
Eine Herausforderung der besonderen Art, Ruhrgebiets-like: Achtmal hinfallen und neun Mal wieder aufstehen.
Um zur Boomregion zu werden, muss sicher noch viel passieren. Kai U. Homann, Geschäftsbereichsleiter Tourismus & Stadtmarketing Duisburg, meint während seiner Präsentation – im Anschluss an die VDRJ-Ehrenpreisverleihung am vergangenen Freitag, 27. März 2026 – dass schon viel erreicht wurde, aber so manch Wichtiges noch geschehen müsse, wie der Aufstieg des MSV Duisburg in die 2. Bundesliga zum Beispiel. VDRJ-Ehrendpreisträger Jürgen Zupancic hätte an dieser Stelle vermutlich auch den Wiederaufstieg von Schalke 04 in die erste Liga erwähnt.

Wandel erschließt den Weg zum Boom?
Der Wandel des Ruhrgebiets und auch der Stadt Duisburg wurde zum Thema einer VDRJ – Podiumsdiskussion mit Henning Deuter (Unternehmensstrategie Ruhr Tourismus), Wirtschaftsjournalist Reinhard Kowalewski, Hotelinhaberin Uschi Wischermann-Bruckschlegel, dem schon erwähnten Kai Homann und Moderator Martin Wein.

Die Region hat schon viele Fortschritte gemacht. Der Wandel von der Industrieregion zur Kreativdestination ist sicher auch kein leichter. Henning Deuter nennt diesen Oberbegriff als einen der Hauptziele, die die Region Ruhr als Ganzes noch vor sich habe. Geschafft werden soll das, wie so oft im Ruhrgebiet, mit Erfindungsreichtum. Wer sonst kommt schon auf die Schlagzeile „Urlaub am Kiosk“, weil nirgendwo sei man näher an den Menschen.
Hömma, dat ist Ruhrpott.
Pragmatismus aus Oberhausen
Auf dem Weg vom Themenziel zur Reisedestination habe man die meisten Schritte noch vor sich, betont Hotelbesitzerin und DEHOGA-Vertreterin Uschi Wischermann. Sie halte zwar viel von guten und kreativen Ideen. Sie selber allerdings müsse ihre beiden Hotels rentabel betreiben. Das gehe gut durch Reiseanlässe, würde aber nicht allgemein in Sachen Destination funktionieren.
Die Touristenquote ihrer Häuser liegt bei rund 30 Prozent. Zu verdanken sei das „Anlässen“ vom Besuch des „Centro“, Sealife, Legoland, dem Movie-Park oder in Zukunft auch der avisierten „Welle“ in Oberhausen.
Gäste, die einfach so kämen, um dann zu überlegen, was man hier so machen könne, seien in der Minderzahl. An dieser Erkenntnis führe nach wie vor kein Weg vorbei.
Reichlich Reisethemen
Sie seien da, jetzt gehe es darum, daraus Reiseanlässe zu schaffen. Kai Homann nennt den Radtourismus, Radwege mit spektakulären Touren, Destinationen für Gravel Biker, den Start von Flusskreuzfahrten im Ruhrorter Rheinhafen, eine geplante Street Art Route oder immer größer werdende Sportevents.
Junges Image ziehe auch junge Gäste an und junge Gäste hätten allenfalls noch periphere Erinnerungen an das alte Image vom „Pott“ und die einst gewachsenen Negativ-Vorurteile. Manche Naherholung, in Kombination mit Historie, eigne sich auch für den Städtereisenden. Der Landschaftspark Duisburg-Nord zähle nicht umsonst jährlich über eine Million Besuchende.

Die Vision des Ruhrgebiets
Diese Beschreibung kommt vom Strategen Henning Deuter: „Wir wollen europäischer Trendsetter in Sachen Städtetourismus werden. Hier gibt es noch viel zu entdecken, auch von nicht vorbelasteten Kunden.“
Man müsse die lokalen Start-Ups mit dem Städtetourismus verbinden. Gerade auch, was noch nicht perfekt ist, habe seinen Reiz.
Den Einwand mancher Zuhörenden, das gehe nicht ohne die gemeinsame Vermarktung, lässt er nur bedingt gelten, auch wenn Uschi Wischermann, die „Verkäuferin“ in der Runde zustimmt, mit der bisher feststehenden Tatsache, dass Besuchende nicht wegen der Destination, sondern wegen gezielter Events und Möglichkeiten anreisen.
Die Vibes des Ruhrgebiets
Genau darauf komme es an, meint Henning Deuter und zeigt sich kämpferisch für das Ruhrgebiet, als Nachfolger Berlins. Die Geschichten der Hauptstadt seien inzwischen weitgehend erzählt. Hier gebe es noch viele zu erzählen.
Berliner Journalistenkolleg:innen zeigen sich skeptisch. Die Vergleichbarkeit hinke auf beiden Beinen, gipfelnd im inzwischen schon traditionellen Streit um die Currywurst.
Hier prallen dann Fakten und Vibes emotional aufeinander. Auch dieser erneute Streit kommt zu keinem ausdiskutierten Ergebnis. Immerhin, die Punkte für die Currywurst-Hymne, bekannt gemacht von Herbert Grönemeyer, gehen ans Ruhrgebiet. Dieser Song macht zudem wichtige Vibes der Region deutlich.

Fest steht jedenfalls, dass Theoretiker wie Praktiker die weitere erfolgreiche Entwicklung des Ruhrgebiet-Tourismus nicht aufgeben werden. Wie sagte doch Kai Homann zu Beginn des Nachmittags: „Arbeiten muss man überall. Im Ruhrgebiet aber gilt es immer ein Drittel mehr Energie reinzustecken.“