VDRJ Columbus Film-Preis 2014

Gedanken der Jury zum Jahrgang 2014

Ende Januar, Berlin im klassischen Januar-Grau, der Tagungsraum der VDRJ-Jury muss kaum abgedunkelt werden für perfekte Sichtungsbedingungen.

Mit dabei dieses Jahr WDR Wunderschön-Redakteur Richard Hofer, ITB-Pressechefin Astrid Zand und VDRJ-Cutter Thorsten Pengel. Neu in der Jury Till Bartels, Leiter des Reiseressort bei stern.de und einer der profiliertesten Online-Reisejournalisten  des Landes. Es ist mein drittes Jahr als Geschäftsführer des Columbus-Filmpreises und nachdem der Rücklauf im ersten Jahr noch eher dürftig war, setzte sich die positive Entwicklung des letzten Jahres erfreulicherweise fort.

Mehr als 30 Filme im Wettbewerb

Mehr als dreißig Filme konkurrierten um die Preise in den verschiedenen Kategorien wie beste Kamera, bester Schnitt und Innovation. Und natürlich um den Hauptpreis für den besten Reisefilm des Jahres.

Film ist immer Teamarbeit, das honoriert die VDRJ seit letztem Jahr mit Preisen für herausragende Leistungen einzelner Fachabteilungen. Besonders erfreulich dieses Jahr der Wettstreit um den silbernen Columbus in der Kategorie „Beste Kamera“. Technologische Entwicklungen wie Vollformat-Kameras und ferngesteuerte Kameradrohnen lieferten beeindruckende Ergebnisse. Wenn das dann noch mit einer einfühlsamen und poetischen Bildgestaltung zusammenkommt wie bei Marcus Winterbauer und Lars Barthel, dann ist das Zusehen schlicht eine Freude. Die beiden Kameraleute zeichnen verantwortlich für die SWR-Produktion „Elefantenparadies Südindien – die Mahouts von Kerala“ im Rahmen der renommierten Sendereihe „Länder Menschen Abenteuer“. Bemerkenswert wie es ihnen gelingt, in wenigen Einstellungen Situationen auf den Punkt zu bringen und den Zuschauer immer wieder mit ungewöhnlichen Perspektiven und intensiven Nahaufnahmen mit auf die Reise zu nehmen.

Kurze Reisefilme sind nicht ausgestorben

In der Kategorie Schnitt dann eine Überraschung. Die fast ausgestorbene Form des kurzen Reisefilms meldet sich zurück mit einer kleinen Reihe des Bayrischen Rundfunks. Reporter Christian Limpert ist mit dem Fahrrad unterwegs und seine „Ortsportaits mal anders“ überzeugen mit einer verdichteten Montage, der es gelingt Geschichten amüsant auf den Punkt zu bringen ohne deswegen hektisch oder gehetzt einem Trend hinterhecheln zu wollen. Erstaunlicherweise hat Limpert seine sechs Filme sogar selbst geschnitten, schon wieder so ein junges Multi-Talent, von dem wir uns für die Zukunft noch einiges erwarten können.

Nach einer ersten Vorsichtung kristallisierten sich dann die Favoriten für den Hauptpreis heraus und anders als im letzten Jahr, als mit „fernOst – von Berlin nach Tokio“ eine Produktion alle anderen überstrahlte, gab es dieses Jahr ein echtes Kopf an Kopf-Rennen. Leidenschaftlich diskutierte die Jury das für und wider der beiden Kandidaten: „Wien – da will ich hin!“ war für uns alle der vielleicht beste „klassische“ Reisefilm der letzen Jahre. Voller origineller Ideen, filmisch erzählt, klug getextet, präsentiert von einem sympathischen Moderator, der sich selbst nicht zu wichtig nimmt – das ist öffentlich-rechtliches Reisefernsehen wie man es sich wünscht aber in dieser Qualität nur selten sehen kann.

Auch der zweite Kandidat hat uns begeistert. Auf drei Sofas ging es für Couchsurfer Thomas Niemietz durch Mumbai. Eine dreißigminütige Reportage, modern, lebendig und mit dem Mut auch unbequeme Fragen nicht auszusparen. Die Machart völlig anders – schneller, bunter, rotziger – und doch genauso überzeugend. Niemetz ist als VJ unterwegs, ist also Autor, Regisseur und Kameramann in Personalunion.

Diese Erzählform lebt von ihrer spontanen und situativen Erzählhaltung, ist allerdings oftmals visuell eher dürftig. Nicht so bei Niemetz, dem es gelingt, die Begegnungen mit seinen großartigen Protagonisten in eindrucksvollen Bildern und Sequenzen festzuhalten.

Zwei Top-Filme also, wie sie unterschiedlicher kaum sein können. Am Ende entschied sich die Jury mit hauchdünner Mehrheit für die SR-Produktion aus Wien, die „3 Sofas“ von SWR/1plus erhalten den silbernen Columbus in der Kategorie „Innovation“.

Thomas Radler, Geschäftsführer VDRJ Columbus Filmpreis