
Die VDRJ reiste mit rund 50 Mitgliedern auf einem Flusskreuzer von Basel bis Koblenz und retour
Die VDRJ war für ihre Jahrestagung 2025 mit dem Flusskreuzfahrtschiff Edelweiss von Thurgau Travel einige Tage auf dem Rhein unterwegs. Diese Reportage von Ulrike Keding berichtet vom touristischen Teil der Reise.
Ein Höhepunkt gleich zu Beginn: Basel. Klug beraten ist, wer vor der Flusskreuzfahrt die Schweizer Altstadt erkundet. Am Rheinufer, wo sich Hermann Hesse 1927 im Hotel Krafft zu seinem epochalen Roman „Steppenwolf“ inspirieren ließ, beginnt die Reise bildschön: Auf den Treppen, die den Fluss säumen, beobachten die Menschen die kleine Personenfähre, die mit ihren Passagieren den Rhein überquert. Dahinter krönt am Berg das Münster die Altstadt.
„Ich liebe meine Heimat“, strahlt der Nachenführer, während er uns mit seiner Fähre über den Rhein auf die andere Seite bringt. „Die Schweizer haben keine Bodenschätze. Sie verkaufen ihre Landschaft und die Schönheit ihrer Städte“, sagt der in Lugano ansässige Kiefernchirurg Peter Carls, mit an Bord. „Und sie sind stark in Forschung, Wissenschaft und Kultur.“
Davon zeugen dreißig Museen in Basel. Das Museum der Kulturen am Münsterplatz überzeugt nicht nur mit ghanaischen und polynesischen Begräbnisritualen und Koreanerinnen in Schweizer Tracht. Es sticht heraus mit seiner besonderen Architektur, die ein altes Fachwerkhaus mit dem modernen Museumsbau verbindet.

Eine Entdeckung abseits der Touristenpfade ist das Restaurant „Zur Harmonie“ am Spalentor. Hier gibt es gute einheimische Küche in Holzmobiliar. Ein ausgestopfter Hirsch blickt aus dem Eck auf uns herab. Drei ältere Schweizer Herren sitzen neben mir an einem langen Tisch. Sie speisen in vollständiger Schweigsamkeit ihren Kalbskopf mit Zunge, ihre Kutteln und Raclette auf Rösti. Weder untereinander noch mit mir sprechen sie ein einziges Wort. Bemerkenswert. Kaum haben sie ihre Mahlzeit beendet, ergießt sich ein vollkommen unverständlicher Redeschwall über mich: Schwyzerdütsch.
Landschaftlich sind das Mittelrheintal und der Rheingau der Höhepunkt
Bei Sonne gleiten wir an Deck der Edelweiss von Koblenz bis Rüdesheim den Rhein hinunter: Spektakuläre Ausblicke bieten sich uns auf die steilen Felsenriffs, Weinberge, romantischen Winzerorte und 67 Burgen. Die Marksburg thront hoch oberhalb von Braubach. Sie bietet hervorragende Einblicke ins Leben im Mittelalter – von der gigantischen Burgküche bis zu einer beeindruckenden Sammlung von Ritterrüstungen. Diese führen vor Augen, wie beschwerlich der Kampf mit den Metallpanzern gewesen sein muss.

