Laudatio von Prof. Karl Born: Das lebende Tripple-A

Meine sehr geehrten Damen und Herren, lieber Herr Rahe,

gestatten Sie mir, dass ich die Laudatio mal anders anfange als gewöhnlich, nämlich mit einer Frage an die Zuhörer:

Wo waren Sie am 25. April 2013?

Meine Damen und Herren, an diesem Tag startete eine Revolution, da müssen Sie doch wissen wo Sie waren.

Bei mir im Arbeitszimmer hängt eine Urkunde an der Wand. Da steht

25.4.2013, Beginn einer touristischen Revolution“.

Und darüber steht „Ich war dabei“.

Des Rätsels Lösung: Am 25.4.2013 wurde das erste A ja-Hotel in Warnemünde eröffnet und jeder der Anwesenden erhielt diese Urkunde.

Daraus können Sie viel über Antrieb und Charakteristik von Rahe entnehmen. Dazu später mehr.

Wenn ich über Herrn Rahe spreche, oder besser von Herrn Rahe spreche, dann lasse ich respektlos aus Zeitgründen die erste Hälfte seines Lebens weg (obwohl auch aufregend) und steige gleich in sein Hotelier- und touristisches Leben ein und speziell in die Gründe, warum Horst Rahe heute den VDRJ-Ehrenpreis erhält.

 

Ich möchte die Laudatio unter die Überschrift setzen:

Horst Rahe das lebende Triple A

So wie die berühmten AAA der Ratingagenturen für höchste Bonität im Finanzwesen stehen, so stehen seine 3 A  für 3 touristische Revolutionen/Innovationen.

Erstes A

Es galt früher die Regel es gibt nur 300.000 Kunden für Hochseekreuzfahrten, d.h. genau so viel wie altersmäßig sterben wachsen neue Kunde nach.

Ein unglaubliches statistisches Phänomen (ähnlich der 3%-Beschwerdequote beim  Veranstalter). Rahe aber sagte, das ist kein statistisches Problem, sondern ein Produktproblem.  Es muss nur anders gestaltet und angeboten werden, dann ist die Nachfrage ein Vielfaches davon.  Wer hat schon 3 Wochen Urlaub am Stück, wer will zusätzliche Koffer nur für die Abendkleidung mitnehmen und wer will für 3 Wochen Urlaub anschließend 10 Wochen Diät machen.

 

So erfand er AIDA. Ich weiß aus eigener Erinnerung, wie damals die Branche sagte, „es hat ja einen Grund warum wir das schon immer so machen“.

Was er will kann nie funktionieren“

Aber es funktionierte.

Über solche Sätze und fehlenden Mut mal anders zu denken, kann sich Rahe fürchterlich aufregen. Da droht echte Gesundheitsgefahr. Vielleicht kommt daher seine Präferenz für Gesundheitsurlaub.

Kürzere Reisen, unkompliziertes Handling beim Buchen und an Bord. Viel persönliche Freiheit für den einzelnen an Bord. Daraus wurde ein erfolgreiches Geschäftsmodell.

Details dazu erspare ich mir jetzt, Sie kennen diese.

AIDA bestellt inzwischen Schiff um Schiff und das wesentlichste Konkurrenzangebot dazu, TUI Cruises, bestellt ebenfalls Schiff um Schiff. Alles richtig vorhergesehen.

Aber eine Macke hat Rahe, sagen wir lieber an einer Stelle ist er „besonders“ gestrickt. Wenn etwas richtig gut funktioniert, dann wird es ihm langweilig.

Wenn andere eine erfolgreiche Geschäftsidee gehabt haben, dann sieht man sie anschließend auf Vortragstournee, dann in der Yellowpress, dann in den TV-Takshows, zum Schluss schaut der Insolvenzveranstalter vorbei.

Ich könnte Ihnen ein paar prominente Namen nennen, die sie alle kennen.

Also weg damit, verkaufen.

