VDRJ Columbus Ehrenpreis 2014: Reiner Meutsch

Reiner Meutsch

 „Ja, was ist er denn nun, dieser Reiner Meutsch? Ein Abenteurer? Ein wohlhabender Mäzen, der sein Geld um die Welt trägt, um es dort zu verstreuen? Oder eine Art reisender Erziehungsminister, der Beglückendes für die jungen Leute im Gepäck hat – statt des Koffers, ein Füllhorn mit sich tragend?“ Die Fragen, die sich Reinhard Schlieker zu Beginn seines im Juli 2014 in der Rhein Main Presse veröffentlichten Portraits über Reiner Meutsch gestellt hat, lenken einen in die richtige Richtung, um dem Unternehmer aus dem Westerwald näher zu kommen. Wir schließen uns Schlieker an und stellen fest: Der VDRJ-Columbus-Ehrenpreisträger 2014 hat Charisma. Man sagt, er schließe auf fast wundersame Weise Freundschaften und sauge Neues auf, ohne es anderen auszusaugen!

Das Reisen, das Erleben und das Lernen sind seine großen Lieben.  Damit hat Reinhard Schlieker auch schon das Dreieck umrissen, in dem Reiner Meutsch lebt, wirkt und arbeitet.  Wir veröffentlichen im Folgenden Auszüge aus Schliekers Portrait, das den Ausnahmemenschen Meutsch nicht treffender beschreiben könnte. Im Mittelpunkt: Seine Stiftung „Fly & Help“, die Kindern zu einem Recht verhilft, das in der weiten Welt nicht immer viel wert ist: Das Lernen, die Schulausbildung. Meutsch gründet, baut und betreut Schulen. Feste Häuser, in denen Schulklassen und ihre Lehrer Raum haben, an einer sichereren Zukunft zu arbeiten, als es sie in Ruanda, Indien und südamerikanischen Ländern gibt.

Die Stiftung gibt zu 100 Prozent ihre Spenden weiter. Alle anderen Kosten trägt Reiner Meutsch privat. Keine Chancen zu bekommen empfindet Meutsch als ultimativen Missstand.

Und so klären sich auch die einleitenden Fragen ein wenig: Als Reiner Meutsch in seiner kleinen Piper Cheyenne um die Welt flog, gerade erst zum Piloten ausgebildet, da war er der Abenteurer. Er hatte sich von einem Überlebenstrainer beibringen lassen, wie man Würmer verspeist und sich auch sonst über Wasser hält – wäre doch mehr als ärgerlich, eine Notlandung irgendwo am Amazonas zu überleben, dann aber im Waldboden nicht das zu finden, was einen ernährt. Da kommt das Zweite, das Unternehmertum. Sich nicht unterkriegen lassen – und klug wirtschaften. Meinetwegen auch im Dschungel, so sieht es Meutsch. Und das Dritte? Das ist schon Überzeugung, ein wenig auch Export von Ideen. Dass der Welt geholfen ist, wenn die künftige Generation eine Chance hat zu lernen, zu leben, sich durch eigene Anstrengung zu ernähren.

Was übrigens auch zu Meutschs Prinzipien gehört, wenn es um die eigenen Kinder geht: Chancen muss jeder bekommen. Mit dieser Starthilfe etwas zu erreichen, das muss dann aus eigener Kraft folgen. Dieses Prinzip lässt den ohnehin Ruhelosen erst recht nicht ruhen, denn es gilt auch umgekehrt. Keine Chancen zu bekommen, das empfindet Reiner Meutsch als Zumutung, als ultimativen Missstand. Und so gründet seine Stiftung dort Schulen, wo es bisher nur Armut und Entbehrungen gibt.

Es ist ein Sommerabend in Wiesbaden im Jahr 2014, als Reiner Meutsch im Presseclub Wiesbaden seine jüngste Reise beschreibt: Aus den altehrwürdigen Räumen der Wiesbadener Villa Clementine in eine staubige Landschaft zu reisen, wenn auch nur im Geiste, fiele sicher manchem schwer – wäre da nicht die Gabe des Gründers und Netzwerkers, seine Zuhörer gefangen zu nehmen. Ruanda war es diesmal, das arme, aber auch aufstrebende Land im Herzen Afrikas – fernab von funktionierender Infrastruktur, aber gefördert unter anderem auch als Partnerland von Rheinland-Pfalz: „Das geht so weit, dass man dort fragt, wo genau in Rheinland-Pfalz denn Deutschland liegt“, lacht Meutsch.

Die Hilfe des Koordinationsbüros in Kigali jedenfalls macht es möglich, dass seine Stiftung dort bereits viele Schulen errichtet hat. Für die Lehrer sorgt der Staat. Befestigte Straßen hingegen, Wasser und Strom, sind weit und breit nicht zu haben. Wer lernt und begreift, kann das eines Tages organisieren: Wasser und Strom, gebaut auf Wissen. Die Kinder gehen teils bis zu zehn Kilometer zur Schule und sie strahlen, als sie über die unbefestigte Buckelpiste schließlich den Hügel erreichen, auf dem die jüngste Schule der Stiftung „Fly & Help“ eingeweiht werden soll.

