Immer gut für eine Überraschung: Der Columbus-Radiopreis 2018 mit großem Themenspektrum

VDRJ-Columbus Radiopreis: Rüdiger Edelmann, Preisgeschäftsführer und 1. Vorsitzender der VDRJ; Foto: Messe Berlin
VDRJ-Columbus Radiopreis: Rüdiger Edelmann, Preisgeschäftsführer und 1. Vorsitzender der VDRJ; Foto: Messe Berlin

Die Landschaft der Töne wandelt sich dank der Öffnung des Preises. Konnten bis vor einigen Jahren nur Redaktionen einreichen, so ist der Wettbewerb jetzt auch offen für Autoren und Autorinnen. Diese Botschaft ist angekommen, denn der Jahrgang 2018 enthält doppelt so viele Autoreneinreichungen wie redaktionelle Anmeldungen. Warum die Zahl der einreichenden Redaktionen zurückgegangen ist, wissen wir leider nicht.

Von Rüdiger Edelmann

Beherrschten bis dato klassische Reiseredaktionen das Feld, so stehen wir diesmal vor unterschiedlichsten Quellen – von Literatur bis Politik. Autoren, die nicht für klassische Reisesendungen produzieren, haben den Weg in den Wettbewerb gefunden. Wir werden bekannter. Positiv zu bewerten ist die Tatsache, dass zum ersten Mal auch vier Podcasts eingereicht wurden.

Spannend ist das Themenspektrum des Jahrgangs 2018. Fernreisen spielen eine größere Rolle als je zuvor. Allein sechs Beiträge haben Ziele in Lateinamerika zum Thema. Deutschland taucht nur
zweimal auf. Wenn man dies mit der Reisezielanalyse des deutschen Markts vergleicht, stellt sich die Frage, ob Autoren wie Redaktionen am Publikum vorbei produzieren. Dieses Phänomen hat sicher auch mit der immer kleiner werdenden Zahl von Reisemagazinen zu tun, die ihre Themen serviceorientierter auswählen.

Die Anzahl der langen Beiträge wächst von Jahr zu Jahr. Das kürzeste Stück im Wettbewerb 2018 war immerhin neun Minuten lang. Ein guter Kurzbeitrag hätte eine echte Chance auf Auszeichnung gehabt.

Es gibt allerdings auch Konstanten, etwa das große Qualitätsgefälle. Zwei Drittel der eingereichten 27 Beiträge schieden nach der Wertung der Vorjury ohne weitere Diskussion aus. Leider gehörten auch die Podcasts dazu.

Eine satte Überraschung ist der Goldene Columbus, das beste Radiostück des Jahres. „Oh wie nah ist Panama“ von Christian Schmitt wurde eingereicht von „KiRaKa“, der Kindersendung von WDR5. Der Ausgangspunkt ist Janoschs Kinderbuchklassiker vom kleinen Bären und vom kleinen Tiger. Was folgt, ist ein großartiger Reisebericht, der das Land, den Panamakanal und die Menschen vorstellt. Die Sprache ist kindgerecht, aber nicht anbiedernd. Erwachsene bleiben ebenfalls gespannt am Thema dran. Es stellen sich Fragen für alle Generationen: Kann man Glück kaufen? Warum träumen wir von Panama, während der Losverkäufer dort von Europa und Deutschland träumt? Beim Inselausflug zum Volk der Kuna-Indianer trifft Christian Schmitt Kinder, die im tropischen Paradies lebend, davon träumen, einen Schneemann zu bauen und wissen möchten, wie die deutsche Sprache klingt. Die Feststellung, dass das Paradies überall dort ist, wo man eine schöne Zeit haben kann, trifft die Erfahrungswelt von Kindern wie Erwachsenen. Es geht ums Reisen, um Neugier auf Unbekanntes und darum, über den Tellerrand zu schauen – und sei es, um in Erfahrung zu bringen, dass Bananen in Panama kleiner sind als bei uns, sich aber zu schmackhafter Marmelade verarbeiten lassen. So macht man Lust aufs Reisen. Christian Schmitt produziert großes Hörkino.

Der Silberne Columbus von Mechtild Müser über eine Flussfahrt auf „Rio Negro und Rio Branco“ im Amazonasgebiet glänzt durch die Sprachbilder der Autorin. Die Reise auf dem Rio Negro wird zum stimmungsvollen Reiseerlebnis. Das Sprachkunstwerk ist eine Produktion der „BR2-Radioreisen“.

Die „Radioreisen“-Redaktion ist auch verantwortlich für den Silbernen Columbus für „Stimmung“, das berühmte Kino im Kopf. Autorin Brigitte Kramer entführt uns nach Spanien und in die Welt des Wermuts. Seine Wiedergeburt als Modegetränk ist typisch spanisch. Die historisch-kulturellen Zusammenhänge sind international. Das hört man der Montage aus spanischen Originaltönen, amerikanischem Swing und genüsslichen Beschreibungen an.

Einen Silberner Columbus für Information gab es schon lange nicht mehr. Das Feature über eine Reise mit dem „Tren Ecuador“ liefert aber genau das. Thomas Becker macht eine akustische Reise über diese legendäre Zugstrecke. Entlang der Route von Guayaquil über Rio Bamba bis nach Quito beschreibt er das Land, die Probleme, die Schönheiten und die Menschen Ecuadors. Die scheinbare Beiläufigkeit, mit der das geschieht, kann wohl nur ein Journalist leisten, der dort lebt. Dieses Feature wurde eingereicht von NDR-Info und der wohl ältesten deutschen Reisesendung „Zwischen Hamburg und Haiti“.

Jury 2018

  • Bettina Schmieding, Deutschlandfunk
  • Sabine Loeprick, rbb / VDRJ
  • Daniela Wiesler-Schnalke, Deutsche Welle
  • Marc Schmidt, hr
  • Rüdiger Edelmann, deutschesreiseradio.com / Geschäftsführer Radiopreis / VDRJ

Der Columbus-Radiopreis wurde unterstützt von Turismo de Tenerife

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