (siehe unten) kommt die Alternative StudioLink, die in der Stand Alone Version die Aufnahme von Gesprächen mit bis zu sechs Teilnehmern ermöglicht. Und das in sehr hoher Qualität und selbstverständlich auf separaten Spuren. Gut zu wissen: Im Zusammenspiel mit der schon beschriebenen Software Ultraschall entfaltet StudioLink sein Potenzial erst richtig. Zum einen bringt Ultraschall bereits die Unterstützung für StudioLink mit, dann können Gespräche mit bis zu zehn Teilnehmern geführt werden sowie auch Audioschnipsel über das Soundboard von Ultraschall eingespielt werden.

In beiden Fällen brauchen die Podcast-Gäste in der Regel nur den StudioLink-Client herunterladen und starten. Falls das nicht möglich sein sollte, oder die Technik auf Gast-Seite einfach nicht mitspielen will, kann man mit StudioLink auch die klassische Telefonleitung einbinden, wenn eine Fritzbox als Internet-Router zur Verfügung steht. Zugegeben: einmalig ist ein wenig Konfigurationsaufwand angesagt. Der Aufwand lohnt jedoch, denn die Gesprächsqualität kann in vielen Fällen damit besser sein, als man es vom Radio her kennt.

Und ab auf Sendung

Die Podcast-Episode ist aufgezeichnet, geschnitten und gemastert? Jetzt muss der Podcast noch seinen Weg zum Hörer finden! Auch wenn es hier wieder verschiedene Möglichkeiten zum Ausspielen des Podcasts gibt, passiert im Prinzip überall das Gleiche: Über einen (RSS-)Feed wird die neueste Folge des Podcasts allen Podcatchern bekannt gemacht. Auch die Podcast-Plattformen, wie beispielsweise Apple iTunes, benötigen zwingend einen Feed, um den Podcast in ihren Verzeichnissen zu listen.

Wer es sich einfach machen will: Es gibt verschiedene Dienste, wie zum Beispiel Podigee, bei denen man seinen Podcast hosten lassen kann. Hier reicht es, die Podcast-Episoden hochzuladen – und der Dienst kümmert sich um alles andere.

Der andere Weg führt über die eigene Website oder den eigenen Blog. Wenn dieser bereits mit WordPress betrieben wird, kann man hierüber auch den Podcast ausspielen. Hierzu installiert man nur noch ein zusätzliches Plugin (zum Beispiel Blubrry PowerPress), das dafür sorgt, dass ein separater Podcast-Feed ausgespielt wird, den iTunes und Co. verstehen. Diese Lösung setzt zwar ein wenig Einrichtungsarbeit voraus, aber dafür bleibt man flexibel und unabhängig von Dienstleistern.

Die Aufnahme läuft (Foto: Ingo Busch)

Machen? Machen!

Wer sich bis hierhin nicht durch den „Technik-Kram“ hat abschrecken lassen und nun Lust auf die Produktion eines eigenen Podcasts bekommen hat, sollte dennoch nicht sofort in die notwendige Technik investieren. Vielmehr ist zunächst der Punkt gekommen, sich über (s)ein Konzept Gedanken zu machen.

Das ist deshalb so wichtig, da man mit einem Podcast auf Stammhörer angewiesen ist, die den Podcast abonnieren. Da wäre es eher hinderlich, wenn sich Format, Veröffentlichungsfrequenz und Inhalte ständig ändern. Dazu sollte man sich unter anderem die folgenden Fragen stellen:

  • Soll es ein Laber-Podcast sein oder doch gebaute Beiträge?
  • Jeweils monothematisch oder bunt gemischt?
  • Und für welche Zielgruppe?
  • Möchte ich ein Intro der Sendung voranstellen?
  • Und sollen die einzelnen Abschnitte zum Beispiel durch Jingles getrennt werden?
  • Wie häufig möchte ich eine neue Podcast-Episode veröffentlichen (Man sollte den Aufwand – gerade am Anfang – nicht unterschätzen!)?
  • Erfolgt die Verbreitung des Podcasts über eine Plattform/einen Dienst oder über die eigene Website?

Wenn diese Basics und möglicherweise auch schon ein Themenplan für die ersten Sendungen stehen, sollte man zunächst eine (kurze) Vorschau- oder Trailer-Folge produzieren und veröffentlichen. Diese ist notwendig, damit der Podcast überhaupt in den Podcast-Verzeichnissen gelistet wird. Da das je nach Plattform nämlich bis zu zwei Wochen dauern kann, ist die Produktion und Veröffentlichung einer solchen „Null-Episode“ definitiv anzuraten. Damit die erste Echt-Folge auch schnell ihre Zuhörer findet.

Fazit

Podcasts sind zurzeit nicht nur sehr angesagt, die Produktion macht auch Spaß! Natürlich wird bei den ersten Episoden nicht alles gleich auf Anhieb so funktionieren, wie man sich das vorstellt, aber davon sollte man sich nicht entmutigen lassen. Nach drei bis vier Folgen sitzen die Handgriffe besser und auch etwaige Probleme lassen sich einfacher lösen.

Und wenn doch nicht: Die deutschsprachige Community der Podcast-Produzierenden tauscht sich im Internet im Sendegate aus. Einsteiger wie Fortgeschrittene finden hier Antworten auf alle Fragen rund ums Podcasten. Auch der Support für Ultraschall und StudioLink wird hier geleistet. Was das Sendegate von vielen anderen Internet-Foren unterscheidet, ist der freundliche Ton und die Hilfsbereitschaft der Foren-Mitglieder.

Lesestoff

Lesestoff für angehende Podcaster (Foto: Ingo Busch)

Wer sich tiefer in die Materie „Podcast“ einlesen möchte, dem sei das Buch „Podcasting!“ (Rheinwerk Verlag, 424 Seiten, 29,90 Euro, ISBN 978-3-8362-6423-5) von Larissa Vassilian empfohlen. Die Autorin ist unter ihrem Alter Ego Annik Rubens mit ihrem Podcast „Schlaflos in München“ bekannt geworden und gehört zu den deutschen Podcast-Urgesteinen. Mit ihrem aktuellen Podcast „Slow German“ erreicht sie monatlich bis zu 500.000 Hörer.


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2 Kommentare

  1. Hallo Ingo,

    ich podcaste nun schon seit 2017, wie du weißt, und damals hätte ich mir wirklich einen solchen Artikel gewünscht. Auf der anderen Seite habe ich so alle Nachteile von Skype und zencastr mitgemacht und bin mehr als nur einmal gestolpert. Es war ein steiniger Weg bis ich das Setup gefunden habe, dass mir zusagt, mit dem ich zurecht komme und vor allem mit dem auch meine Podcast-Gäste einfach ins „virtuelle Tonstudio“ kommen können.

    Und du hast auch recht: Es schießen Podcasts wie Pilze aus dem Boden. Auch weil es mit dem Smartphone und einer App so einfach ist, hörbar zu werden. Dennoch finde ich es sehr wichtig eine professionelle Software zu nutzen. Themen finden, Recherchieren, Gesprächspartner finden, Schneiden, Intro und Outro und das richtig Jingle – das finde ich beim Podcasten spannend. Quick & Dirty ist nicht meins.

    Vielen Dank für diesen Artikel! Den empfehle ich ab sofort jedem, der oder die mit dem Podcasten starten will.

    Grüße
    Valerie

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