Erstklassiges, frei von KI und Kooperationen: Die VDRJ-Medienpreise 2026

VDRJ-Awards 2026
Die VDRJ gratuliert. Dies sind unsere Preisträger:Innen 2026. (Fotos: siehe Einzelcredits unten)

Die Vereinigung Deutscher Reisejournalisten (VDRJ) hat auch 2026 hervorragende journalistische Arbeiten ausgezeichnet. Gleich ob Text, Ton oder Film, die Auseinandersetzung mit dem Thema Reisen hat weiter seinen festen Platz in der Medienwelt, auch wenn die Rahmenbedingungen in allen Medienbereichen komplizierter werden.

Wir haben weder künstliche Intelligenz ausgezeichnet noch bezahlte Kooperationen, die immer öfter im Publikationsdschungel auftauchen. Journalistische Recherche hochklassige Schreibe und Produktion kamen zum Zug. Unsere Fachjurys arbeiten unabhängig und sind allein nach fachlichen Kriterien zusammengesetzt werden. Eine Mitgliedschaft in der VDRJ ist dafür keine Voraussetzung.

Die VDRJ dankt allen, die sich mit ihren Beiträgen beteiligt haben und gratuliert herzlich allen Preisträger:innen.

Die Preisverleihung findet auch in diesem Jahr im Rahmen der VDRJ-Jahrestagung im Oktober 2026 in Luzern statt.

VDRJ-Medienpreis TEXT

Den Hauptpreis des VDRJ-Medienpreises TEXT erhält Julius Schophoff für seinen Text „Ich bin eine Insel“ (erschienen in Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung).

Den zweiten Platz belegen in diesem Jahr gleich zwei Texte: Elke Michel wurde ausgezeichnet für „Das Licht ist mit den Glücklichen“ (erschienen in Die Zeit). Und Jan-Eric Peters wird für „Hinterm Horizont geht’s weiter“ ausgezeichnet (erschienen in der WirtschaftsWoche).

VDRJ-Medienpreis Text – Hauptpreis: Ich bin eine Insel

Julius Schophoff fuhr ohne Notizblock auf eine einsame Schäreninsel und schrieb am Ende einen der stärksten Texte des Jahrgangs. Dass er überhaupt eine Reisereportage einreichte, war alles andere als geplant: Die Woche auf der Insel war als Auszeit mit zwei Freunden gedacht, nicht als Recherche. Auch den Besuch bei Fredrik, dem Besitzer der Insel, hat Schophoff nicht forciert, er folgte schlicht einer Einladung.

Preisträger Julius Schophoff (Foto: Privat)

Zurück am Schreibtisch zeichnete er eine Insel auf ein DIN-A1-Blatt und ließ alles kommen. Als ihm die Redewendung „Kein Mensch ist eine Insel“ einfiel, kam die Idee, genau das Gegenteil zu behaupten und von da an ordnete sich alles. Die Jury überzeugte, wie Schophoff aus dieser scheinbar zufälligen Reise eine tiefe, eigensinnige Reflexion über Einsamkeit, Freiheit und Zugehörigkeit destilliert und das mit einer Leichtigkeit, die täuscht.

Insel oder nicht? (Foto: Julius Schophoff)

Julius Schophoff sagt: „Ich musste nicht lange überlegen, welchen Text ich einreiche. Es war die einzige Reisereportage, die ich 2025 geschrieben habe. Ich habe nicht einmal einen Notizblock mitgenommen. Als mir die Redewendung ‚Kein Mensch ist eine Insel‘ einfiel, kam mir die Idee, das Gegenteil zu behaupten. Von da an ordnete sich alles wie von selbst.“

Der ausgezeichnete Artikel:

VDRJ-Medienpreis TEXT – 2. Platz: Das Licht ist mit den Glücklichen  

Preisträgerin Elke Michel – Foto: Privat

Elke Michel reiste nach Nordschweden, um Polarlichter zu sehen und fand gleich so viel mehr. Dieser Blick abseits des Erwarteten zieht sich durch den gesamten Text: Michel erzählt mit leichter Hand und trockenem Witz, findet das Außergewöhnliche im Übersehenen und macht ihre Leserinnen und Leser zu Komplizen einer Entdeckung, die so auf keiner Bucket List steht.

Making Of – Foto: Elke Michel

Elke Michel sagt: „Vor der Reise wollte ich unbedingt einmal im Leben Polarlichter sehen. Im Nachhinein beeindruckte mich aber etwas anderes noch mehr – etwas, das ich gar nicht gesucht hatte: Tagsüber hingen Stratosphärenwolken am Himmel, regenbogenbunt wie Zuckerwatte, und viel seltener als Polarlichter.“

Der ausgezeichnete Artikel:

VDRJ-Medienpreis TEXT – 2. Platz: Hinterm Horizont geht’s weiter

Preisträger Jan-Eric Peters (Foto: Jule Halsinger)

Jan-Eric Peters begleitete seinen Sohn auf einer Mammut-Fahrradtour durch die USA und auch er wollte darüber eigentlich nichts verfassen. Zu persönlich, zu nah. Doch kaum hatte er angefangen, wollte er nicht mehr aufhören.

