
Eine Dating-Anlage für Großpapageien, die erste urbane Hängebrücke Europas und „Schwebekekse“ – wo gibt’s denn sowas? Beim Regio-Treff West der VDRJ konnten Mitglieder der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten und eingeladene Kollegen die Großstadt im Bergischen Land neu für sich entdecken.
Unser Mitglied Meike Nordmeyer hatte dazu Anfang Mai gemeinsam mit Daniela Ullrich von der Projektgesellschaft für die BUGA 31 einen ausgefüllten Recherchetag vorbereitet.
Bundesgartenschau soll zwei Millionen Gäste locken
Zuerst gewährte Ullrich im Projektbüro im Stadtteil Vohwinkel mit ansteckender Begeisterung einen exklusiven Einblick in das Großvorhaben, mit dem in fünf Jahren der Wuppertaler Western infrastrukturell aufblühen soll. Vorgesehen ist die Aufteilung des Areals auf drei Standorte, die mit einer 849 Meter langen urbanen Hängebrücke von der Kaiser- zur Königshöhe verbunden werden sollen. Bis zu 120 Meter hoch soll sich das Bauwerk über das Wuppertal spannen – wegen möglicher Schneelast mit offenen Gittern.
Überdies soll eine Seilbahn zu einem der Aussichtspunkte hinaufführen und dabei auch den Grünen Zoo noch besser erschließen, der sich an den Hängen des Tals hinaufzieht. „Schon heute ist Wuppertal die grünste Großstadt Europas, aber dieses Projekt wird der Stadt noch einen weiteren Schub verleihen“, freut sich Ullrich, die sich auch politisch, als DJ und Yogalehrerin engagiert, für ihre Heimatstadt. Die von der Stadt und der Deutschen Bundesgartenschau-Gesellschaft getragene GmbH als Trägerin rechnet mit Investitionskosten von rund 80 Millionen und Gesamtkosten von 130 Millionen Euro. Die Ausstellung soll zwei Millionen Besucher anlocken. Ein Bürgerentscheid hatte 2022 knapp dafür votiert.
Moderner Artenschutz in einem denkmalgeschützten Landschaftspark von 1881
Apropos Grüner Zoo: Erstmalig soll ein Zoo Teil des Gartenschau-Geländes und damit auch in dem Gartenschau-Eintritt integriert werden. Grund genug, diese besondere Einrichtung ebenfalls zu besuchen.
Die VDRJ war dazu mit dem wissenschaftlichen Koordinator und Veterinärarzt Dominik Fischer verabredet. Der Grüne Zoo ist tatsächlich ein denkmalgeschützter Landschaftspark auf einer Fläche von 24 Hektar, der mit seinen Höhenzügen schon manchem Besucher Schweißperlen auf die Stirn getrieben hat. Neben dem alten Baumbestand und den landschaftlichen Anlagen, die teils noch von Carl Hagenbeck geplant wurden, begeisterte er die VDRJ-Gruppe vor allem mit seinen sorgsamen Bemühungen zum Artenschutz.

So zeigt die städtische Einrichtung heute fast nur noch Arten, die stark gefährdet werden, um zu deren Erhaltungszucht beizutragen. „Dabei hat sich in den letzten 20 Jahren sehr viel verändert“, berichtete Fischer in der Freiflugvoliere Aralandia. Wurden früher beispielsweise einzelne Männchen und Weibchen bedrohter Arten einfach zusammengesetzt, in der Hoffnung, sie würden schon klarkommen und für Nachwuchs sorgen, ist Aralandia eine innovative neue Dating-Area für Hyazinth-Aras.
Zu Gast bei den Hyazinth-Aras
Rund 20 Tiere halten sich im Schnitt darin auf und haben reichlich Auswahl bei der Partnersuche. Sender in einem Halsband verraten, welche Tiere sich häufig zusammen aufhalten. Hat sich ein Paar erkennbar gefunden, wird es in einem Durchlass zum Innenstall ohne große Aufregung abgesondert, und gemeinsam an andere Zoos abgegeben – in der Hoffnung auf reichlich Bruterfolg.

Ähnlich originelle Ansätze verfolgt Fischer auch bei den Königspinguinen, denen eine Eismaschine und ein Ball mit Krillkrebsen zum Selberpulen in ihrem Habitat das Leben versüßen. Auch den Futtertieren für die Räuber werde hinter den Kulissen ein möglichst gutes Leben ermöglicht, anstelle sie billig tiefgekühlt aus industriellen Zuchtanlagen einzukaufen, berichtete Fischer. Im Zuge der Gartenschau sollen nun auch die Elefanten ein üppiges Freigehege erhalten.
Abstecher ins Schwebodrom
Zu Elefanten hat Wuppertal eine besondere Beziehung. Schließlich war der Sturz der Zirkus-Elefantin Tuffi in den 1960er-Jahren in die Wupper eine weltweit beachtete Schlagzeile. Passiert ist dem Tier damals zum Glück nichts, aber die Schwebebahn war spätestens seitdem in aller Munde. Einer ihrer alten Kaiserwagen sollen ab Sommer für Sonderfahrten wieder auf die Strecke von Vohwinkel nach Obarbarmen starten.

Im Erlebnismuseum Schwebodrom kann man indessen virtuell eine Schwebebahnfahrt im Sommer 1929 nacherleben. Martin Bang, Geschäftsführer von Wuppertal Marketing, hat die Attraktion in einem ehemaligen Sonnenstudio in der verwaisten Fußgängerzone im Stadtteil Barmen persönlich eingerichtet. Zum Abschluss der Recherche berichtete Bang der Gruppe, wie er aus den digitalisierten Fotobeständen des Wuppertaler Stadtarchivs in nächtelanger Arbeit die Grundlagen für die virtuelle Zeitreise entwickelte. Kombiniert mit historischen Reklamatafeln, Briefkästen, Fahrzeugen und animierten Menschen in historischen Kostümen entstand so ein Panorama der modernen Industriestadt Ende der 1920er-Jahre.

In einem restaurierten Wagen fuhr die VDRJ-Gruppe anschließend über die Wupper – mit Tatort-Darsteller Dietmar Bär als virtuellem Schwebebahnführer. „Ich hatte genug von neuen Nagelstudios und Ein-Euro-Läden“, erklärte Bang zu seiner Motivation. Inzwischen konnte er sogar Gäste aus Hawaii begrüßen, die sich für die innovative Zugtechnik aus Wuppertal interessierten. „Hätte damals ein Herr Siemens mit seiner Hochbahn nicht bessere Kontakte zum Kaiser gehabt, wäre die Schwebebahn vielleicht ein echter Exportschlager geworden“, erklärte Bang. So ist sie das Aushängeschild von Wuppertal, auch wenn schon 60 Jahre lang kein Elefant mehr rausgefallen ist.