Columbus Radio-Preis 2010
Gedanken der Jury zum Jahrgang 2010
Die Columbus Radio-Awards auf der ITB - hier der Film über die Preisträger
Gold für die Langform

Schutzengel zur See - Die Lotsen der Magellanstrasse
Ungewöhnlich ist das Thema – und sicher ein dramaturgisches Wagnis, ausgerechnet Lotsenschiffe mit ihren Besatzungen für eine Reisereportage auszusuchen. Aber es ist auch ein Beispiel dafür, dass das Thema "Reise" von der Jury bewusst weit gefasst wurde. Herausragend bei dem Feature mit dem bezeichnenden Titel „Schutzengel zur See – Die Lotsen der Magellanstrasse“ sind hier der präzise und schnörkelloseText und die gelungene Einbindung der Menschen, die für die großen und kleinen Schiffe auf ihrem Weg vom Pazifik zum Atlantik und zurück zuständig sind. Der Autor schafft es, dass über 30 Minuten der Spannungsboden nie unterbrochen wird. Damit zeigt auch die NDR Redaktion "Zwischen Hamburg und Haiti", dass es sich lohnt, neue Wege zu gehen.
Silber für die Langform

Auf der Spur nach dem Mord im Orient-Express
Bei dieser Bahnreise mit dem nostalgischen Luxuszug geht es nicht um Pünktlichkeit und schnelles Erreichen des Ziels. Der Weg ist das Wichtige, und die Bereitschaft, sich ein wenig spinnös in eine berühmte literarische Vorlage hineinzudenken.
Peter Marx hat sich mit dem "Mord im Orientexpress" ein originelles und spannendes Thema ausgesucht. Er kombiniert Agatha Christie Texte mit seinen eigenen, sehr realistischen Beobachtungen auf einer Reise mit dem Luxuszug in der heutigen Zeit. Eine Reportage mit unzähligen exakten, augenzwinkernden und leicht ironischen Beobachtungen, in der die literarische Vorlage so eingebaut wurde, dass ein Werk aus einem Guss entstanden ist. Zuständig ist hier die Redaktion "Reportage" vom Deutschradio Kultur, Berlin.
Bronze für die Langform

Die quirlige Stadt Montreal - zu Fuß über die Main
Die Main, die Hauptstraße von Montreal, nimmt Florens Herbst als roten Faden, um die „quirlige Stadt Montreal“, so der Titel, aus vielen Blickwinkeln zu beschreiben. Der offizielle Boulevard Saint Laurent ist eine Legende. Die Straße halbiert Montreal und war schon immer das Einfallstor für Generationen von Einwanderern, die hier ohne einen Pfennig in der Tasche ankamen. Genau hier haben sie ihr neues Leben aufgebaut und sind dann schließlich fortgezogen, nachdem sie etwas erreicht hatten.Das Feature nimmt den Hörer mit vom Hafen die Straße hinauf. Forens Herbst trifft auf Nachkommen der unterschiedlichsten Einwanderungsgruppen, zeigt, wie sie leben und wie auch Touristen daran teilhaben können. Eine Sendung der Redaktion "Sontagsspaziergang" des Deutschlandfunks,
Gold für die Kurzform

München per Elektro-Car
Man nehme ein Elektroauto, suche sich eine kongeniale Partnerin und fahre dann durch München, um aus dieser Perspektive Eindrücke zu sammeln. Schwabing. Boulevard der Eitelkeiten. Monaco Franze im Jahr 2010 sozusagen. Sehen und gesehen werden. Wie hoch ist der Protzfaktor? Die witzigen, fast kabarettistischen Beschreibungen von Michael Watzke und seiner charmanten Begleiterin Carline zeigen einen Weg, wie eine Reisereportage einmal ganz anders aufgebaut werden kann. Vorausgesetzt, die Autoren sind in der Lage, ihre Texte so vorzutragen, dass nie Langeweile aufkommt, was hier der Fall ist. Damit hat auch die Redaktion "Sonntagsspaziergang" gezeigt, dass sie bereit ist, neue Wege mit zu gehen.
Silber für die Kurzform

Wandern auf Luganer Kastanien
„Das Laub der Kastanienbäume raschelt unter den Füßen. Immer wieder prasseln reife Kastanien in ihrer stacheligen Schale zu Boden. Herbstklänge im Tessin“.Wir wandern förmlich an der Seite des Autoren, wenn wir die Augen schließen. Die Rucksack-Journalisten des BR haben für die kurzen Schmankerl eine kongeniale Form gefunden: Dichte Atmosphäre, unterhaltsame O-Töne, viel Information und ein guter Text. Alles Zutaten, um den Hörer einzuladen zu einer Wanderung – dieses Mal eben auf dem Luganer Kastanienweg. Ein herausragendes Beispiel, wie ein eigentlich unspektakuläres Thema bearbeitet werden kann. Eingereicht wurde der Beitrag von Oliver Christa von der Freizeit Redaktion des Bayerischen Rundfunks.
Foto von der Preisverleihung (druckfähig)
Bronze für die Kurzform

Heimweh nach Masuren
Masuren... Das ist nicht nur die Bezeichnung einer wunderschönen Landschaft in Polen. Für viele ältere Deutsche ist es gleichzeitig ein Synonym für Heimweh. Kindheitserinnerungen an Ostpreußen. Vertreibung, verblassende Bilder. Auch heute noch gibt es viele deutsche Sehnsuchts-Touristen, die sich in diese Region Polens aufmachen. Sie finden ein Naturparadies der Stille, in dem die Zeit immer noch ein wenig langsamer zu laufen scheint. Aber sie sind auch auf Spurensuche nach der eigenen Vergangenheit. Daniel Kaiser beschreibt in seiner Reportage unterhaltsam und informativ Landschaften und Begegnungen mit dort lebenden Menschen. Ein Beitrag der NDR Redaktion "Zwischen Hamburg und Haiti".
