VDRJ Columbus Ehrenpreis 2010: Prof. Dr. Karl Ganser

Karl Ganser Columbus Ehrenpreis 2010

Die Menschen im Ruhrgebiet brauchten Optimismus und Mut in einer Umbruchphase, in der Strukturwandel vor allem als Bedrohung und Verlust und kaum als Chance und Gewinn verstanden wurde. Kurz: Der Strukturwandel brauchte so etwas wie ein menschliches Antlitz. Und das Ruhrgebiet brauchte einen Mutmacher und einen echten Adrenalinschub. Beides bekam es mit Karl Ganser.“

Treffender, als es der damalige NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück 2003 in seiner Laudatio auf Karl Ganser anlässlich der Verleihung des Staatspreises NRW gesagt hat, ist es kaum ausdrücken. Karl Ganser ist ein Reformator der Raumplanung, ein Umstürzler, ein Neu- und Vordenker des Städtebaus. „Wenn Fachkollegen aus dem Bereich der Planung mit Stolz auf die eigene beharrliche Lehrtätigkeit, auf eine intelligente Hypothese, auf die Ersterkenntnis ‚moderner’, zeitgemäßer, zukunftsfähiger Planungsziele zurückblicken, so steht Gansers Name für die Umkrempelung einer ganzen Region“, anerkannte die WELT anlässlich Gansers 70. Geburtstag 16. September 2007.

Vater des Ruhrgebietes

Der „Vater des Ruhrgebietes“, wie Ganser anerkennend genannt wird, wurde einem breiten Publikum nämlich vor allem als Geschäftsführer der IBA Emscher Park bekannt, die zwischen 1989 und 1999 in gut 120 Projekten wichtige Impulse für die Zukunft des Ruhrgebietes gegeben hat. Die Spuren dieser Internationalen Bauausstellung sind noch heute sichtbar. die bedeutenden industriekulturellen und landschaftlichen Infrastrukturprojekte stellen bedeutende Orte der Naherholung und der Kultur dar. Darüber hinaus wäre die erfolgreiche Bewerbung des Ruhrgebiets zur RUHR.2010 – Kulturhauptstadt Europas ohne die gemachte gemeinsame Erfahrung und insbesondere ohne die entstandenen Orte der Industriekultur kaum denkbar gewesen. Auch das also ein großes Verdienst Karl Gansers.

Streitbar im Dienst der Sache

Der durchaus auch streitbar im Dienste der Sache auftretende, 1937 in Mindelheim geborene Geograph und Stadtplaner erwarb sich im Stadtentwicklungsrat München rasch den Ruf eines unkonventionellen Planers, der auch mit Bürgerinitiativen sprach und die festgefahrenen Strukturen der Verwaltung als „Pragmatiker der kleinen Schritte“ aufzulösen versucht. Seine ureigene Meinung lässt sich der seit 1999 im Ruhestand lebende und weiterhin als Publizist und Gutachter tätige Ganser bis heute nicht verbieten. So hat er den ihm 2001 vom Deutschen Kulturrat verliehenen Kulturgroschen aus Protest gegen die Zerstörung des Industriedenkmal Vockerode nicht angenommen. Als Gründungskurator der IBA Fürst-Pückler-Land, deren Schwerpunkt in der Entwicklung einer Braunkohlebergbau-Folgelandschaft liegt, machte Ganser erneut von sich reden – ebenso, wie im Rahmen seiner Vermittlungstätigkeit bei Streitigkeiten der seit 2007 im Bau befindlichen Dresdner Waldschlösschen-Brücke.

Professor Dr. Karl Ganser hat auf Grund seines Engagements bei der Schaffung neuer Kulturlandschaften im Jahr 2010 den Columbus Ehrenpreis der Vereinigung Deutscher Reisejournalisten als „Impulsgeber für Kulturhauptstadt 2010-Ruhr“ verliehen bekommen.

 

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