VDRJ Columbus Ehrenpreis 2008: Peter-Mario Kubsch

VDRJ Columbus Ehrenpreis 2008 Peter-Mario Kubsch

Wer könnte wohl mehr über Peter Mario Kubsch sagen, als Peter Mario Kubsch selbst. Mit der Gabe ausgestattet, über sich selbst Schmunzeln zu können, hat er 2008 zur Verleihung des Columbus-Ehrenpreises, eine launige Dankesrede gehalten, die wir hier gerne für die Nachwelt konservieren und veröffentlichen möchten.

„Lieber Herr Drensek, lieber Herr Dr. Rübesamen, liebe Mitglieder der VDRJ, sehr geehrte Damen und Herren,

herzlichen Dank für die lobenden Worte und die wohlwollende Darstellung der Studiosus Foundation durch Dr. Rübesamen. Womit habe ich das verdient? Genau das hatte ich mich bereits Anfang Oktober letzten Jahres gefragt, als mich Herr Drensek anrief und fragte, ob ich den VDRJ-Preis annehmen würde. Ich glaube, ich habe damals als erstes nachgehakt, wofür ich den Preis denn bekäme. Als ich dann hörte, dass es wegen der Arbeit des Studiosus Foundation e.V. wäre, war mir das schon einleuchtender; und gleichzeitig war mir bewusst, dass ich Gott sei dank nur das Aushängeschild bin für die Arbeit von vielen Akteuren: Reiseleitern, Reiseplanern, also allen Studiosi und – last, but not least – meiner eigenen Frau, die von Anfang an die Geschäfte des Vereins führt.

Ich möchte mich im Namen aller und aus vollem Herzen für das starke Vertrauen bedanken, das die VDRJ durch diese Verleihung in mich als den Gründer der Foundation gesetzt hat und – dessen bin ich mir bei VDRJ-Verleihungen gewiss – auch weiterhin setzen will. Ich kann Sie beruhigen: Vertrauen Sie mir weiterhin. Denn wenn ich die Symbolik dieses Preises richtig interpretiere – „zwischen den Zeilen zu lesen“ soll ja eine Stärke von uns Bauchtouristikern sein –  so handelt es sich ja nicht nur um eine schwerwiegende Auszeichnung, eine vollbronzene Ehrung für Erreichtes, für unser zurückliegendes Engagement, sondern vor allem um eine Aufforderung.

Die Aufforderung, den hier und heute belobigten – und somit auch von Ihnen als richtig empfundenen – Weg weiterzugehen. Ich glaube, die VDRJ dahingehend doch gut genug zu kennen, dass ich weiß, sie macht nichts völlig zweckfrei! Oder wie sonst sollte man das Symbol des VDRJ-Preises, das Rad, interpretieren? Sinn eines Rades ist es ja, sich zu drehen, etwas weiterzutragen, Dinge zu befördern (in beiden Bedeutungen des Wortes), dem Menschen zu helfen, Schwergut leichter zu transportieren.

Ich darf Ihnen versichern: Dieser „Wink mit dem Holzrad“ ist angekommen.

Viele von Ihnen kennen mich seit Jahren, und vor allem die Branche kennt mich nur zu gut als jemanden, der gerne geradlinig seiner Philosophie folgt, der etwas als richtig Erkanntes konsequent weiter vertritt – und das auch tut, obwohl er weiß, dass diese Konsequenz nicht immer branchen-konform ist und nicht bei jedem gleich gut ankommt.