Die Grafen von Katzenelnbogen waren die Besitzer der Marksburg von 1283 bis 1420. Sie besaßen außerdem die Burgen „Katz und Maus“ in St. Goarshausen sowie noch zweihundert andere Herrschaftssitze: „Sie waren die Bill Gates des Mittelalters“, bringt es unser Reiseführer Robert Aniello auf den Punkt.
„Die Ausflüge sind durchwegs von inhaltlich versierten Persönlichkeiten geleitet“, lobt die 52jährige Schweizerin Lilo Plan zurück an Bord: „Die Abwechslung von Führungen und Flussfahrt gefällt mir am besten auf dieser Reise.“
Das Ehepaar Baumann aus der Schweizer Hauptstadt Bern begibt sich zum ersten Mal auf Flusskreuzfahrt: „Es ist entschleunigend“, sagt der 48jährige Reinhard Baumann: „Zu Hause hatten wir viel Hektik. Nun passen wir uns dem gemächlichen Rhythmus des Schiffes an.“
Der Rheingau mit seinen idyllischen Weinbergen und Winzerorten, bleibt leider weitgehend in der Dunkelheit versunken. Immerhin leuchtet das angestrahlte Wiesbaden-Biebricher Schloss in all seiner Pracht über den Rhein.
Die Attraktion ist die Schiffsfahrt in der Kabine
Sternklarer Himmel in der Nacht. Das Schiff gleitet entlang der Böschung, die in der Dunkelheit nur schemenhaft erkennbar ist. Die hohen Pappeln wiegen sich im Wind. In meiner Kabine im Erdgeschoß ruhe ich auf dem Bett. Die Fensterwand habe ich leicht geöffnet. Der Fluss umgibt mich nur einen Kopfsprung weit entfernt. Der Bug des Schiffes teilt das Wasser. Leise rauschen die Wellen neben mir. Der Rhein ist mein ständiger Begleiter. So nah bin ich ihm noch nie gewesen.

Morgens erwache ich mit dem Blick auf eine Schleusenwand. Wir befinden uns in mindestens sieben Meter Tiefe. Beeindruckend ist es, in bis zu 15 Meter Tiefe wandnah zu erleben, wie das Gefälle des Flusses durch die Einfahrt in zehn Schleusen zwischen Basel und Koblenz ausgeglichen wird. Und dann gleich den Mantel geschnappt, übers Nachthemd gezogen und ins Freie geeilt. Der leichte Nieselregen putscht mich auf. Der Wind tost mir durchs ungebürstete Haar. Dreißig Kniebeugen. Frühsport an Deck – das hat was! Ein Frachter am Ufer wird mit Kies befüllt. Ein Laufband transportiert die Ware von der Kiesgrube bis zum Schiffskran. Von hier aus stürzt der schwarze Rheinkiesel direkt aufs Deck. Es sind die kleinen Beobachtungen, die das Besondere dieser Kreuzfahrt ausmachen.
Bedient werden die Schiffsgäste von Personal aus Afrika und Asien. Eine junge burmesische Dame vom Zimmerservice mit perfekt frisiertem schwarzem Pagenkopf strahlt mich jeden Morgen an: „Im Januar habe ich zwei Monate Ferien. Danach kehre ich für den Rest der Saison zurück“, erklärt sie mir auf Deutsch.
Eine Fahne „Route navigable de France“ weht im Wind. Wir sind im Elsass auf dem Weg nach Strasburg. Der Abstecher in die elsässische Hauptstadt mit Europarat und Europaparlament lohnt sich. Auf Wunsch können Schiffsgäste auch an einem Ausflug in den Elsass mit seinem Walle-Walle-Geraniendorf Obernai teilnehmen.







Wer möchte, kann auch selbständig ausfliegen und vom Schiffsanleger aus die beiden UNESCO-Welterbe-Städte Worms und Speyer mit ihrem Dom und jüdischen Stätten erkunden, sich im Technikmuseum Speyer an Waspys Mini-Cooper-Oldtimerbus belustigen oder über die größte Raumfahrtausstellung Europas staunen. Und zum Abschluss auf dem Bauernmarkt Pfälzer Saumagen mit Riesling probieren.
Am letzten Morgen wache ich nach unserer fünftägigen Flusskreuzfahrt wieder in Basel auf. Die Altstadt mit dem Münster erkenne ich im Nebel von ferne wieder. Zwei Matrosen machen das Schiff mit langen Seilen am St. Johanns Tor fest. Ein Matrose steht am Ufer und windet das dicke Tau um den Steg. Wir sind zurück. Von Kindheit an ist mir der berühmteste deutsche Fluss im Rheingau, wo ich aufgewachsen bin, vertraut wie meine Westentasche. Spannend ist es gewesen, „meinen“ Rhein auch in unbekannte Gefilde bis in die Schweiz zu begleiten.
