Zeitreise in die USA der Gegenwart und das Rheinland der Vergangenheit

Die Preisträger der VDRJ-Medienpreise 2025 mit VDRJ-Vorsitzendem Dr. Martin Wein (Bild: Holger Leue / www.leue-photo.com)
Die Preisträger der VDRJ-Medienpreise 2025 mit VDRJ-Vorsitzendem Dr. Martin Wein (Bild: Holger Leue / www.leue-photo.com)

Zweimal USA, einmal Rheinland: Die Beiträge zu den VDRJ-Medienpreisen 2025 sind höchst unterschiedlich. Was sie gemeinsam haben, ist ihre herausragende Erzählweise in Wort und Bild. Bei der Preisverleihung im Rahmen der VDRJ-Jahrestagung auf dem Flusskreuzfahrtschiff „MS Edelweiss“ erzählten die drei Preisträger über Zufälle, Herangehensweise und die Kunst, als Journalist zu überleben.

Die VDRJ-Medienpreise 2025

Erinnern Sie sich an die berühmte Filmszene aus dem Leinwand-Klassiker „Harry and Sally“? An den legendärsten Orgasmus der Filmgeschichte, mit dem die Protagonistin Sally zeigen wollte, dass Frau mit etwas Gestöhne und Gejauchze jeden Mann übertölpen kann?

Was in den 1980er Jahren den Grundstein für moderne Rom-Coms gelegt hat, weil sie mit satirischen Mitteln die Beziehungskiste zwischen Mann und Frau beleuchtete, brachte der Journalistin Jasmin Kröger jetzt drei Jahrzehnte später den VDRJ-Medienpreis in der Sparte Audio ein.

Auf der Jahrestagung der Vereinigung, dieses Jahr auf dem Flusskreuzfahrtschiff „MS Edelweiss“, bekam die Journalistin, Moderatorin und Comedy-Autorin den Preis überreicht und freute sich gemeinsam mit Marina Klimchuk (Preisträgerin in der Sparte Text) und Karl Koch (Medienpreis Film) über die Würdigung ihrer Arbeit.

Zu den Drehorten von „Harry und Sally“: Die Siegerin des Audio-Medienpreises Jasmin Kröger mit Juror Rüdiger Edelmann. (Bild: Holger Leue / www.leue-photo.com)
Zu den Drehorten von „Harry und Sally“: Die Siegerin des Audio-Medienpreises Jasmin Kröger mit Juror Rüdiger Edelmann. (Bild: Holger Leue / www.leue-photo.com)

VDRJ-Medienpreis AUDIO

Jasmins Krögers 30-minütige Hörreise auf den Spuren von „Harry und Sally“ durch das New York von heute schälte sich früh als Favoritin für den Medienpreis heraus, weil der im Deutschlandfunk gesendete Beitrag alles vereint, was guten Journalismus mit Bezug zum Reisen ausmacht: „Eine geniale Idee sowie geniale Umsetzung“, so Laudator Rüdiger Edelmann, dessen Mitjuroren 58 Beiträge zu beurteilen hatten.

Dabei wollte das Nordlicht, das schon früh Hörspiele und Reportagen mit ihrem Fisher Price Recorder aufzeichnete, nur Urlaub zwischen Wolkenkratzern und Leuchtreklamen machen. Sie ist schnell erschlagen von der Hitze, der Lautstärke und dem Treiben um sie herum. Zum Glück gilt in New York das Gesetz jeder anderen Stadt: Wer nicht mehr kann, suche einen Buchladen auf.

Jasmin Kröger landet in der ikonischen Buchhandlung Shakespeare & Co, und stößt auf einen dünnen Reader – eine Analyse von „Harry and Sally“. Beim Bezahlen erfährt sie, dass eine der Filmszenen in der. Buchhandlung gedreht werden. Ihr Rom-Com-Herz schlägt bis zum Hals; in wenigen Sekunden endet die Urlaubsreise, stattdessen beginnt die Recherche. Ein Aufnahmegerät hat die Journalistin schließlich immer dabei und die Handlungsorte des Filmes sind schnell gefunden.

Mir bedeutet der Preis wirklich sehr viel. Es ist einfach schön, wenn journalistische Arbeit gewertschätzt wird“, betonte die Preisträgerin, die für einige Lacher bei Nennung ihres früheren Berufswunsches – Avonberaterin – sorgte.