Vater und Sohn on Tour – Foto: Privat

Was dabei entstand, ist mehr als ein Reisetext: Es ist eine Vater-Sohn-Geschichte, die vom Loslassen handelt, von Ausdauer und von den stillen Momenten, in denen man sich auf langen Etappen plötzlich sehr nah ist. Die Jury schätzte besonders den ehrlichen, warmen Ton und die Fähigkeit, große Gefühle ohne Kitsch zu erzählen.

Jan-Eric Peters sagt: „Erst wollte ich die Geschichte gar nicht schreiben. Zu persönlich. Aber kaum hatte ich angefangen, wollte ich gar nicht mehr aufhören, weil ich dieses Abenteuer noch einmal durchleben konnte.“

Der ausgezeichnete Artikel:

Wettbewerb und Jury

Jury des VDRJ-Medienpreises Text

Die Jury: Jennifer Latuperisa-Andresen (reisen EXCLUSIV / Geschäftsführung), Stefan Weißenborn (dpa), Maike Ahlers-Geißler (Reisereporter), Regine Seipel (Frankfurter Rundschau) und Doris Wegner (Augsburger Allgemeine)

Für den Jahrgang 2026 des VDRJ-Medienpreises TEXT wurden insgesamt 51 Wettbewerbsbeiträge eingereicht.

VDRJ-Medienpreis AUDIO

Die Radiojournalistin Anna Küch wurde mit dem Hauptpreis für das beste Hörstück ausgezeichnet. Das Kurzfeature über eine besondere Familienreise Mit dem Hausboot durchs Burgund wurde gesendet in den BR2 radioReisen des Bayerischen Rundfunks.

Das Hörstück über den Frankenwald im Podcast Lieblingsreisen geht an Tom Sundermann und Joris Krug.

Der Sonderpreis der Jury geht an Jenny von Sperber für ihre Selbsterfahrungs-Reportage Warum wir im Neoprenanzug durch die Berge laufen. Gesendet wurde sie in BR2 Religion des Bayerischen Rundfunks.

VDRJ-Medienpreis AUDIO – Hauptpreis: Mit dem Hausboot durchs Burgund

Preisträgerin Anna Küch – Foto: Privat

Wer denkt, es sei einfach nur ein Familienurlaub der irrt sich. Es ist vielmehr der Auftakt zur Selbsterfahrungsreise einer Familie. Ein Jahr aussteigen und durch Europa reisen, hatte sich Familie Küch vorgenommen. Die erste Bewährungsprobe war eine Hausbootfahrt durchs Burgund.

Im Stück erfährt man natürlich auch alles was Hausbooturlauber so erfahren und erdulden müssen, aber das ist noch lange nicht Alles.

Ein Jahr Europa bedeutete für die Kinder auch raus aus der Schule. Der Unterricht fand trotzdem statt: Auf dem Boot und unter ganz praktischen Umständen.

Schiffstour inkl. Home-Schooling (Foto: Privat)

Natürlich „knirscht“ es auch mal an Bord in der Gruppendynamik der Familie. Dies, so die Jury, waren die eigentlichen Highlights der Reise. Anna Küch muss, on top, eigentlich ihr Reportagegerät permanent im Einsatz gehabt haben. Alle O-Töne und alle Diskussionen an Bord sind offensichtlich im Original vorhanden.

Die Jury: Da wurde nichts nachgestellt und nicht gekünstelt. Das ist Reportage vom Allerfeinsten.

Anna Küch: Mit dem Hausboot durchs Burgund – BR2 radioReisen

VDRJ-Medienpreis AUDIO – Bestes Podcast-Stück: Frankenwald – Zwischen Genuss und Grenzgeschichten

Die Preisträger: Tom Sundermann und Jori Krug

Was anderen Podcastern schon aufgestoßen ist, hat bei der Juryarbeit 2026 auch weiterhin Bestand gehabt. Credo: Wir zeichnen keine Albernheiten aus und legen Wert auf journalistische Recherche.

Ja, „podcast gemäß“ sind auch einige Albereien dabei, aber das gehört ja inzwischen zum guten Ton. Das eingereichte Stück aber, beginnt mit einem O-Ton. Recherchiert wurde auch und rausgekommen ist ein stattlicher Urlaubstipp für den Frankenwald zwischen Grünem Band, ehemals geteilten Dörfern und unteilbar wichtigen Dorfgasthöfen.