Die vorläufige Bilanz: 1 700 Schüler lernen dort lesen, schreiben, Fremdsprachen. Dies sind die Leute, von denen wir vielleicht in einigen Jahren hören werden. Wenn sie ihre Jobs in der Verwaltung des Landes, in Dienstleistungen und Handwerk angetreten haben, wenn sie der harten Handarbeit auf den Feldern den Rücken kehren konnten. Ruanda ist dicht bevölkert, ohne Modernisierung des Landes droht Armut, Not, wenn nicht Schlimmeres: Krieg.

Reiner Meutsch, aus dem sogenannten „Land der Ideen“, hatte selber eine, und die mündete 2010 eben in jene Weltumrundung des Abenteurers. In der zweimotorigen Piper erfüllte der Unternehmer genau genommen einen Traum seines Vaters, einem Busunternehmer aus dem Westerwald, der seinem Sohn erzählte, wie wichtig es sei, loslassen zu können. Und die Welt zu sehen. Als er vor Erfüllung seines Traums viel zu früh mit 58 Jahren starb, schwor sich Reiner Meutsch, seinem Rat rechtzeitig zu folgen. Zwischenzeitlich war er mit dem Touristikunternehmen „Berge und Meer“ erfolgreich, trennte sich aber dann von der Firma, die heute unter dem Dach von TUI Reisen im Direktvertrieb anbietet.

Das erworbene Vermögen finanziert heute eben jene sozialen Projekte, an denen weit mehr als sein Herz hängt: „Wenn ich mal längst nicht mehr bin, dann sollen diese Schulen immer noch stehen und Kindern einen neuen Weg zeigen“, so Meutsch. Seine Häuser sind nicht auf Sand gebaut, sondern auf internationale Standards. Beim letzten furchtbaren Seebeben auf den Philippinen überlebten rund 800 in eine Schule geflüchtete Menschen. Der ganze Rest des Dorfes war zerstört.

Die Weltreise also begann in der Heimat, und sie führte nicht einfach rund um den Globus, sondern im Zickzack um die Welt. Zehn Monate, 100 000 Kilometer. Kälte, Hitze, Gefahren. In Brasilien wirft er einen Blick in die Abgründe des Elends, sieht verstoßene Kinder von Prostituierten, die nichts gelten. Während er erzählt, spürt man plötzlich das Entsetzen von Meutsch, der sich fassungslos mit den Autoritäten anlegt, als Studiogast im brasilianischen Fernsehen: „Ihr seid eigentlich ein reiches Land – warum kümmert ihr euch nicht um euer eigen Fleisch und Blut?“. Wo ihm anschließend Zustimmung entgegenbrandet, so nach der Devise: „Das musste hier endlich mal gesagt werden!“

Solche Erlebnisse, von der bedrückenden Korruption in Kamerun bis zur Gleichgültigkeit auf den Philippinen oder Verbohrtheit fast überall, zeigen uns einen Mann, der wohl wirklich Unternehmertum mit sozialem Fortschritt verbinden kann. Man könnte vermuten, dass die Verbindung dieser beiden einen wirklichen Sinn ergibt. Mal laut werden können, aber seine Mitmenschlichkeit auch in widrigen Umständen bewahren, so könnte man Reiner Meutsch beschreiben.

Wenn er auf Bürokraten trifft, auf Autoritäten ohne jegliche Ausstrahlung von Autorität, geschweige denn Charakter, dann ist mit ihm sicher nicht gut Kirschen essen. Aber ist es denn nun wirklich nötig, dass im 21. Jahrhundert ein Einzelner versucht, die Welt zu verbessern?

Ja, vermutlich ist es nötiger denn je. Unwissen ist eine Quelle von Gewalt und Not, das ist ein fast banaler Satz. Oft aber scheitern an ihm schon jene, die sich der Menschlichkeit verschrieben haben: Hilfsorganisationen, denen die eigene Organisation über den Kopf wächst, deren Helfer den Falschen helfen und deren Mitarbeiter in Luxusquartieren residieren, wo sie die Armut nicht einmal erahnen können. Dann die Ministerien, die so lange Formulare ausfüllen lassen, bis buchstäblich jede Hilfe zu spät kommt – für die Opfer sowieso, aber wohl auch für die Ministerialbeamten. Jeder Fortschritt beginnt vor der eigenen Tür. Bildung ist nicht der Weisheit letzter Schluss, aber sie ist der Anfang von allem.

Als Anerkennung für seine Verdienste um die Schulbildung in der dritten Welt hat die VDRJ Reiner Meutsch stellvertretend für seine Stiftung FLY & HELP mit dem Columbus-Ehrenpreis 2014 ausgezeichnet.

KONTAKT

Reiner Meutsch Stiftung FLY & HELP

Silanca Weihmann
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