Keine Ahnung, ob er dann zu Hause sitzt und denkt, was könnte ich als nächstes machen. Ich glaube eher, er hat einen Instinkt dafür, in welchen Bereichen das Wort Innovationen wenig gelitten ist. Innovation hat mit Arbeit und Risiko zu tun, das mögen die meisten nicht.

So musste er fast zwangsläufig über die Flusskreuzfahrten stolpern, die damals ziemlich verschnarcht waren.

Im Deutschland Tourismus hatte er weitgehend ähnliche Defizite festgestellt. Fast alle Angebote in privater Hand (wenige sensationell gut), viele aber insbesondere in der Hardware mit deutlichen Defiziten. Vermarktung unterproportional.

Vor allem erkannte er auch die steigende Bedeutung des Gesundheitstourismus. Quasi als Gegenteil zum sehr präsenten Kurbetrieb. Da war das Wort verschnarcht eher noch zurückhaltend.

So wurde das zweite A in die Welt gesetzt. Arosa. 

Arosa mit der Quer Rose. Und warum?

Weil er schon damals, unter anderem in Zusammenarbeit auch mit Ron Imelauer, die Bedeutung der Frauen für die Urlaubsentscheidung erkannte. Was heute als neuester Schrei gilt, siehe Jasmin Taylor, oder neuere Tendenzen bei Thomas Cook, ist für Rahe ein alter Hut.

Ich will jetzt nicht näher auf Arosa Flußkreuzfahrten eingehen. Sie gehören schon längst nicht mehr zu seinem unmittelbaren Bereich. Er verkaufte die Arosa Flussschiffreederei im Ramen eines Management –Buy-outs und konzentrierte sich fortan stark auf die Arosa Resorts. Im Prinzip die einzige deutsche touristische Hotelkette. Wofür soll die Kette stehen, wofür nicht schon andere stehen?

Credo: Wir sind kein klassisches Hotel mit Tourismus, wir sind ein touristisches Resort.

Gesundheit, neudeutsch Wellness, heute allgemein als SPA bezeichnet. Das absolute highlight in einem Arosa-Aufenthalt.

Seine Ansprüche dort sind so hoch, dass die einzige Limitierung eigentlich die Beschaffung von qualifiziertem Personal ist. Qualität kennt keine Abstriche. Zumal gerade „sein“ Personal, die unkomplizierte Freundlichkeit, das zweite Aushängeschild für Arosa sein soll.

Ayurveda und Sauna, sind dort keine einfachen Angebotsnamen, dahinter stehen Philosophien.

Und die Kulinarik.

Die absolute Krönung vor kurzem war, als in allen vier Resorts Sternenglanz für die Spitzenköche errungen wurde, ein Resort sogar mit zwei dekorierten Köchen. Also mehr Sterne als sie gestern abend im Stuttgarter Himmel gesehen haben. Also Brust raus und jubilieren.

Was macht Rahe? Brauchen wir eigentlich diese Sternegastronomie in dieser Form? Sollten wir uns nicht lieber etwas breiter aufstellen um mehr Menschen dafür zu interessieren?

Und wenn gedreht wird, dann lass uns doch gleich Arosa in Gänze. Eine Gefahr bei Rahe, manchmal ist die letzte Umstrukturierung noch nicht verdaut, dann hat er schon wieder eine neue Idee.

Arosa steht auch für Golf. Den Ryders Cup zum Scharmützelsee holen. Das wäre es gewesen. Eine Enttäuschung, dass nicht das beste Angebot siegte, sondern Bargeld. Naiv?

Und obwohl es bei Arosa noch nicht langweilig war…

… erfand er das dritte A: A-ja.

Das ist nicht Art Arosa light, sondern schon ein ganz anderes Geschäftsmodell. Nach dem Motto Luxus ist für alle da oder Demokratisierung des Luxus. Der Gast zahlt nur was er nutzt, das ultimative Gegenteil zu all Inklusive.