„Lieblingsreisende“ unterwegs (Foto: Privat)

Die Jury: So geht’s! Podcast und Journalismus passen sehr wohl zusammen.

Joris Krug & Tom Sundermann: Unterwegs im Frankenwald / Podcast: Lieblingsreisen

VDRJ-Medienpreis AUDIO – Sonderpreis „Selbsterfahrung„: Warum wir im Neoprenanzug durch die Berge laufen

Preisträgerin Jenny von Sperber (Foto: Imhoff)

Der Titel macht neugierig. Vier Frauen nehmen an einem Sportwettbewerb teil, der nur möglich ist, wenn sie im Neoprenanzug durch Berge rennen? Das Warum erschließt sich sofort, denn zwischen den Bergen sind Seen und die muss man durchschwimmen. Es geht nicht nur um Sport, es geht um Gemeinsamkeit, um Selbsterfahrung und um das besondere Glück, während des Schmerzes, die Sonne durch die Wolken kommen zu sehen.

Die Reportage ist nicht umsonst von der Redaktion Religion produziert worden. Die Praxis wird theoretisch untermauert. Die Erfahrung und die Dialoge während des Laufs stehen aber im Vordergrund. Es ist der Geist, einer aus Schweden stammenden Selbsterfahrung, bei der das Miteinander im Vordergrund steht. Das wirkliche Warum des Titels ergibt sich am Ende: Weil wir es wollen.

Die Akteurinnen im Neoprenanzug – Foto: Privat

Die Jury: Ein wundervolles Stück über reisende Selbsterfahrung und die Tatsache, dass das Thema Reisen auch in vermeintlich „fremden“ Redaktionen zuhause sein kann.

Jenny von Sperber: Warum wir im Neoprenanzug durch die Berge laufen – BR2 Religion

Wettbewerb und Jury

Für den Jahrgang 2026 wurden 53 Beiträge eingereicht. Objektive Erkenntnis: Wirklich schlechte Einreichungen waren nicht dabei. Subjektive Erkenntnis: Juryarbeit hat immer auch mit Gefühl zu tun. Trotzdem hatten wir uns schnell geeinigt.

Jurysitzung VDRJ-Mdienpreis AUDIO im lyf-Hotel East Frankfurt (Christoph Streicher)

Die Jury: Waia Stavrianos (hr),  Christoph Streicher (Welttournee-Der Podcast), Michael Westerhoff (WDR, VDRJ), Rüdiger Edelmann (Deutsches-Reiseradio-Podcast und Geschäftsführung Audiopreis, VDRJ). Jurymitglied Jasmin Kröger (freie Radiojournalistin) musste kurzfristig absagen.

VDRJ-Medienpreis FILM

Den Hauptpreis 2026 für den besten Film gewinnt Tom Schachtsiek für die NDR-Produktion „Young Adventurers – Tansania: mit dem Rucksack in Ostafrika“.

Der Preis für die beste Kamera geht an Nikolas Winter die SWR-Produktion „Zauberhaftes Engadin – Ein Jahr in den Schweizer Alpen“

Mit dem Preis für die beste Autorenleistung zeichnet die Jury Fabian Korbinian Wolf für die ARTE-Produktion „Mythos Ibiza – Hippies, Freiheit, Clubkultur“ aus.

In der Kategorie Info & Ethik würdigt die Jury Autorin Anne Kauth und die ZDF-Produktion „Urlaubslust und Reisefrust – wieviel Tourismus verträgt die Welt“.

VDRJ-Medienpreis FILM – Hauptpreis: Young Adventurers – Tansania: mit dem Rucksack in Ostafrika

Preisträger Tom Schachtiek (Foto: Talitha Lahme)

Was diesen Film so besonders macht, ist seine unmittelbare Energie. Reporter Tom Schachtsiek begegnet Land und Menschen mit echter Neugier, ohne Pose, ohne kalkulierten Pathos.

Tansania wird hier nicht als bloße Projektionsfläche für Abenteuerfantasien genutzt. Stattdessen entsteht ein lebendiges Bild eines Landes zwischen Tradition und Aufbruch. Die Dramaturgie ist klar strukturiert, die Begegnungen wirken authentisch, nie gestellt. Hinzu kommt eine Kameraarbeit, die Nähe zulässt, ohne sich aufzudrängen, und Landschaften in ihrer Weite ebenso ernst nimmt wie intime Momente im Gespräch.

„Young Adventurers – Tansania“ verbindet Tempo mit Tiefe – und beweist, dass modernes, junges Erzählen im Reisefilm keineswegs oberflächlich sein muss.

