Laudatio von Dr. Peter Zimmer: „Weltenbummler für die gute Sache“

GRÜNE GEDANKEN
OHNE GREEN-WASHING

 

Dr. Peter Zimmer

Verbrüdert, wenn man so will, sind Professor Zeiss und ich im Geiste, da wir beide der Auffassung sind, dass der Tourismus eine, wenn nicht DIE, nachhaltige Leitökonomie des 21. Jahrtausends ist, dass heute Unternehmen, Volumenveranstalter wie kleine Spezialisten, selbstverständlich ihren Beitrag zur Nachhaltigkeit leisten müssen und auch können.

Wir haben ähnliche Vorbilder und Auffassungen. Nachhaltigkeit versteht Professor Zeiss in den drei Dimensionen sozialer Verantwortung, ökologischer Verträglichkeit und wirtschaftlicher Rentabilität. Wichtig sind uns Theorie UND Praxis, wir wollen etwas bewegen, umsetzen.
Er hat genau wie ich einen Röntgenblick dafür, was etwa im Hotel für Leuchtmittel verwendet werden, wo Energie verschwendet wird, ob Transfer-Busse unnötig den Motor laufen lassen, Speisekarten regionale Produkte auflisten, Prospekte auf umweltfreundlichen Papier gedruckt wurden, etc.. Das kann, nebenbei bemerkt, den Lebenspartnerinnen und Freunden gelegentlich schon mal ganz gehörig auf den Senkel gehen. Entspannte Urlaubsaufenthalte sehen für sie anders aus!

Endliche Ressourcen

Wir beide wissen: Unsere Zivilisation nutzt endliche Ressourcen in einem geschlossenen Ökosystem so, als seien sie unendlich vorhanden. Statistisch gesehen stößt jeder Deutsche elf Tonnen Kohlendioxid pro Jahr aus. 2,5 Tonnen würde die Natur auf Dauer vertragen. Gemeinsam mit Harald Zeiss sehe ich die Veränderungsmöglichkeiten so, wie Ernst Ulrich von Weizsäcker, ehemaliger Präsident des Wuppertaler Instituts für Klima, Energie und Umwelt sie in seinem Buch „Faktor Fünf – die Formel für nachhaltiges Wachstum“ beschreibt: Umweltbelastungen lassen sich um den Faktor fünf reduzieren. In allen Lebensbereichen kann es gelingen, den Energieverbrauch um 80 Prozent zu reduzieren, ohne dass dies eine Minderung der Lebensqualität nach sich zieht. Große Hoffnungen an die Politik spielen in diesem Buch übrigens keine nennenswerte Rolle. Verschiedene gescheiterte Klimagipfel haben gezeigt, dass die Initiative von Verbrauchern und Unternehmer ausgehen muss. Und in den Unternehmen müssen aber auch „Wissende“ wir Harald Zeiss tätig sein, sonst geht nix voran.

Ernst Ulrich von Weizäcker weist aber auch eindringlich darauf hin, dass Effizienzsteigerungen allein nicht ausreichen: „Doch die Erfahrung der Vergangenheit lehrt uns, dass solche Effizienzgewinne in der Regel zu nichts anderem führen als zu verstärktem Wachstum, nicht zuletzt beim Energieverbrauch.“

In der Fachsprache heißt dieses Problem Boomerang-Effekt oder Rebound-Dilemma. Denn die Effizienzgewinne erlauben es, immer mehr Menschen einen bestimmten Wohlstand oder Freiraum zu gewähren. „Und die Geschichte lehrt, dass so gut wie jede solche Erlaubnis genutzt wird.“ lautet sein Fazit. Das Phänomen kennen wir: Die Lufthansa etwa kann sich noch so anstrengen mit neuen Fluggeräten, verbrauchsreduzierten Flügen, umweltverträglichen Anstrichen ihrer Maschinen, recyclefähigem Geschirr etc: wenn jedes Jahr der Anteil der Flüge um 5% steigt, wird es trotz aller Bemühungen nicht besser mit den CO2-Belastungen.

Moderner Ablasshandel

Und wenn die Dame des Hauses viermal jährlich kurz mal zum shoppen nach New York fliegt, ihre Flüge aber kompensiert, ist das nicht nur in den Augen vieler Kritiker lediglich moderner Ablasshandel.

Professor Zeiss kennt das Alles und wird dadurch auch nicht so schnell arbeitslos. Green washing wie die Werbungen für das „3-Liter-Schiff“ oder der „4-Liter-Flug“ ist ihm zu billig.

