Gold für die Langform

Hammer, Sichel, Badetuch

In seiner in der Zeitschrift mare erschienenen Reportage „Hammer, Sichel, Badetuch“ reist der Autor Jan Keith mit dem Zug von China nach Nordkorea, um im Land des Kim Jong-il ein Stück Glück am Meer zu finden. Um die Frage zu klären, ob es in dem stalinistischen Land so etwas wie Normalität gibt, so etwas wie ein Badeurlaub existiert. Als Tourist getarnt, und 24 Stunden am Tag von „Reiseleitern“ des Geheimdienstes bewacht, erlebt der Hamburger hautnah die ganze Strenge dieses abgeschotteten und so feindlich wirkenden Landes. Trotzdem gelingt es Jan Keith ein Bild der nordkoreanischen Gesellschaft zu zeichnen. Die Dramaturgie der Handlung und die Spannung, vielleicht doch enttarnt zu werden, beigeisterte die Jury und trägt den Leser durch die ganze Geschichte. Am Ende, da findet der Columbus-Sieger den Badeurlaub in Nordkorea tatsächlich. Alle Last fällt ab. Sogar seine Polizeibegleiter stürzen sich befreit in die Fluten 

Foto von der Preisverleihung (Druckauflösung)

Gold für die Kurzform

Ein himmlisches Plätzchen

Die in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung erschienene Reportage „Ein himmlisches Plätzchen“  führt den Leser ins Zentrum von Madrid zu den beinah unsichtbar lebenden, aber Kekse backenden Nonnen. Eigentlich auf Prado-Recherche, fiel der Autorin die Information über die Jerónima-Nonnen in der Altstadt mehr zufällig in den Schoß. Konfessionslos und praktisch ohne Kontakt mit Religion und ihren Riten aufgewachsen, gelang es Birte Petersen dennoch die christliche Einlassformeln „sin pecado concebida“ – ohne Sünde empfangen –richtig hinzumurmeln und Einlass zu den Klosterfrauen zu erhalten. Vor allem „nicht zuviel“ hat Petersen in die Geschichte hineingepackt, so die Jury. Vielmehr überzeugten die aufgebaute Stimmung und die vielen Details, mit denen uns die Columbus-Siegerin zu Eingeweihten dieser Tradition macht. Und dem Leser die Eintrittskarte zu einem Juwel inmitten der brausenden Großstadt schenkt.  Mit wirklich himmlischem Gebäck...

Foto von der Preisverleihung (Druckauflösung)

Förderpreis für junge Autoren

Zug zur Spitze

In Ihrer im ADAC Reisemagazin abgedruckten Reportage „Zug zur Spitze“ nimmt die Münchner Autorin Deutschlands höchsten Berg aus verschiedenen menschlichen Perspektiven unter die Lupe – „und fördert die individuelle Bedeutung des Gipfels gefühlvoll zutage“, so die Jury. „Nicht mal ein Dreitausender“, spottete Sandra Stricker noch vor Beginn ihrer Recherche. Im Verlauf der vier Wochenenden, die sie und der Hamburger Fotograf Samuel Zuder im August 2010 dort verbrachten, merkte die freie Journalistin aber, dass sie es mit einem Gipfel der Superlative zu tun hatte: bei Minus 3 Grad Celsius war er zu dieser Jahreszeit der kälteste Ort Deutschlands. Sandra Stricker zeigt zitternde Bräute in schulterfreien Kleidern im Schneesturm vor dem höchstgelegenen Standesamt des Landes, spürt Herzenswärme, als ihr ein Paar von seiner Verlobung auf dem Gipfel erzählte. Und küsst am Ende demütig das Gipfelkreuz des 2962 Meter hohen Koloss’.

Foto von der Preisverleihung (Druckauflösung)