VDRJ Columbus Ehrenpreis 2015: Prof. Dr. Harald Zeiss

Prof. Dr. Harald Zeiss

Professor Dr. Harald Zeiss sagt über sich selbst, dass er ein Weltenbummler ist. Ein Mensch, der am liebsten in ferne Länder zu spannenden Kulturen reist, um interessante Menschen kennen zu lernen. Gleichzeitig sagt er über sich, dass er ein Experte für den Umgang mit knappen Ressourcen ist, die man lieber für künftige Generationen aufheben sollte. Wie passt das zusammen – gerne, viel und weit reisen und gleichzeitig ressourcenschonend zu verreisen?

In der „Zeit“ hielt Zeiss sich 2009 wacker, als der streitlustige Schriftsteller Ilija Trojanow in einem Streitgespräch formulierte, dass es kein Menschenrecht auf Fernreisen gäbe. Zu einseitig sei ihm diese Sicht, konterte Zeiss: „Tourismus schafft Arbeitsplätze und Wohlstand. Das sagt nicht nur die TUI. Für die Tourismusorganisation der Vereinten Nationen ist der Tourismus der Motor des Fortschritts in den Entwicklungsländern. Außerdem trägt er zur Völkerverständigung bei.“

Nachhaltigkeit bedeutet also weit mehr, als „nur“ Umweltschutz. Kein Wunder also, dass Harald Zeiss das Wort Nachhaltigkeit dahingehend versteht, alle Ressourcen so zu nutzen, dass sie den nachfolgenden Generationen erhalten bleiben.

Fast hört sich das wie die Quadratur des Kreises an.

Seiner Meinung nach besteht ein nachhaltiges Konzept aus drei Eckpfeilern. Diese Eckpfeiler hat der Professor für Nachhaltigkeitsmanagement in der Tourismusbranche an der Hochschule Harz 2013 in einem Aufsatz für die Bagso-Nachrichten skizziert. Nämlich die Verfolgung langfristiger ökologischer, ökonomischer und sozialer Ziele. Die Praxis im Tourismus sieht dann so aus: Unterkünfte werden dem Landschafts- und Stadtbild angepasst, mit energiesparenden Rohstoffen gebaut und umweltfreundlich bewirtschaftet.

Außerdem ist es seiner Meinung nach wichtig, dass ein eigener Tourismuswirtschaftskreislauf in der Destination gefördert wird: Beschäftigung einheimischer Arbeitskräfte, entsprechende Weiterbildungsmaßnahmen, Verknüpfung der Tourismusbranche mit anderen Wirtschaftsbereichen wie der lokalen Gastronomie.

Last but not Least muss die lokale Kultur gewahrt werden. Die Bewohner des Landes müssen geschützt und in die Tourismusentwicklung integriert werden.

Das Hauptproblem einer nachhaltigen Reise liegt jedoch in der An- und Abreise: Je nach Verkehrsmittel wird eine bestimmte Menge an Kohlendioxyd (CO2) ausgestoßen und schadet der Umwelt. So verursacht eine 14-tägige Reise nach Mallorca beispielsweise im Schnitt laut der Naturschutzorganisation WWF mehr als eine Tonne CO2. Das entspricht etwa einem Jahr Autofahren. Hier zeigt sich: Einen durch und durch nachhaltigen Tourismus gibt es nicht, denn Reisen verbraucht Ressourcen. „Wir reisen an, leihen uns einen Mietwagen, und stoßen CO2 aus, wir duschen und verbrauchen lokale Wasserressourcen. Wir kommunizieren mit den Einheimischen und besichtigen ihr Kulturgut, dadurch beeinflussen wir die lokale Kultur und wer- den wiederum selbst beeinflusst“, so Harald Zeiss in den Bagso-Nachrichten.

Natürlich ist es keine Lösung, auf das Reisen zu verzichten, denn Tourismus und Erlebnisreisen sind ein wichtiger Bestandteil der persönlichen Lebensgestaltung. Vor allem deshalb geht es eher um die Frage, wie das Reisen künftig nachhaltiger gestaltet werden kann. Hier sind vor allem die Reisenden selbst in der Verantwortung. Zeiss empfiehlt, einen Reiseveranstalter zu wählen, der nachhaltigen Aspekten Aufmerksamkeit schenkt.

So kennzeichnet die TUI nachhaltige Hotels mit dem „Umwelt Champion“-Label. Meistens kann auch schon das Bewusstwerden von Konfliktfeldern Antworten liefern: Kann ein Golfplatz in der Wüste das Ergebnis natürlicher Gegebenheiten sein und welche Umwelt-Auswirkungen hat die Bewirtschaftung eines Wüsten-Golfplatzes? Muss man nach Wien fliegen oder ginge es nicht ebenso mit der Bahn? Als sehr wichtig, sieht Harald Zeiss auch den Respekt gegenüber den Einheimischen an. „Wie würde ich mich fühlen, wenn jemand ohne Erlaubnis in meine Privatsphäre eindränge und Fotos von mir machte?“

Die VDRJ hat Prof. Dr. Harald Zeiß 2015 den Columbus-Ehrenpreis für seine herausragenden Verdienste um nachhaltigen Tourismus verliehen.

Kontakt:

Prof. Dr. Harald Zeiss
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30627 Hannover

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