Der Freizeitpapst

- Prof. Karl Born
Ein Lob von Professor zu Professor
Fast ungläubig reagierte ich darauf, dass Horst Opaschowski den Preis des VDRJ bekommen sollte. Nicht weil es unverdient sei, ich glaubte er hätte ihn schon lange bekommen.
Kaum ein anderer Freizeitforscher hat mit seinen Forschungsergebnissen die Fachwelt und die öffentliche Meinung gleichermaßen so nachhaltig geprägt wie er. Bei letzteren hat ihm sein ausgeprägtes Sprachgefühl besonders geholfen. Seine kreativen Wortschöpfungen wie:
- Jugendkult
- Junge Alte
- Erlebnisgesellschaft
- Generation @
- Wohlfühlgesellschaft
- Wellstress
und andere mehr sind teilweise in den allgemeinen Sprachgebrauch eingegangen. Entsprechend wurde er auch von der Presse gefeiert: Vollblutwissenschaftler, Freizeitpapst, Mr. Zukunft, wissenschaftlicher Vordenker, Meinungsmacher, Visionär mit Augenmaß sind nur einige plakative Titulierungen (die zudem auch noch angemessen sind).
Horst Opaschowski wurde 1941 geboren. Seinen ersten echten Tourismuskontakt hatte er während seiner Studienzeit. Er war Reiseleiter, um sein Studium zu finanzieren. 1968 promovierte er zum Dr. phil. Übrigens wurde im selben Jahr auch die TUI von ihren diversen Vorgängergesellschaften gegründet und kurz vorher trat Neckermann-Reisen mit neuen Vermarktungsmethoden in den Markt ein. Es folgten hochinteressante Branchen- veränderungen, die Opaschowski begleiten konnte. In einem seiner ersten Artikel schrieb er über den „Teutonengrill“ an der Adria. Es sollte nicht sein letztes Schlagwort bleiben. Nach seiner Promotion ging Opaschowski zum Studienkreis für Tourismus, damals noch geleitet von dessen legendären Gründer Heinz Hahn. Die dort erstellte Reiseanalyse war die herausragende wissenschaftliche Untersuchung über das Reiseverhalten der Deutschen.
Aber Opaschowski war kein Zahlenmensch, deshalb war die Reiseanalyse auf Dauer nicht sein ideales Betätigungsfeld. Außerdem war ihm der Begriff „Tourismus“ zu eng, er wollte umfassender forschen. Freizeitwirtschaft, das sollte sein Betätigungsfeld werden.
So gründete er an der Uni in Siegen das „Institut für Freizeitwirtschaft“. 1975 wurde er Professor für Erziehungswissenschaft in Hamburg und 1979 rief er das BAT-Institut ins Leben. Dies endlich wurde bis 2010 seine forscherische Heimat. In den letzten Jahren standen immer mehr Zukunftsfragen im Mittelpunkt seines Interesses und seiner Tä- tigkeit. Konsequenterweise wurde das BAT-Institut 2007 auch umbenannt in „Institut für Zukunftsfragen“.
Opaschowski hat einen reichen Erfahrungsschatz, er findet verlässliche Prognosen aus Zahlenreihen. Er ist aber nicht nur Zahlenmensch, zu seinem Erfahrungswissen kommt angemessene Fantasie. Einer der bekanntesten Kollegen sagte mal über ihn. „Opaschowski ist forsch in seinen Vorhersagen, aber leider hat er meistens Recht“.
Wir kennen den seufzenden Planer-Spruch: Meine Vorhersage war richtig, leider hat sich die Wirklichkeit geirrt. Für Opaschowski könnte man das abändern in: Seine Vorhersagen waren immer richtig, leider hat sich die Wirklichkeit manchmal etwas Zeit gelassen. Opaschowski war auch immer kritisch, aber nicht nur kritisch. Zu Beginn seiner Tätigkeit wurde Tourismus nur über „heile Welt“ dargestellt, zumindest mehr als heute.
Mit seinen Artikeln über Algenblühen und Robbensterben machte sich der Wissenschaftler unter den Tourismus-Verantwortlichen nicht nur Freunde. Als er ein Szenario von Urlaubsformen beschrieb, wie es bald danach von den Center Parks umgesetzt wurde, spottete die Presse über„Deutschland unter Glas?“.
Aber auch die Tourismusverantwortlichen bekamen mitunter den kritischen Spiegel vorgehalten. „Sie lamentiere zu viel“, sie mache zu wenig aus dieser „populären Form von Glück“, so seine Kritik an der Reisebranche.
Ende letzten Jahres gab Opaschowski die Führung des Zukunftsinstituts ab an Prof. Reinhardt. Anfangs dieses Jahres wurde der Freizeitforscher 70 Jahre alt. Aber von Langeweile keine Spur. Er arbeitet weiterhin als Berater für Wirtschaft und Politik. Als Zukunftsforscher ist er für die Bundesregierung tätig.
Natürlich sind wir hier nicht die ersten die den multipräsenten Forscher für sein Wirken auszeichnen. Er ist „Ehrenpreisträger des Tourismusausschusses des Deutschen Bundestags“ und im Dezember 2010 erhielt er das „Bundesverdienstkreuz 1. Klasse“.
Privat steht ganz klar seine Familie im Mittelpunkt. „Ein Leben im Gleichgewicht“ zu führen, das ist sein Bestreben. Herzlichen Glückwunsch Horst Opaschowski zur Auszeichnung durch die Vereinigung der Deutschen Reisejournalisten.
Karl Born