Mit Greyhound durch die USA: Die Preisträgerin in der Sparte Text Marina Klimchuk (rechts) mit Gebeco-Pressesprecherin Alicia Kern und dem Vorsitzenden der VDRJ, Martin Wein. (Bild: Holger Leue / www.leue-photo.com)
Mit Greyhound durch die USA: Die Preisträgerin in der Sparte Text Marina Klimchuk (rechts) mit Gebeco-Pressesprecherin Alicia Kern und dem Vorsitzenden der VDRJ, Martin Wein. (Bild: Holger Leue / www.leue-photo.com)

VDRJ-Medienpreis TEXT

Wie aufreibend die Arbeit im journalistischen Sektor geworden ist, wie schwierig es ist, mit mageren Honoraren über die Runden zu kommen, betonte auch Marina Klimchuk, die sich mit ihrer Reportage „Der Bus“ gegen 57 Mitbewerber durchsetze.

Auch sie entführt den Leser in das Amerika von heute – nicht in das glitzernde, funkelnde Universum der Superreichen und Schönen, sondern in das Amerika von Unten, in das Reich der Abgehängten, der Ausgestoßenen und Geächteten, in die Welt der schmuddeligen Bahnhöfe im Nirgendwo und der heruntergekommenen Trailerparks.

Mit Jack Kerouacs Roman „On the Road“ im Gepäck durchquert die Autorin die USA von Ost nach West, legt 4000 Kilometer in drei Langstreckenbussen von Greyhound zurück und lernt auf ihrer 62-stündigen Fahrt die unterschiedlichsten Charaktere kennen – den „Catfischer“ namens Naftali, der fremde Identitäten annimmt, den pensionierten Lateinlehrer George, der auf dem Weg zu einem Gospel-Festival ist, den blonden Trevor, einen Veteranen aus dem Irak-Krieg, der unter einer posttraumatischen Belastungsstörung leidet.

Wie auch bei Jasmin Kröger spielte der Zufall eine wichtige Rolle für die Recherche: „Ich bin wegen meinem Partner in die USA gezogen. Und wenn einem nichts einfällt, fährt man 4000 Kilometer im Bus durch die USA“, so die Journalistin, die von sich selbst sagt: „Ich kann halt nichts anderes als schreiben“. Ihr ungeschönter Blick auf die Ränder einer Gesellschaft wurde wohl durch ihr Soziologiestudium gestärkt, ihre Kunst des Schreibens durch die Ausbildung an der Reportageschule Reutlingen.

Ihr Fazit: „Wenn die USA ein Puzzle mit 300 Millionen Teile wäre, hätte ich in den vergangenen Tagen in meinem Kopf immerhin ein paar Randstücke zusammengefügt.

Mit historischen Reiseführern ins Rheinland: Regisseur Karl Koch (rechts) - hier mit Laudator Thomas Radler - holte sich den Sieg in der Kategorie Film. (Bild: Holger Leue / www.leue-photo.com)
Mit historischen Reiseführern ins Rheinland: Regisseur Karl Koch (rechts) – hier mit Laudator Thomas Radler – holte sich den Sieg in der Kategorie Film. (Bild: Holger Leue / www.leue-photo.com)

VDRJ-Medienpreis FILM

In der Kategorie Film machte der Berliner Regisseur Karl Koch das Rennen, der für die Preisverleihung auf der „MS Edelweiss“ eigens Dreharbeiten unterbrach. Für die NDR-Serie „Meyer-Burckhardts Zeitreisen“ ließ er den bekannten Moderator mit Reiseführern von einst auf Tour gehen. Die Idee zu den zwei Folgen über das Rheinland war naheliegend, schließlich kommt Koch aus der Nähe von Bonn.

Die höchst unterhaltsamen, je 45 Minuten langen Folgen über die touristische Region, wo der Frohsinn nie weit entfernt ist, präsentieren dem Zuschauer die Anfänge des Partytourismus in Rüdesheim, die Ekzesse in der Drosselgasse mit passendem „Kotzbecken“ sowie den Nürburgring, diese laut Reiseführer „mustergültige Kraftwagenstraße“, wo von Anfang an nicht nur Rennwagenfahrer ihre Runden drehen durften, sondern auch Normalsterbliche mit „herrlichsten Ausblicke in die Eifel“.

Auch für Karl Koch gilt: „Sein Beitrag schälte sich unter den über 30 Einreichungen schnell als Favorit heraus“, bestätigte Jurymitglied und Laudator Thomas Radler.

Wer die Ausstrahlung verpasst hat: Beide Folgen sind in der ARD-Mediathek zu sehen.

Hier finden Sie einen Überblick über alle Platzierungen der VDRJ Medienpreise 2025.

Seit 2003 zeichnet die VDRJ herausragende Textbeiträge zum Reisejournalismus aus. Audio- und Filmpreis kamen wenig später hinzu. Der Vorsitzende der VDRJ Martin Wein dankte allen Preisträgern sowie dem Mediennetzwerk Trav Media und dem Reiseveranstalter Gebeco, die die Verleihung des Medienpreises finanziell unterstützt haben.

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