Ein Nachruf auf Michael Schweizer

Michael Schweizer
Michael Schweizer

Michael Schweizer, der Gründer und Chef von „tdt“ (Telex Dienst Tourismus) und „Travel Tribune“, war eine Institution in der Reisejournalisten-„Szene“. In Schwaben geboren – in Frankfurt zuhause, war unser langjähriges aktives Mitglied der VDRJ immer derjenige, der bei Pressekonferenzen (fast) immer die erste Frage stellte. Wenn einer die Tourismus-Szene kannte, dann er!

Er schaffte das, was vielen Reisejournalisten schwer fiel und fällt: Er konnte journalistisch hart nachfragen. Er gab sich selten mit der ersten Antwort zufrieden und er geriet dadurch in der Branche mitunter in Ungnade, wenn er Dinge veröffentlichte, die für die Betroffenen unangenehm waren.

Michael Schweizer ist nach schwerer Krankheit am Samstag in Frankfurt gestorben. Er wurde 69 Jahre alt.

Ein sehr persönlicher Nachruf von Uwe Krist:

„Boah – ist das ein Paradies!!“

Es war auf einer dieser endlosen Fahrten in einem unbequemen Reisebus durch ein asiatisches Regenwaldland. Wir saßen in der letzten Reihe. Er Mitte, wo man die langen Haxen besser ausstrecken kann.

Er schlief wohl. Ich konnte es nicht, weil ich auf dem blechernen Radkasten saß und immer wieder durchgeschüttelt wurde.

Sein Kopf war auf die äußere Lehnen-Ecke des vorletzten linken Sitzes gesunken.

Der Bus war voll, wir waren die einzigen Fremden in dieser seit Stunden vorwärts ratternden eigenen Fremde. Durch die Fenster drang heiße Luft. Fahnen von Dreck und Staub windeten herein, zusammen mit Abgasen der Kerosinöfen von den vielen, vielen Straßenküchen, an denen wir vorbei fuhren. Und das verband sich im Bus mit unserem ihn durchwabernden Schweiß zu einer ganz eigenen Säuerlichkeit.

Die Sonne stand schon so schräg, dass sie – solange der Bus seine Route beibehielt – seitlich in die Fenster schien, von der Tageszeit schon milde gestimmt, matter, fast gleichgültig.

Er bekam das alles nicht mit, weil er schlief. Schade. Diese Welt hat doch wo und wann auch immer eine solch überraschend feine Stofflichkeit. Sie drängt in Deine Poren, durchdringt Deine Pupillen. Tönt in Deinen Ohren und besetzt Deinen Kopf, Deinen Bauch, Dein Herz.

Da riss er plötzlich den Kopf hoch. Zog mit einer zurückzuckenden Bewegung die langen Beine an sich, wirbelte zu mir herum und strahlte mich an: „Boah!! Riecht das gut!! Ist das ein Paradies!!“

Wenn er etwas ganz ernst meinte, sprach er immer mit zwei Ausrufezeichen.

So war das. Die Welt hastete nicht an ihm vorüber. Er durchreiste diese und jene Welt. Aber nie flüchtig. Ihm fiel alles auf. Er bekam alles mit.

Wie oft hat mich das erstaunt.

Der frankfurterisierte Schwabe – ich war 46 Jahre eng mit ihm befreundet – lebte bei aller Vielfalt und Anzahl seiner Facetten nur ein einziges, sein von ihm selbst bestimmtes Leben. Uns verband eine Freundschaft, enger als mit irgendeinem anderen lieben Menschen außerhalb der eigenen Familie.

Es war eine Menschenliebe zwischen zweien, die ohne Verbindlichkeit auskamen, ohne Verpflichtung. Aber verbunden im Erleben, im Riechen und Sehen, Hören und Staunen. „Wie die Zwillinge“ hieß es dann schon mal. Aber nicht eineiig, eher uneiig und oft genug uneinig.

Klar, wir alle waren auch schon mal Musketiere des Verdrängens. Agierten mit der großen Handbewegung. Aber gerade Michael handelte nie ohne Fürsorge und niemals mit kleinlich-betulicher Geste.

So einem stank es eben nicht damals im Bus, was zwar ein echter, rumpelnder Paradies-Ort war, aber zugleich auch eine fast mystische Meta-Wanderbühne.

Nun ist mein so guter Freund Michael weitergewandert. Schon wieder ein Abschied. Wieder gäbe es viel zu sagen, zu erzählen, zu beleuchten, zu verklären.

Ich kann es nicht, ich will es nicht.

Uwe Krist

3 Kommentare

  1. Ich bin gerade wie betäubt. Mag es nicht glauben.
    Ein feiner Mann. Ganz der Galant.
    Und so gesundheitsbewusst.
    Michael hat vor allem meine Anfänge in der „Reise-Familie“ mit seinem Charme verzaubert. Und sein Nachbohren bei den PKs war immer unterhaltsam.

    Ich kann es nicht glauben, dass er nicht mehr da ist.
    @Uwe: Lieben Dank für die schönen Zeilen zu Michael.
    Ich mag es nicht glauben!

  2. Ein Pressereisen-Tag konnte noch so hart gewesen, bevor die Sonne unterging war für Michael die Frage klar: „Gehen wir noch laufen?“ – Und wir liefen, auf Fuerteventura, auf Sylt, in Asien oder Garmisch. Tempo war kein Thema, Spaß war wichtig. Und den hatten wir. Beim Laufen und beim hartnäckigen Nachfragen. In beiden Disziplinen war Michael großartig.

  3. Danke, lieber Uwe, für deinen herzenswarmen Nachruf für Michael, den du so stimmig getroffen hast mit der großen Handbewegung, den niemals kleinlichen, immer großzügigen Gesten und seiner klugen Wachheit.
    Danke Uwe. Danke Michael!!

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