Dieser Preis, meine sehr verehrten Damen und Herren, ist ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk, denn der liebe Harald wurde am 19. Januar 1972 in Simmern/Hunsrück geboren. Welterfahrene Reisejournalistinnen und -journalisten werden sich jetzt natürlich sofort fragen: Simmern? Also aufgemerkt: In der rheinlandpfälzischen Verbandsgemeinde und demenzfreundlichen Kommune (kein Witz, O-Ton website Simmern.de) fand vor vier Jahren die Welt-Premierenfeier des vierten Teils der Heimat-Saga von Regisseur Edgar Reitz statt: Untertitel „Chronik einer Sehnsucht“. Gerade gestern sehr schön von Freddy Langer im FAZ-Reiseteil beschrieben, wirklich lesenswert.

Und Harald Zeiss hätte wahrlich ein schlimmes Schicksal erleiden können, wie wir es alle aus den Hunsrücker Schabbach-Erfahrungen kennen. Er aber machte erst einmal das französische Abitur und ging nach einer anschließenden Banklehre für ein Praktikum nach Frankreich.

Was ist ihm dadurch alles erspart blieb! Ist doch das Image der Banker heute wirklich im Keller. Unerträglich und unmoralisch! Derartige Vorwürfe müssen sich die Banker anhören – und das nicht nur von Anhängern der Occupy-Bewegung, sondern auch von gestandenen Managern. Noch vor 20 Jahren waren Banker angesehene Leute – heute fallen gegenüber dieser Berufsgruppe alle Hemmungen. Und das ist deren eigene Schuld: Selten hat sich ein Wirtschaftszweig so blind und borniert gezeigt. Da lob ich mir doch unsere Tourismusbranche!

Diesen möglichen grausamen Schicksalen ist Harald Zeiss aber genussmäßig entgangen, in dem er zunächst ein Jahr lang ausführlich Nord-, Süd- und Mittelamerika bereiste.

Chapeau, alles richtig gemacht: Raus aus der Enge des Hunsrück, kein böser Banker geworden, hinein in die weite Welt!

Professor Zeiss sagt über sich selbst, dass er zum einen ein Weltenbummler ist. Ein Mensch, der am liebsten in ferne Länder zu spannenden Kulturen reist, um interessante Menschen kennen zu lernen. Zum anderen, dass er ein Experte für den Umgang mit knappen Ressourcen ist, die man lieber für künftige Generationen aufheben sollte à la Faktor 5. Und er schafft diesen Spagat: Gerne, viel und weit reisen und sich gleichzeitig für einen nachhaltigen Tourismus zu engagieren. Wir Nachhaltigkeits-Experten sind ja immer im Dienste des Herrn oder wenigstens der guten Sache wegen unterwegs, wie praktisch! Das ermöglicht uns, wie auch Ihnen, liebe VDRJ‘ler, Reisen mit gutem Gewissen, oder?!

Seine universitäre Laufbahn begann er 1995 an der Friedrich-Alexander-Universität in Nürnberg, die er 2001 mit einem Abschluss als Diplom-Kaufmann verließ. Am „Institut d’ Etudes Politiques“ in Straßburg erwarb er ein Doppeldiplom in Internationalem Recht sowie Politikwissenschaften.

Straßburg, immerhin Sitz zahlreicher europäischer Einrichtungen, wie Europarat, Europaparlament, Europäischem Gerichtshof für Menschenrechte, etc. versteht sich nicht nur als Hauptstadt des Elsass, sondern von ganz Europa. Von dort aus ging es für den frisch Diplomierten aber zunächst erst einmal erneut über den großen Teich.

In den USA legte Harald Zeiss einen „Master of Business Administration“ im Bereich „Internationales Marketing und Branding“ ab. Wieder zurück in Rheinland-Pfalz, promovierte er 2005 an der Wissenschaftlichen Hochschule für Unternehmensführung, kurz WHU – Otto Beisheim School of Management, wo er seit 2002 als Assistent des Rektors tätig war. Eine gute Adresse, zählt die WHU mit ihren Standorten in Düsseldorf und Vallendar laut Handelsblatt-Ranking doch aktuell zu den Top 10 der deutschen Business Schools.

Nach seinem Einstieg bei der TUI Deutschland GmbH in Hannover im November 2005 arbeitete er zunächst als Referent in der Abteilung Quellmarktstrategie, bevor er im Juli 2006 die Leitung des Kundenservice übernahm. Von Mai bis Oktober 2008 verantwortete er im Bereich “Einkauf Westliches Mittelmeer” die Produktplanung und den Einkauf der Kanarischen Inseln als Area Manager. Später übernahm er die Leitung der Hotelmarke Sensimar und der Produktentwicklung.