Aber auf branchenbezogene Empfindlichkeiten darf man keine Rücksicht nehmen, wenn man seine Rücksichtnahme auf das große Ganze gerichtet wissen will. Und das haben im Laufe der Jahrzehnte immer mehr Menschen und Unternehmen getan. Auch im Tourismus. Hier im nicht immer „reibungslosen“ Miteinander von profitorientierter Branche und menschenorientierter Tourismuskritik. Was aber wieder einmal mehr beweist, wie konstruktiv Kritik sein kann. Wo stünden wir heute, wenn es damals nicht nervende Mahner für den sanften Tourismus gegeben hätte, der sich dann in der Diskussion der siebziger und achtziger Jahre sehr schnell zum zukunftsfähigen, nachhaltigen Tourismus entwickelt hat? Wo stünden wir heute, wenn das Reisen immer noch als Einbahnstraße betrachtet würde im Sinne von „Was kostet die Welt?“ Da hat sich in den vergangenen Jahrzehnten viel bewegt. Und sei es eventuell nur, weil der Druck immer größer wurde, den gebetsmühlenartig vorgetragenen Risiken des Tourismus aus der Branche heraus endlich auch die großen Chancen entgegenzuhalten. Und derer gibt es viele. Ich möchte hier stellvertretend für alle, die ebenso denken und immer schon so handeln, einen Satz aus der Rede des Vorjahres-Preisträgers Reinhold Messner zitieren, der von friedensstiftendem Tourismus und vom Reisen als Menschenrecht sprach: „Ich bin der Meinung, dass wir sehr wohl das Recht haben, als nomadisierende moderne Menschen hinauszugehen zu den anderen.“ Allerdings kanalisierte er das Hinausgehen zu den Anderen auf das Sammeln von Erfahrungen mit dem Fremden, auf das Erlebnis fremder Kultur, auf das Mitfühlen-Lernen und Das-hinter-die-Berge-Schauen.

Wir bei Studiosus – und natürlich nicht nur wir! – sehen das genauso: „Wir wollen“ – so steht es in unserem von allen MitarbeiterInnen akzeptierten Unternehmensleitbild – „als unabhängiges Wirtschaftsunternehmen zum Kennen- und Verstehenlernen anderer Länder, Menschen und Kulturen beitragen. Wir sehen unsere Aufgabe darin, im Sinne einer echten Völkerverständigung Brücken zu schlagen über innere und äußere Grenzen hinweg.“ … „Mit unseren Reisen wollen wir Vorbehalte, Vorurteile und Ablehnung gegenüber allem Fremden abbauen, das Miteinander der Menschen fördern und damit als Botschafter von Toleranz und Offenheit einen Beitrag zum Abbau von Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung auch im eigenen Land leisten.“

So steht es aber nicht nur auf dem Papier. Unserer aller Arbeit im Hause Studiosus ist gemein, dass wir Dinge gerne in die Tat umsetzen, dass wir sie leben. So auch das Leitbild.

Allerdings bedarf das lebendige Umsetzen in die Praxis einer finanziellen Basis. Lange vor der fashionablen Formulierung der corporate social responsibility haben wir – ebenfalls in unser Leitbild – folgenden Satz aufgenommen: „Der gestiegenen gesellschaftlichen Verantwortung, die wir als Wirtschaftsunternehmen tragen, wollen wir auf allen unseren Tätigkeitsfeldern gerecht werden. Insbesondere liegt in unserer Verantwortung als Reiseveranstalter, unseren Kunden das Kennen- und Verstehenlernen fremder Länder und Kulturen in einer – aus sozial verantwortlicher und ökologischer Sicht – zukunftsfähigen, d.h. nachhaltigen Form zu ermöglichen. Dies wollen wir unter Berücksichtigung der Interessen und im Dialog mit der gastgebenden Bevölkerung verwirklichen.“

Genug der Zitate. Jetzt wäre eine gute Gelegenheit, Ihnen ein womöglich überraschendes Beispiel dafür zu liefern, was in meinen Augen der wirklich entscheidende Vorteil eines mittelständischen Familienbetriebs ist. Normalerweise wird ja immer nur betont, dass man „als Kleiner“ schneller reagieren könne als die großen Veranstalter. In meinen Augen ist es bei einem Familienunternehmen vor allem leichter, unternehmerische Neigung mit unternehmerischer Verantwortung zu paaren. Da kann sich also eine Herzensangelegenheit schnell auch zu einer Firmenangelegenheit auswachsen.

Als Vater von drei Kindern wurde mir stets vor Augen geführt, wie wichtig es ist, die Schönheiten unserer Erde, ihre Vielfalt an Völkern und Kulturen zu erhalten, damit auch die Generationen nach uns sie erleben, genießen und respektieren können. Als Unternehmer habe ich glücklicherweise die Chance, genau das zur Philosophie hinter unseren Reisen zu machen – wobei ich sehr dankbar bin, dass alle MitarbeiterInnen mich nach allen Kräften dabei unterstützen.

Denn Sie selbst und meine MitarbeiterInnen wissen längst, dass nachhaltiges Engagement schon lange aus der Ecke der  bloßen Imagepflege herausgekommen und inzwischen zu einem Signal für die Bereitschaft geworden ist, dass ein Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen will.

