Lesespaß pur – Columbus Autorenpreise mit nachhaltigem Eindruck

Der Großteil der Autorenpreis-Jury; Foto: Mona Contzen
Der Großteil der Autorenpreis-Jury; Foto: Mona Contzen

Reisen ist schlecht fürs Klima. Daran gibt es nicht viel zu rütteln. Die Wettbewerbsbeiträge für den Columbus Autorenpreis 2019 hinterlassen trotzdem einen nachhaltigen Eindruck. Mehr zu den Einreichungen, der Auswahl und den Preisträgern weiß die zuständige Geschäftsführerin Mona Contzen.

Der Klimawandel ist im Reisejournalismus angekommen – das zeigt die Vielzahl der Beiträge rund um Flugscham, Zugstolz und Öko-Tourismus, die für die Columbus Autorenpreise eingereicht wurden. Dass sich mindestens ein solcher Text im Jahrgang 2019 unter den Preisträgern befindet, verwundert nicht. Ist es doch Aufgabe eines Journalistenpreises und einer Vereinigung von Reisejournalisten, aktuelle Probleme im Blick zu haben und zur Diskussion beizutragen.

Einige Autoren taten das humorvoll, andere mit Herz, viele sehr selbstkritisch. Doch wo fängt konstruktive Kritik an und wo hört der Spaß am Reisen auf? Selten war sich die Jury so einig, selten waren die Meinungen so kontrovers wie in diesem Jahr.

Siegerin der Kategorie Beste Reportage ist Gabriela Herpell, die seit 20 Jahren bei demselben Handtuchverkäufer am selben Strand auf Elba einkauft. Über dieses Geschäft und das Leben, das es mit sich bringt, schrieb sie für das SZ-Magazin die Reportage „Gratwanderer“, „eine Geschichte als Vorbild, zutiefst menschlich, uneitel“, wie Juror Johannes Klaus sagt. Der „Perspektivwechsel zu Menschen, über die wir uns normalerweise kaum Gedanken machen“ (Wolfgang Stelljes) vollbringt ein besonderes Kunststück: Die Redakteurin berührt ihre Leser mit einer liebevollen Geschichte mitten aus dem Massentourismus und „liefert vor dem Hintergrund des sozialen Aspekts einen zutiefst nachhaltigen Text“, betont Jurorin Alicia Kern.

Der Preis für die beste journalistische Leistung geht an Michael Allmaier und seinen Selbstversuch für Die Zeit unter dem Titel „Wie ich nach Barcelona reiste und versuchte, ein guter Tourist zu sein“. Die Reportage schafft ein umfassendes Bewusstsein für die Herausforderungen unserer Zeit, indem sie „das Thema Klima beim Reisen einmal von A bis Z durchdekliniert“, stellt Jurorin Antje Blinda fest. Wie das gelingt? „Der Autor ist quasi wissenschaftlich verkabelt – eine wahnsinnig gute Idee“, lobt Barbara Liepert. Das Resultat polarisiert: Denn „der Text zeigt ein Dilemma auf, dem man als Reisender nicht entkommen kann“, so Philipp Laage. Der eine fühlt sich davon abgeschreckt, der andere liest es mit großem Vergnügen und sieht in der Zuspitzung „beinahe eine Glosse“ (Heidrun Braun).

Beim diesjährigen Förderpreis für junge Autoren überzeugte Christopher Piltz mit dem im Magazin Der Spiegel erschienenen Artikel „Auf ins Verderben“, für den er einen „düsteren Touristen“ nach Tschernobyl begleitete. Rund um das stillgelegte Atomkraftwerk und seinen Protagonisten, der bereits an mehr als 800 Schreckensorten in 90 Ländern war, gibt der Text „einen guten Überblick über das, was Dark Tourism ausmacht“, fasst Juror Merten Worthmann zusammen. „Der Autor hat sich reingekniet“ (Kathrin Sander) und dringt auch dank der Nähe, die das Porträt herstellt, tiefer ein in eine Thematik, über die schon viel geschrieben wurde.

Die Preisträger in der Übersicht:

Die Autorenpreis-Jury 2019

  • Mona Contzen (frei), Geschäftsführerin Columbus Autorenpreis, sowie
  • Antje Blinda (Der Spiegel),
  • Dr. Heidrun Braun (frei),
  • Hansjörg Falz/Kathrin Sander (Merian),
  • Alicia Kern (Gebeco),
  • Johannes Klaus (Reisedepeschen),
  • Philipp Laage (dpa),
  • Barbara Liepert (FAZ/FAS),
  • Wolfgang Stelljes (frei),
  • Merten Worthmann (Die Zeit)
Wir danken den Sponsoren der Columbus-Autorenpreise 2019:

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