Die Jury: Für diese Mischung aus journalistischer Neugier, filmischer Präzision und emotionaler Unmittelbarkeit geht der Hauptpreis an Tom Schachtsiek

Der Link zum Film in der ARD-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/video/Y3JpZDovL25kci5kZS9wcm9wbGFuXzE5NjM2MzIzMF9nYW56ZVNlbmR1bmc

VDRJ-Medienpreis FILM – Beste Kamera: Zauberhaftes Engadin – Ein Jahr in den Schweizer Alpen

Preisträger Nikolas Winter bei Dreharbeiten im Engadin (Foto: Privat)

Das Engadin ist eine der meistfotografierten Landschaften Europas. Umso größer ist die Herausforderung, neue Bilder zu finden – Perspektiven, die überraschen, ohne Effekthascherei.

Kameramann und Regisseur Nikolas Winter gelingt das in bemerkenswerter Weise. Die Kamera findet eine Balance zwischen klassischer Landschaftsästhetik und moderner Bildsprache. Lichtstimmungen werden geduldig eingefangen, Details bewusst gesetzt. Drohnenaufnahmen fügen sich organisch ins Gesamtbild ein und dienen nie dem Selbstzweck.

Die Jury: Ein visuell herausragender Film, der zeigt, wie kraftvoll präzise Bildgestaltung sein kann.

Link zum Film in der ARD-Mediathek: https://www.ardmediathek.de/video/traumziele/zauberhaftes-engadin-ein-jahr-in-den-schweizer-alpen/swr/Y3JpZDovL3N3ci5kZS9hZXgvbzIyOTEzNDY

VDRJ-Medienpreis FILM – Autorenleistung: Mythos Ibiza – Hippies, Freiheit, Clubkultur

Der Preisträger Fabian Wolf (Bild: Andre Kirsch)
Preisträger Fabian Korbinian Wolf (Bild: Andre Kirsch)

Ibiza ist ein Sehnsuchtsort – und zugleich Projektionsfläche zahlloser Klischees.

Dem Film gelingt das Kunststück, beides zu reflektieren und zugleich zu dekonstruieren. Der Text ist klug, präzise und kenntnisreich. Er führt durch mehrere Jahrzehnte Inselgeschichte, ohne je belehrend zu wirken. Historische Linien werden sauber gezogen, kulturelle Entwicklungen nachvollziehbar eingeordnet.

Die Jury: Besonders beeindruckend ist die dramaturgische Stringenz: Persönliche Geschichten, Archivmaterial und analytische Passagen greifen ineinander.

Dieser Film steht derzeit online nicht zur Verfügung.

VDRJ-Medienpreis FILM – Info und Ethik: Urlaubslust und Reisefrust – wieviel Tourismus verträgt die Welt

Preisträgerin Anne Kauth (Foto: Privat)

Der Film stellt unbequeme Fragen: Was richtet unser Reiseverhalten an? Wie verändert Massentourismus Städte, Landschaften und Gesellschaften? Und wo beginnt die Verantwortung jedes Einzelnen?

Dabei vermeidet die Produktion einfache Antworten. Statt moralischer Belehrung setzt sie auf sorgfältige Recherche, differenzierte Stimmen und transparente Argumentation. Protagonistinnen und Protagonisten aus unterschiedlichen Perspektiven kommen zu Wort – Betroffene, Touristiker, Wissenschaftler.

Die Jury: Der Film bleibt sachlich, auch dort, wo die Emotionen hochkochen. Gerade in Zeiten polarisierter Debatten ist das eine Qualität, die nicht hoch genug bewertet werden kann. „Urlaubslust und Reisefrust“ erweitert den Begriff des Reisefilms um eine wichtige Dimension: die kritische Selbstbefragung.

Link zum Film in der ZDF-Mediathek: https://www.zdf.de/play/dokus/zdfzeit-106/urlaubslust-und-reisefrust-100?q=Wie+viel+Tourismus+vertr%C3%A4gt+die+Welt?

Wettbewerb und Jury

Die Zahl der Einreichungen lag auf dem Niveau der Vorjahre. Bemerkenswert die klare thematische Ausrichtung vieler Filme: Abenteuer, Selbstversuch, Nachhaltigkeit, aber auch eine spürbare Lust am Erzählen. Reisefilme wollen heute mehr sein als bloße Destinations-Porträts. Sie sind Reportage, Roadmovie, Essay und manchmal auch sehr persönliches Tagebuch.

Was uns besonders gefreut hat: Es gab kaum Ausreißer nach unten.

Die Jury des VDRJ-Medienpreises FILM – 2026 (Foto: Thorsten Pengel)

Thorsten Pengel (freier Kameramann und Editor, VDRJ), Thomas Radler (Geschäftsführer Filmpreis, ThoRa Film, VDRJ), Richard Hofer (VDRJ), Anja Neraal (freie Editorin), Till Bartels (stern.de) v.l.n.r.

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