Studiosus hat sich schon unter meinem Vater auf das Feld des sozialverträglichen Tourismus begeben, z.B. dadurch, dass es bereits 1971 erste Schulungen der Reiseleiter zum Fotografieren von Menschen in fremden Kulturen gab. Nachdem ich das Unternehmen 1992 übernahm, setzte ich alles daran, die soziale Verträglichkeit zur sozialen Verantwortung auszuweiten, also nicht mehr nur Rücksicht auf die fremden Menschen und Kulturen zu nehmen, sondern sie in den touristischen Kreislauf zu integrieren. Und wie kann man das besser als gemeinschaftlich mit Gleichgesinnten, engagierten Persönlichkeiten, NGO’s und auch Hilfeorganisationen. Mit ihnen zusammen stellten wir die ersten Förderprojekte auf die Beine. Bei ihnen handelte es sich um Schulprojekte, in Tansania, in den palästinensischen Gebieten, in Nordthailand, aber auch um Umweltprojekte wie Baumpflanzaktionen in Israel, wie sie aus Anlass unseres 40. Geburtstags 1994 stattfanden.

Nun können Sie natürlich fragen: „Naja, was haben Schulen mit Tourismus zu tun?“ Auf den ersten Blick anscheinend nichts. Aber was glauben Sie, wie gerne unsere Gäste willkommen geheißen werden, wenn sie solche Schulen besuchen! Denn ziemlich schnell haben sich unsere Förderprojekte in ihren Gemeinden zu beliebten Begegnungszentren entwickelt. Und dort profitieren nun unsere Kunden von den Gesprächen mit den Gastgebern und diese wiederum lernen, sich mit Menschen aus Deutschland auszutauschen. Eine typische win-win-Situation: Tourismus als Möglichkeit der Begegnung mit dem Fremden, mit verschiedenen Denk- und Lebensweisen, durch die Wissen erweitert und Vorurteile überprüft werden können. Eine Bildungsreise. Die typische moderne Studienreise eben.

Nachdem wir mehr als zehn Jahre lang die unterschiedlichsten Förderprojekte unterstützt hatten, wobei wir auch von Seiten unserer Kunden viel Mithilfe erlebten (und auch nach der Möglichkeit von Spendenbescheinigungen gefragt wurden), gab uns die Seebeben-Katastrophe zu Weihnachten 2004 den entscheidenden Anstoß, einen gemeinnützigen Verein zu gründen – nämlich die Studiosus Foundation.

In anderen Geschäftsfeldern wie bei Banken oder Versicherungen – alles Dienstleistungsunternehmen wie wir – ist corporate social responsibility schon längst Allgemeingut. Diese haben bereits erkannt, dass soziale und kulturelle Kompetenz als auch interkulturelle Kommunikation (und wo wäre die eigentlich dringlicher als im – das Wort in seiner ursprünglichen Bedeutung sagt es schon aus – Fremdenverkehr) sowie soziale Verantwortung den qualitativen Ansatz eines Unternehmens erweitern.

Man sagt ja, dass die meisten Entwicklungen in den USA irgendwann auch bei uns ankommen. Hoffen wir’s. Denn dort gehört es zur Firmenkultur, nicht nur Arbeitgeber, Dienstleister und Steuerzahler zu sein, sondern im Rahmen der corporate citizenship auch als ein citizen, ein braver Bürger seines Gemeinwesens, gefordert zu werden. Vom Stifter zum Strategen des Gemeinwohls ist es in den USA inzwischen nur ein kurzer Schritt. Hoffen wir, dass er auch in Deutschland bald vermehrt gegangen wird. Für die Tourismusindustrie habe ich gerne diesen Schritt gewagt, durchaus ins Ungewisse, aber ganz nach dem Motto: „Wer sagt, das geht nicht, möge den nicht stören, der es schon macht.“

In diesem Sinne ein herzliches Dankeschön für die Aufforderung, nachhaltig weiterzuarbeiten. Und die ging – wie schon erwähnt – hoffentlich nicht nur an mich.

Im März 2008 hat die Vereinigung Deutscher Reisejournalisten Peter Mario Kubsch den Columbus-Ehrenpreis für dessen besondere Verdienste um den Tourismus verliehen.

 

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