Dabei verlässt er sich nicht nur auf seine eigenen Sensoren (profan ausgedrückt: Bauchgefühl). Er lässt jede Idee akribisch durch Umfragen testen.

Was essen Deutsche am liebsten? Buchen Sie bei a-ja, dann wissen Sie es.

Als ich dann wieder aus dem Markt hörte, mit a-ja fällt er aber ganz bestimmt auf die Nase, da wusste ich, es wird funktionieren. Ergebnis: a-ja Warnemünde kratzt auf Anhieb an der 90% Auslastung. Inzwischen schauen sogar schon die schwarzen Zahlen für a-ja um die Ecke.

Das gibt ihm Befriedigung es wieder den Gestrigen gezeigt zu haben, es geht doch.                                                                     Über Podiumsdiskussionen, wenn andere nicht kapieren wollen welche Veränderungen dringend geboten seien – egal ob Politik oder andere Branchengrößen. Da kann er richtig ärgerlich werden, und das noch längere Zeit danach.

Deshalb die Urkunde über die touristische Revolution, als kleiner Seitenhieb.

Das zeigt die touristischen Revolutionen: Zug, Flugzeug, Schiff und nun die neue Art von Hotellerie.

A-ja soll und wird kräftig wachsen. Das Limit ist nicht der Nachfragemarkt, Limit ist im Moment nur die geeigneten Grundstücke zu finden. Die Politiker in den Kommunen sind für ein A-ja im Prinzip schon aufgeschlossen, aber in den klassischen deutschen Urlaubsgebieten sind es oft die Bürger, die dagegen protestieren.  Oberstdorf, Garmisch, Tegernsee, Ruhpolding, klassische Gebiete, aber die Etablierten haben Angst um ihre Pfründe (Demokratisierung des Luxus, no, nicht hier). Gerade Ruhpolding, das erste deutsche Pauschal-Zielgebiet nach dem Krieg, hat mich enttäuscht.   Und dann kommt noch hinzu, dass das gleiche Grundstück, kommerziell bebaut, kurzfristig der Gemeinde mehr Geld einbringt.  Aber Aja läuft, höchstens zeitlich gestreckt.

Dass Rahe geehrt wird, ist mehr als verdient. Dabei habe ich seine besonderen Verdienste in der Hotellerie  gar nicht erwähnt, weil ich mich heute mehr auf die klassische Touristik beschränken wollte.

Aus Zeitgründen überspringe ich deshalb seine tolle Leistung, das DDR-Renoméehotel Neptun und –Achtung- mit derselben Mannschaft in die neue Marketing- und Servicewelt des Westens zu überzuführen. Das finde ich vielleicht sogar seine größte Leistung.

Er kann auch richtig gut Luxus, siehe sein Hotel Louis C. Jacob in Hamburg. Die unglaubliche Liebe zum Detail begeistert. Ich habe dort zum ersten Mal gesehen was Luxus im Detail bedeuten kann.

Das Henri in Hamburg, das Hotel Paradies in Ftan/Graubünden und einiges andere könnte man (müsste man erwähnen).

Aber er bekommt demnächst eine der höchsten Auszeichnung im Gastgewerbe, soll der Laudator dann diesen Teil des Lebens von Rahe mehr herausstreichen.

Oder seine Stiftung für junge Künstler.

Ich komme zum Schluss.

Letztes Jahr, bei einer Preisverleihung für das Lebenswerk von Rahe, hatte der Veranstalter, die Verleihung unüblicherweise an den Anfang der Veranstaltung gelegt. Da konnte der Eindruck entstehen: Sicher ist sicher, wer weiß ob er es noch bis zum Ende schafft.

Keine Sorge, der zu Ehrende ist topfit.

Ich wage sogar eine Voraussage, bei Triple A wird es nicht bleiben, da kommt demnächst bestimmt noch ein viertes A hinzu.

Herzlichen Glückwunsch, Herr Rahe, zur Verleihung des

VDRJ Columbus Ehrenpreises 2016.