Von März 2009 bis Dezember 2010 leitete Harald Zeiss das Qualitäts- und Umweltmanagement der TUI Deutschland. Und damit hatte er wohl seine wahre Berufung gefunden.

Inatour

Zum 1. Januar 2011 übernahm er die Professur für Tourismusmanagement/BWL an der Hochschule Harz in Wernigerode mit den Forschungsschwerpunkten Nachhaltigkeit und Internationaler Tourismus. Gleichzeitig ist er Leiter des Nachhaltigkeitsmanagements der TUI Deutschland.

Im Oktober des gleichen Jahres gründete Prof. Zeiss das An-Institut für nachhaltigen Tourismus, Inatour. Ein An-Institut ist übrigens eine organisatorisch sowie rechtlich eigenständige Forschungseinrichtung, die einer deutschen Hochschule angegliedert ist. Prof. Zeiss ist alleiniger Gesellschafter und Geschäftsführer und beschäftigt vier Mitarbeiter. Das unabhängige Institut mit Sitz in Hannover berät Unternehmen und Organisationen zu Themen des nachhaltigen Tourismus und ist damit eigentlich ein Mitbewerber meiner eigenen Firma… Sei es drum, Konkurrenz belebt schließlich das Geschäft und Aufgaben in diesem Bereich gibt es genug.

„Hält sich der Branchenriese TUI so einen renommierten Fachmann nun als Feigenblatt oder kann der Nachhaltigkeitsbeauftragte wirklich was bewegen?“ wird er oft gefragt.

Ich kenne dies Art Fragen sehr gut, da ich auch mal das personifizierte grüne Gewissen und Aushängeschild einer ganz großen Organisation war, nämlich des ADAC, und das in einer Zeit, wo dieser noch mit den Slogans „ Freie Fahrt für freie Bürger“ und „Mein Auto fährt auch ohne Wald!“ assoziiert wurde. (Dass die gelben Bengel heute natürlich noch ganz andere Probleme haben, möchte ich hier jetzt nicht weiter vertiefen…).

„Ja, ich kann tatsächlich was bewegen“, antwortet Professor Zeiss  zu Recht auf diese Frage und verweist auf zahlreiche Initiativen und Projekte im Hause TUI. Etwa auf die CO2-Kompensation, die bereits bei TUI Cars im Preis inkludiert ist. Oden im Hotelbereich: Einmal im Jahr werden besonders umweltfreundliche Hotels mit dem begehrten TUI Umwelt Champion ausgezeichnet. Zusätzlich wird das Gütesiegel EcoResort an TUI-eigene Hotels vergeben. Es erfordert weitere Kriterien im Bereich der nachhaltigen Entwicklung. Diese Hotels und Resorts müssen ihr Engagement und ihre Umweltprojekte zudem bei Audits durch unabhängige Gutachter beweisen.

2014 haben beachtenswerte 1 Millionen TUI-Gäste in Umwelt Champion-Betrieben ihre schönste Zeit des Jahres verbracht.

Der grüne Professor nutzt natürlich auch alle modernen Medien. Als regelmäßiger Blogger erläutert er den ultimativen Umgang mit Hotel-Handtüchern ebenso wie den Aufbau des TUI Waldes auf Mallorca, Er macht sich Gedanken darüber, ob umweltfreundliche Flüge heute überhaupt schon möglich sind und teilt diese den Followern mit.

Es lassen sich auch knallharte, wegweisende Zitate finden, wie im Hamburger Abendblatt vergangenen November: „Heute sind die Elefanten die neuen Delfine“ (Harald Zeiss, Hamburger Abendblatt, 28.11.2014)

An der Schnittstelle zwischen Universität und Wirtschaft  ist Prof. Zeiss sehr gut aufgehoben. Der Nachwuchs profitiert UND die Unternehmen. Er kann wichtige Themen untersuchen und versuchen, diese Forschungsergebnisse gleich im Unternehmen um zu setzten. Seine Schwerpunkte liegen im Umwelt- und Nachhaltigkeitsmanagement, klassischen Tourismusmanagement, der Strategieberatung
und dem Cross Cultural Management.

Prof.  Zeiss engagiert sich aber auch ehrenamtlich, z.B.

–       als stellvertretender Vorsitzender im Nachhaltigkeitsausschuss des DRV, in dem er übrigens auch die Leitung der AG “Menschenrechte im Tourismus“ inne hat,
–       im Fachausschuss Nachhaltiger Tourismus des DTV,
–       als Vorsitzender des Umweltbeirats des Tourismusverbandes Sachsen-Anhalt (LTV),
–       in der Jury des TODO Preises des Studienkreises für Tourismus und Entwicklung
–       und in der Deutschen Gesellschaft für Tourismusforschung (DGT).

Mit seiner Fachkompetenz hat er auch die im Verhältnis zu Europas, wenn nicht der Welt, größten Reiseveranstalter, winzigen NGO überzeugt. Sie schätzen seine Expertise, seine offene, ehrliche Art und sein Engagement. Vertreterinnen der verschieden Bereiche haben mir dies  bestätigt.  Sie schätzen Professor Zeiss, er wird anerkannt, weil kompetent und glaubwürdig ist.

Ich bin mit seinem legendären Vorgänger Dr. Wolf-Michael Iwand (der Mann, „der sich bei der TUI (noch) um jeden Dreck kümmerte“, wie es in einer damaligen Anzeige hieß, der dem Vorstand direkt berichtete und der ein Jahr vor mir den Columbus-Ehrenpreisträger erhalten hat) sehr vertraut gewesen und habe ihn zusammen mit meinen Kollegen anfangs gecoacht. Als Autodidakt im Tourismus und dem, wie es damals noch hieß, „Sanften Tourismus“ hatte er sich jedoch schnell eingearbeitet und z.B. das TUI-Umweltforum mit teilweise hitzigen Diskussionen organisiert, jedes Jahr eine der am meisten besuchten ITB-Fachveranstaltungen. Ich habe hautnah in den letzten 25 Jahren mit verfolgen können, wie sich die TUI des Themas sukzessive ernsthaft annahm.

Manchmal war die Außenwirkung einfacher zu erzielen, als Veränderungen im Inneren des Konzerns. Etwa wenn es darum ging in Mallorca wilde Mülldeponien abzuschaffen oder mit dem tunesischen Tourismusministerium als Vertreter der deutschen Tourismusindustrie und wichtigem Devisenbringer über die Anschaffung von Kläranlagen zu diskutieren. Mittlerweile ist der Nachhaltigkeitsaspekt im Unternehmen aber fest verankert. Corporate Social Responsibility

Lieber Harald, da hast Du es heute, auf der einen Seite viel einfacher als Michael Iwand. Fachgemäß ausgebildet mit passende Hochschulabschlüssen und praktischen Erfahrungen in touristischen Unternehmen bist Du bestens vorbereitet.  Außerdem ist das Thema Nachhaltigkeit in der Mitte der Gesellschaft angekommen, green meetings und events gehören mittlerweile zum Standard. Gleichzeitig hast Du es aber auch schwerer, da die offensichtlichen Dreckschleudern und Umweltsünden-Mahnmale bereits beseitigt sind und filigraner gearbeitet werden muss.

Willkommen also in der Columbus-Ehrenpreisträger-Familie, in der neben den eingangs genannten direkt thematisch noch die verschiedenen Vertreter des Studienkreises für Tourismus wie Armin Vielhaber, Familie Hahn, Brigitte Gayler oder Mario Kubsch von Studiosus-Reisen sowie Hans Glauber von den Toblacher Gesprächen passen.

Lieber Harald, damit stehst Du in der guten Tradition auch von Professor Jost Krippendorf, 1977 als zweiter überhaupt mit dem Columbus-Ehrenpreis ausgezeichnet, meinem langjährigen Freund und Vorbild. Jost war Wegbereiter für eine ganze Generation kritisch denkender Touristiker. Autor von Klassikern wie  „Der Ferienmensch“, „Die Landschaftsfresser“ und Gründer des Forschungszentrums für Freizeit und Tourismus, kurz FIF, in Bern (das leider mittlerweile nach der Emeritierung von Professor Hansruedi Müller seine einst herausragende Rolle verloren hat).

Meine sehr verehrten Damen und Herren, beim Columbus-Ehrenpreis handelt es sich um eine Nachbildung des vermutlich ältesten Wagenrads der Geschichte.

Die verkleinerte und stilisierte Nachbildung in Bronze wurde vom Frankfurter Bildhauer Willi Schmidt geschaffen. Sie soll auf die revolutionäre Erfindung der Menschheit verweisen: das Rad als Symbol für Reisen und Verkehr.

Auf das für dich die Räder, an denen Du erfolgreich drehst, auch in Zukunft nicht stillstehen!

Dr. Peter Zimmer

Gründer der FUTOUR Umwelt-, Tourismus- und Regionalberatung, Vorsitzender im Zertifizierungsbeirat von TourCert und Auditor für das internationale Nachhaltigkeitszeichen Green Globe. (Mit 26jähriger Zugehörigkeit der Dienstälteste im DRV Nachhaltigkeitsausschuss, vormals Umweltausschuss noch unter Beate Serrano, übrigens Columbus-Ehrenpreisträgerin von 1991)